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Hollywood im Brotox-Wahn

Foto: Getty Images

Beauty-Trend: Botox bei Männern
von Pia Sundermann
Hollywood ist im B(r)otox-Wahn

Bei den Emmy-Awards vergangenen Montag sahen nicht nur die Frauen frisch aus, sondern auch die Männer. Und das trotz reifen Alters. „BroTox“ nennt man das Jugendelixier für IHN – zusammen gesetzt aus Brother und Botox. STYLEBOOK.de sprach mit einem Schönheits-Chirurgen über den neuen Botox-Boom bei Männern, der auch nach Deutschland überschwappt.

Hollywood-Stars wie Matthew McConaughey (44) und Brad Pitt (50) hängen an der Nadel – sie lassen sich regelmäßig Botox spritzen, um jung und faltenfrei auszusehen. Aus einer aktuellen Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie DGÄPC geht hervor, dass sich dieser Trend auch bei uns breit macht: Im vergangenen Jahr waren 17,1 Prozent der Patienten in deutschen Schönheitskliniken männlich. 2008 waren es noch 9,6 Prozent. Aufgrund konstant wachsender Nachfrage geht die DGÄCP davon aus, dass sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren fortsetzen wird.

Heute wollen eben auch Männer im reifen Alter attraktiv aussehen. Tränensäcke, Schlupflider und ausgeprägte Mimikfalten werden als störend empfunden. Wie der typische männliche Patient aussieht? Er ist im Schnitt 40 Jahre alt, ledig und berufstätig. Interessant: Die Kosten für den Einwand sind übrigens kein Entscheidungskriterium für ihn. Warum Männer sich immer häufiger brotoxen lassen und was sie dabei beachten müssen, klärt STYLEBOOK.de Dr. Keywan Taghetchian von der Münchner Schönheitsklinik Smoothline:

STYLEBOOK.de: Der Brotox-Trend kommt natürlich aus Hollywood. Wir kennen aber meist nur die traurigen Negativ-Beispiele wie das entstellte Gesicht von Mickey Rourke (61). Bei welchem Promi ist die Botox-Behandlung dagegen gelungen?
Dr. KeywanTaghetchian: „Die Medien zeigen oft nur die extremen Fälle. Außerdem muss man wissen, dass in den USA ein anderes Schönheitsideal herrscht. Die Patienten lassen sich viel öfter behandeln als bei uns. Das führt dazu, dass viele künstlich aussehen. Beispiel Tom Ford (52): Für das europäische Schönheitsverständnis wurde bei ihm sicherlich zu viel behandelt, da sein Gesicht sehr maskenhaft wirkt. Die Kunst liegt darin, dass die Behandlung nicht auf den ersten Blick zu erkennen ist. Der Kunde soll aussehen, als ob er frisch aus dem Urlaub kommt. George Clooney, Brad Pitt und Jude Law sind mit Sicherheit gute Beispiele, sie wirken natürlich. Matthew McConaughey hingegen wurde bei seiner diesjährigen Oscar-Rede stark für seine zu glatte Stirn kritisiert. Bei ihm wäre etwas weniger mehr gewesen.

Kommen auch in Ihre Praxis immer mehr Männer?
Dr. Keywan Taghetchian: „Tatsächlich besuchen uns immer mehr Männer und interessieren sich für ästhetische Gesichtsbehandlungen. Der Anteil an Frauen ist jedoch nach wie vor deutlich größer: Botox wird von 15 Prozent Männern und 85 Prozent Frauen genutzt. Die Tendenz bei den Männern ist aber steigend.“

Warum boomt Botox bei Männern gerade?
Dr. Keywan Taghetchian: „Ein gepflegtes Erscheinungsbild ist schon lange kein Thema mehr, das nur Frauen betrifft. Im Alter verliert die Haut an Elastizität. Es entstehen Falten und eingefallene Gesichtspartien, so dass man müde und erschöpft aussieht. Eine ausgeprägte Zornesfalte kann zum Beispiel dazu führen, dass man als unsympathisch oder schlecht gelaunt wahrgenommen wird. Viele Kunden möchten jedoch auf ihr Umfeld, egal ob privat oder beruflich, nicht so wirken. Ein frisches und erholtes Auftreten verleiht mehr Selbstbewusstsein – unabhängig vom Geschlecht.“

