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Happy Birthday!

Wie aus Miss Ciccone Superstar Madonna wurde

Seit 35 Jahren ist Madonna Louise Ciccone zentraler Bestandteil des Pop-Kosmos. Welt-Erfolge und Skandale, modische Fehltritte und Fashion-Höhepunkte, gescheiterte Beziehungen und ein Gespür für Image-Verwandlungen – an dieser Künstlerin kommt einfach keiner vorbei. Am 16. August feiert die Queen of Pop ihren 60. Geburtstag .

 Gerade zierte die Stil-Ikone das Cover der italienischen Vogue, ihr neues Album erscheint demnächst und zum runden Geburtstag wünscht sich die Mutter von sechs Kindern Spenden für ihr Herzensprojekt „Raising Malawi“.  Doch trotz allen Erfolgs muss sich die Sängerin seit Beginn ihrer Karriere immer wieder verteidigen und erklären. Sich der Kritik stellen, ihre Zeit sei vorbei, Trends setzte sie schon lange nicht mehr und zudem sei sie nicht in der Lage, in Würde zu altern. Firlefanz.

Madonnas Weg in den Pop-Olymp

Aufgewachsen in einer streng katholischen Familie im tristen Bay City, Michigan. Sieben Geschwister, ein strenger Vater. Die Mutter verstarb an Brustkrebs, als Madonna fünf Jahre alt war. Das Mädchen rebellierte schon früh, eckte an, war aber auch Musterschülerin, Cheerleaderin, begabte Tänzerin. Das brachte ihr ein Stipendium ein, doch die Uni schmiss Madonna schon nach kurzer Zeit. 1978 machte sie sich allein und – schenkt man der Legende Glauben – mit mageren 35 US-Dollar in der Tasche auf den Weg nach New York City. Allerdings hatte im flirrenden Big Apple keiner auf das irgendwie hübsche, irgendwie begabte und irgendwie ausdrucksstarke Mädchen gewartet. Es folgten entbehrungsvolle Jahre im New Yorker Nachtleben der frühen achtziger Jahre ohne feste Bleibe. Kellnerinnen-, Akt-Modell- und Garderoben-Jobs waren nicht Zeugen eines Traumstarts im Show-Business. Aber: Wegbegleiter beschreiben die Sängerin aus der Provinz als stur, zäh, von sich selbst überzeugt. Und unfassbar diszipliniert. Eigenschaften, die ihr mit 25 Jahren den Durchbruch verschafften. Und die, das nur ganz nebenbei, mit mehr als 400 Millionen verkaufter Tonträger laut Guiness-Buch aus Madonna die erfolgreichste weibliche Solo-Künstlerin aller Zeiten machten. Anfang August 2018 wurde der Popstar zudem zum „All-Time-Top-Female-Artist“ der Billboard Hot 100 gekrönt.

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Boy-Toy, Material Girl, Esoterik- oder Fitness-Madonna

Dann wieder präsentierte sich das „Material Girl“ mit burschikoser Kurzhaarfrisur, platinblond, durchtrainiert. Sie heiratete Hollywood-Star Sean Penn, die Ehe sollte allerdings nur wenige Jahre halten. Ihr kometenhafter Aufstieg fand zu Beginn der 90er-Jahre seinen Höhepunkt. „Like A Prayer“ wurde zum umstrittenen Welt-Hit, Madonna zeigte sich als brünette Italo-Schönheit, um kurz darauf die „Blond Ambition“-Phase einzuläuten. Das legendäre Gaultier-Kegelbrüste-Korsett war ihre moderne Kampfmontur, die begleitende Tournee veränderte das bis dahin fade Konzert-Erlebnis dank Video-Projektionen, Kostümwechsel, Bühnendramaturgie und dem Headset-Mikrofon.

Madonna 1990
Das „Blond Ambition“- Tour-Kostüm des französischen Designers Jean Paul Gaultier wurde dank Madonna im Jahr 1990 unsterblich

Homosexuelle erhoben die Popgöttin zur Gay-Ikone, inspirierten sie zu dem Welthit „Vogue“. Hetero-Männer wurden hingegen zur Staffage und fühlten sich plötzlich in ihrer Testosteron-Übermacht bedroht. Die „Erotica“- bzw. „Sex“-Phase überspannte für viele den Bogen. Madonna, Mitte 30, galt plötzlich nur noch als überzogen, obszön, vulgär. Slut-und Bodyshaming anno 1993. Zu viel weibliche Sexualität überforderte die Massen, forderte und förderte allerdings gleichzeitig eine neue Sichtweise. Zumal die Sängerin partout nicht zurückruderte, sondern unbeirrt weiter ihr Ding durchzog. Es sei keine einfache Zeit für sie gewesen, Madonna selbst sprach Jahre später von einer regelrechten Hexenverfolgung. In den Folgejahren wurde ihr Image weicher, der Look sanfter und mit dem erfolgreichen Musical „Evita“ wähnte man sich beinahe in dem Glauben, die Diva habe genug provoziert. Im gleichen Jahr, 1996, kam Tochter Lourdes zur Welt, sie entstammt Madonnas Liaison mit dem kubanischen Fitness-Trainer Carlos Leon.

