Ex-GNTM-Kandidatin im Interview

Fiona Erdmann: »Ich musste wieder atmen lernen

Fiona Erdmann
Vor über einem Jahr ist Fiona Erdmann aus ihrem Alltag in Deutschland ausgebrochen und in die arabische Wüstenstadt Dubai gezogen – eine Entscheidung, die sie nicht bereut!
Foto: Fiona Erdmann/Instagram

Seit anderthalb Jahren lebt Fiona Erdmann in Dubai, sieben Flugstunden entfernt von ihrer alten Heimat. Nach zwei schweren Schicksalsschlägen packte sie damals alles, was ihr wichtig war, in 25 Koffer und kehrte Deutschland den Rücken. Wie die Ex-GNTM-Kandidatin heute über ihr neues Leben am Wüstenrand denkt und was sie sich für die Zukunft wünscht, verrät sie im STYLEBOOK-Interview. 

2016 verlor Fiona ihre Mutter, 2017 starb ihr früherer Ehemann an den Folgen eines Verkehrsunfalls. Die Trauer zog der gebürtigen Saarbrückerin den Boden unter den Füßen weg, ihr Leben in Deutschland konnte und wollte sie so nicht länger weiterleben. Nach reiflicher Überlegung fiel die Wahl auf Dubai, weit genug weg vom Einfamilienhaus mit Garten und Terrasse im beschaulichen Schleswig-Holstein, weit genug weg von all den schmerzlichen Erinnerungen an die beiden geliebten Menschen.

„Eine komplett andere Welt!“

Auf ihrem Blog „Dashing Desert“ hält Fiona ihre Fans seitdem regelmäßig über ihr neues Leben auf dem Laufenden. Wohnungssuche, Freunde, Sprache, Visum – alles nicht so einfach in einem Land, dessen Kultur so ganz anders ist als das, was wir kennen. Tatsächlich sei in Dubai wirklich alles anders, bekräftigt die 30-Jährige denn auch im Telefoninterview, „eine komplett andere Welt!“ Mittlerweile wohnt sie in einer Zwei-Zimmer-Wohnung etwa 15 Minuten vom Zentrum entfernt. Fünf Meter hohe Decken, eine Terrasse, die um das Haus herum führt, alles ist top-modern – klingt luxuriös, die Wohnung teilt sich Fiona aber mit einer Freundin. „Dubai ist allgemein schon teuer, aber die Mietpreise sind echt richtig heftig“, erzählt sie. Eine eigene Ein-Zimmer-Wohnung sei keine Option, „da würden meine Sachen nicht reinpassen. Ich bin mit 25 Koffern nach Dubai gekommen und hab meine Kleiderschränke hier quasi übereinander gestapelt.“

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Fiona Erdmann

2007 wurde Fiona Erdmann durch ihre GNTM-Teilnahme bekannt.
Foto: Getty Images

In Dubai gab es keinen Promi-Bonus

Wie finanziert Fiona ihr Leben an diesem Ort der Superlative? „Ich tanze hier auf 10 verschiedenen Hochzeiten, ich mache irgendwie alles. Ich bin Model, Fitnessmodel und werde als Talent für Commercials und Events gebucht“, erzählt sie. Der Weg dahin sei aber nicht leicht gewesen. In Deutschland wurde sie 2007 als Kandidatin bei „Germany’s next Topmodel“ bekannt, versuchte sich danach als Schauspielerin, Moderatorin und Model. In ihrer neuen Heimat gab es keinen Promi-Bonus, deshalb musste Fiona erst einmal Klinken putzen. „Ich habe Gott und die Welt angeschrieben! Jede PR-, Event-, Model- und Talentagentur – alles, was mit dem zu tun hatte, was ich früher gemacht habe.“ Eine Menge Zeit, Geld und Nerven später hat sie sich heute gleich mehrere Standbeine aufgebaut, versucht sich als Unternehmerin mit einem eigenen Accessoire-Label und plant Projekte wie einen interaktiven Podcast für ihre Follower.

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Fluch und Segen im Netz

 Allerdings habe sie das Gefühl, dass das nicht so gefragt sei. Dennoch: Ganz abschwören möchte sie der Insta-Welt nicht, nach wie vor ist Fiona gerne auf der Plattform unterwegs, postet selbst ab und zu Fotos von Werbedeals und interagiert mit ihren knapp 95 000 Followern. Warum sie das macht, obwohl sie davon genervt ist? „Ich habe mir immer gewünscht, dass man selbst zeigen kann, wie man ist. Und ich glaube nach wie vor, dass Instagram dafür eine tolle Plattform ist.“ Nach ihrer Teilnahme an der Topmodel-Show vor nunmehr zwölf Jahren fühlte sie sich oft falsch dargestellt: „Ich bin nicht diese doofe Zicke, als die man mich damals verkauft hat! Es hat gedauert, bis ich das losgeworden bin.“ Jetzt könne sie endlich selbst ihr Image bestimmen und zeigen, wie sie wirklich ist.