Unterscheiden sich die Behandlungen für Männer von denen für Frauen?
Dr. Keywan Taghetchian: „Einen deutlichen Unterschied kann man nicht benennen. Hier kommt es ganz stark auf die Persönlichkeit an. Da die männliche Haut großporiger ist – vor allem die Muskeln sind dicker –, verlangt sie allerdings eine höhere Dosierung. Entscheidend ist, welche Region behandelt werden soll und wie stark die Falte ausgeprägt ist.“

In welchen Gesichtsbereichen wird Botox bei Männern überwiegend gespritzt?
Dr. Keywan Taghetchian: „Oft werden Stirn, Zornesfalte und Krähenfüße, also die Lachfalten um die Augen herum, behandelt. Am häufigsten jedoch die Zornesfalte.“

Anders als Frauen wollen Männer lediglich ausgeschlafener und frischer wirken, kleine Mimikfalten sind erlaubt. Sind in solchen Fällen eher Kombi-Behandlungen, also Botox-Hyaluron-Mischungen, sinnvoller?
Dr. Keywan Taghetchian: „Botox wird bei Mimikfalten, wie zum Beispiel auf der Stirn oder an den Krähenfüßen, verwendet. Hyaluron-Filler hingegen werden, wie der Name schon sagt, zum Auffüllen verwendet. Regionen, die mit Fillern behandelt werden, sind zum Beispiel Augenringe, Nasolabialfalte, Wangen und Lippen. Da beide Materialien in verschiedenen Regionen zum Einsatz kommen, sind Kombi-Behandlungen natürlich üblich. Bei einer stark ausgeprägten Zornesfalte wird zuerst Botox injiziert und anschließend wird sie mit Hyaluron aufgefüllt. Diese Methode kann sowohl bei Männern, als auch bei Frauen angewendet werden. Aber es stimmt, dass bei Männern mehr Restfalten zu sehen sein dürfen. Obwohl auch bei Frauen keine Faltenjagd betrieben wird. Es geht darum, frischer aussehen, sozusagen wie die bestmögliche Version von sich selbst.“

In welchem Alter kann Mann mit Botox anfangen?
Dr. Keywan Taghetchian: „Man sollte nicht zu spät mit den Behandlungen beginnen. Bei leicht eingefallenen Gesichtspartien und kleinen Falten ist die Behandlung effektiver, als bei stark ausgeprägten Falten. Der prophylaktische Wert ist sehr wichtig. Es ist eleganter, Falten und Volumenverluste erst gar nicht entstehen zu lassen.“

Was sollte man bei einer Männer-Botox-Behandlung sonst noch beachten?
Dr. Keywan Taghetchian: „Egal ob Frau oder Mann, eine solche Behandlung sollte immer von professionellen Ärzten durchgeführt werden. Hier ist es ganz klar die Aufgabe des behandelnden Arztes, die Persönlichkeit des Kunden zu erkennen und mit ihm gemeinsam ein auf ihn abgestimmtes Behandlungskonzept zu entwickeln. Nur wenn die Kommunikation stimmt, ist das Ergebnis zufriedenstellend. Die Beratung und Planung ist mindestens genau so wichtig, wie eine professionell durchgeführte Behandlung.“

  • Matthew McConaughey

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    Foto: Getty Images

    Spätestens seit den diesjährigen Emmy-Awards ist klar: Auch Matthew McConaughey lässt sich die Stirn glatt bügeln. Zu glatt, finden seine Kritiker. Auch Schönheits-Chirurg Dr. Taghetchian bestätigt im Gespräch mit STYLEBOOK.de, dass bei McConaughey weniger besser gewesen wäre

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