Madonna, 1993, 1990, 2015, 2010
Madonna, seit jeher bekannt für Provokationen, Skandale und die Fähigkeit, bei den Menschen unbequeme Knöpfe zu drücken. Und damit den gesellschaftlichen Diskurs zu beeinflussen. Ganz nebenbei hat sie eine beneidenswerte Disziplin vorzuweisenFoto: Getty Images

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Der Weg in die Bedeutungslosigkeit ist nicht ihr Ding

Pünktlich zu ihrem 40. Geburtstag katapultierte das elektronische „Ray of Light“-Album Madonna 1998 wieder international an die Chart-Spitzen – und läutete gleichzeitig ihre Kabbala-Phase ein. Nicht jeder konnte und wollte sich für das esoterische Mantra der Sängerin begeistern, aber Fernost-Styling mit Henna-bemalten Händen avancierte in dieser Zeit dennoch zum Trend-Accessoire. Genauso, wie ihr „Music“-Album den Cowboy-Style – stilecht mit Strass-Stetson – weltweit salonfähig machte. Dennoch lässt sich feststellen, dass die Madonna-Euphorie seit den frühen 00er-Jahren zyklisch abnahm, spätestens nach der kontroversen Adoption des afrikanischen Säuglings David Banda und dem Ende ihrer Ehe zu Regisseur Guy Ritchie wurden ihre Unangepasstheit und ihr vermeintlicher Jugend-Wahn zum Dauerthema. Madonna, mittlerweile Single-Mom von vier Kindern, hatte die 50 überschritten und absolvierte dreisterweise noch immer nicht im langen Samtkleid eine Balladen-Bühnenshow ihrer eigenen Erfolge.

Madonna in provokanten Outfits
Die „Mother of Re-Invention“ beweist, dass auch weit jenseits der 50 Platz ist für Spaß an Fashion, sexueller Inszenierung und Tabubrüchen.

Madonna, eine lebende Legende ohne Verfallsdatum

Als Madonna auch noch begann, mit Botox und Fillern zu experimentieren, war jener Leitsatz geboren, mit dem sie seitdem unentwegt konfrontiert wird: Sie ist alt, kann das nicht akzeptieren, gebärdet sich peinlich und soll bitte endlich von der Bühne verschwinden. Ageism in Reinform. Zum Glück schert das Madonna nicht, schließlich war sie immer schon irgendwie „zu alt“. Anders als Lady Gaga, Britney Spears oder auch Beyoncé war die Sängerin beim Karrierestart bereits eine erwachsene Frau, die sich Ruhm und Erfolg lang und hart erkämpfen musste. Skandale überstand sie erhobenen Hauptes, Flops und massive Kritik ertrug sie stoisch und beugte sich nie der öffentlichen Meinung, um einfach nur den Erwartungen zu entsprechen.

Popstar Madonna in Malawi
2013 besuchte Madonna mit David Banda und Mercy James sowie den beiden leiblichen Kindern Lourdes und Rocco ein Projekt ihrer Raising Malawi Organisation. Seit Jahren setzt sich der Pop-Star für das afrikanische Land ein

Foto: Getty Images

Sie umgibt sich mit Randgruppen, Homosexuellen, HIV-Infizierten, lange bevor es gesellschaftlich schick wird; in Malawi, ihrem Herzensland in Afrika, engagiert sich Madonna seit mehr als zehn Jahren für Aids-Waisen. Ihre Konzerte sind auch heute noch bis auf den letzten Platz  ausverkauft und der Sängerin gelingt es erstaunlich gut, kein nostalgisch-verklärter Retro-Act zu werden. Und nicht zu vergessen: Michael Jackson und Prince, ihre männlichen Pendants der Achtziger, Whitney Houston, Ausnahmetalente wie Amy Winehouse — sie alle sind am Ruhm zerbrochen. Drogen, Alkohol, finanzieller Ruin, ein tragisches Ende – Attribute, die Madonna glücklicherweise nicht zu bieten hat. Und vielleicht ist es gerade diese konsequente Präsenz, die dazu führt, dass sie heute eher angefeindet denn verehrt wird.

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Madonna in effektvollen Looks
Die Auftritte der sechsfachen Mutter sorgten immer wieder für Schlagzeilen: zu viel Haut, zu viel Inszenierung und, 2018 bei der MET-Gala, zu theatralisch.

Madonna im sechsten Lebensjahrzehnt

2016 erhielt sie den „Billboard Woman of the Year“-Award, sprach in ihrer Rede auch darüber, wie sie trotz „Sexismus, Frauenfeindlichkeit, Misshandlungen und Mobbing“ ihre Karriere unaufhörlich vorangetrieben habe. Und darauf sei sie stolz. Sie ist Feministin, auch wenn ihr dies gern abgesprochen wird, „also bin ich eben eine schlechte Feministin“. Madonna weiter: „Man sagt, ich sei kontrovers, aber das Kontroverseste an mir ist, dass ich immer noch da bin.“ Sängerin, Regisseurin, Buchautorin, Produzentin, Schauspielerin, Designerin, Mutter. Eine Powerfrau mit unzähligen Gesichtern. Betont cool ist ihre Miene, als sie vor wenigen Stundenden Countdown auf den bevorstehenden Geburtstag mit ihren Fans auf Instagram teilt: „Heute trage ich einen Kuchen auf dem Kopf! Noch zwei Tage…,“ schreibt sie zu dem Selfie mit aufwendiger Kopfbedeckung:

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Aktuell lebt Madonna in Lissabon, hat mit ihren MDNA-Skincare-Produkten ein weiteres, lukratives Betätigungsfeld gefunden und wird noch in diesem Jahr ihr 14. Studio-Album veröffentlichen, inspiriert von ihrem neuen Leben an Europas westlichstem Ende, wo ihr Sohn David eine Fußballschule besucht.

Lang lebe die Königin.

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