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Warum behandeln sich Menschen mit unterschiedlicher Religion meistens so, als würden sie einer anderen Spezies angehören? Warum gibt es Menschen, die keinen Respekt gegenüber ihren Mitmenschen haben? Warum meinen manche Menschen, sie sind besser als andere? Warum können wir uns nicht einfach alle gegenseitig leben lassen und einfach akzeptieren, dass wir unterschiedlich sind? Können wir uns nicht auch gerne haben, wenn jemand anders ist und an andere Dinge glaubt oder andere Werte hat? Wir haben doch auch Freunde, die nicht die gleiche Musik mögen, nicht den gleichen Kleidungsstil haben und trotzdem sind wir mit ihnen befreundet. Was ist der Unterschied? Am Ende sind wir alle gleich! Wir sind alle Mensch. Ob mit Abaya, ob mit Uniform, ob mit Trachten, ob mit Minirock oder was auch sonst immer. Ich erzähle das, weil ich das letzte Mal, als ich ein Foto aus der Moschee mit Kopftuch und Abaya gepostet habe, sich wirklich Leute darüber aufgeregt haben. Und ich finde das so absurd. Meine Mama hat mich so erzogen, dass ich vor jedem Menschen, vor jeder Religion und vor jeder Nationalität Respekt habe. Daher kann ich all diesen Hass und die nicht bestehende Toleranz bei einigen einfach nicht nachvollziehen. Was ich in Dubai gelernt habe, ist, dass man sich durchaus gegenseitig akzeptieren und respektieren kann. Hier leben so viele unterschiedliche Nationen und Religionen auf einem Fleck. Und das funktioniert wunderbar. Kein Hass, keine Anfeindungen! Deshalb lebe ich gerne hier. Ich würde mich freuen, wenn viel mehr Menschen Toleranz aufbringen würden. Respektiert, akzeptiert und seid freundlich zu jedem, dem ihr in eurem Leben begegnet. ➖➖➖➖➖➖➖➖➖➖ #tolerance#respekt#respect#respect🙏 #respectful#berespectful#weareallhuman#respectreligion#respecteachother#spreadsomelove#bekind#mosque#sheikhzayedmosque#toleranz#wirsindallegleich#weareallequal#kopftuch#tolerancequotes#abaya#uae#dubai#mydubai#dubaiexpat#christchurch

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Deutschland ist keine Option

Eine Rückkehr nach Deutschland könne sie sich nicht vorstellen: „Ich habe hier viel über mich und das Leben gelernt und bin hier glücklicher, als ich es in Deutschland war – schon allein wegen der Sonne“, erzählt Fiona. Die Sonne ist es auch, die sie über so manchen einsamen Moment hinwegtröstet. Generell würden aber die schönen überwiegen: „Ich kann mich hier nach nur anderthalb Jahren auf mehr Leute verlassen als in Deutschland“. Fionas Freundeskreis besteht aber auch in Dubai zum größten Teil aus Deutschen, die wie sie in die Vereinigten Arabischen Emirate ausgewandert sind – mit einem kleinen Unterschied: 

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„Mir fehlt eine frische Brise!“

Das einzige, was sie vermisse, sei „eine frische Brise. Wir haben hier Temperaturen von mehr als 40 Grad, morgens knallt dir hier schon die Hitze ins Gesicht.“ Daran habe sie sich mittlerweile zwar gewöhnt, ihre Haare allerdings noch nicht. Die blonde Mähne leide nach wie vor unter der heißen Sonne, erzählt das Model: „Meine Haare trocknen durch die Hitze so schnell aus und das Wasser tut ihnen nicht gut“, erzählt sie. Fionas Pflegetipp, „damit die Haare nicht wegbröseln“: Arganöl.

Fiona Erdmann

Zwischen Yachten und Wolkenkratzern fühlt Fiona Erdmann sich mittlerweile richtig wohl
Foto: Beate Weiß

Fiona rät Dubai-Besuchern: „Denkt an die Jacke!“

Aber nicht nur das Wetter ist anders in Dubai, auch in puncto Menschen- und Freiheitsrechte gelten andere Gesetze, was nicht nur Arbeitsmigranten und Regimekritiker zu spüren bekommen, sondern auch Frauen. Diese werden „durch Gesetze und im täglichen Leben benachteiligt“, schreibt etwa Amnesty International. Stößt Fiona mit ihrem Leben als Fitnessmodel, das bauchfrei im Sport-BH posiert, in dem absolutistischen Staat nicht auf Widerstände? Für sie stelle das kein Problem dar, sagt Fiona, im Gegenteil: „Dubai ist super offen“, behauptet sie, „man kann hier alles tragen, was man möchte, auch ganz normal im Bikini zum Strand gehen oder bauchfrei herumlaufen.“ Das sehen viele Frauen in den Vereinigten Arabischen Emiraten sicher anders, vor allem die einheimischen.

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In Sachen Mode ist für Fiona vor allem das Wetter der entscheidende Faktor. „Hauptsache ist, ich schwitze nicht so viel, oder man sieht es wenigstens nicht.“ Dennoch sind lange Hosen und Blazer auch bei 40 Grad ein Muss – „wegen der Klimaanlagen wird es schnell kalt in Cafés und Restaurants.“ Deshalb rät sie auch allen, die sie in der Wüstenstadt besuchen wollen: „Denkt an die Jacke!“

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