Kunstvolle Sommer-Garderobe
von Stephanie Beckmann
Lieber Picasso auf dem Pulli oder Van Gogh auf dem Kleid?

Einen echten Gerhard Richter an der Wand? Das sieht doch auf der Straße niemand! Kunstwerke zum Anziehen bräuchte man. Die Designer machen’s möglich und aus dieser Liaison zwischen Mode und Kunst entsteht am Ende kunstvolle Mode – Investieren lohnt sich!

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    Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2012, Getty Images

    Jil Sanders Key-Look in diesem Sommer: Picasso-Gesichter auf den Pullis

Jeder Designer lässt sich inspirieren, ob durch Filme, Natur, Musik, Architektur, eine einzelne Zeichnung oder eine ganze Epoche. Manche widmen ihrer Inspirationsquelle eine ganze Kollektion, wie zum Beispiel Rodarte mit ihren Van-Gogh-Sonnenblumen auf den Kleidern. Andere nutzen ein bestimmtes Motiv als Hommage, siehe der Picasso-Pulli von Jil Sander.

Wir haben einmal überlegt, welches Kunstwerk welchem Modeschöpfer vielleicht Pate stand: 

Über Raf Simons letzte Sommerkollektion für Jil Sander könnte man eine Lobeshymne, mindestens aber eine wissenschaftliche Arbeit verfassen, so vielseitig und doch konsequent stimmig sind seine Entwürfe. Ein absoluter Keylook aber bleibt besonders im Gedächtnis: die abstrakten Gesichter auf den kurzen Strickpullis – eine Hommage an den Humanismus und Pablo Picasso, dessen Nachlassverwalter erstmals in eine Verwendung dieser Art einwilligten.

Den plakativen „Kunst-Raub“ praktizierten auch Rodarte, die Vincent van Goghs Sonnenblumen auf ihren Kleidern zelebrierten.

Für Furore sorgte Gucci mit glamourösen Kleidern mit Ikat-Mustern aus schmucken Perlen-Stickereien und Fransen, die an das Jazz-Age und die Art-déco-Malereien von Tamara de Lempicka erinnern. Ähnliches sah man bei Etro: Kleider mit prägnanten Zickzack-Elementen rufen die architektonischen Werke von William van Alen, zum Beispiel das berühmte Chrysler Building ins Gedächtnis.


Der Künstler Gerhard Richter inspirierte offensichtlich gleich mehrere Designer. Auch wenn Mary Katrantzou und Dries van Noten mit aufwendigen Drucken arbeiten, ganze Landschaften, Blumenmeere oder Korallenriffe auf Roben zaubern – uns erinnert die Farb- und Motiv-Wahl an den deutschen Künstler.

Meister unter den Digital-Prints sind auch Christopher de Vos und Peter Pilotto vom gleichnamigen Label. Absolut synchrone, grafische Minimuster in leuchtenden Farbfamilien erinnern an Werke von Damien Hirst.

Hien Le, der Berliner Designer mit laotischen Wurzeln, feiert plakativen Minimalismus in reinster Form. Die leuchtenden Farben der zarten Stoffe entstammen der Piet-Mondrian-Palette. Ähnlich wie bei Sonia Rykiel, bei der man viel Rot, Gelb und Schwarz sah – das waren auch die Lieblingsfarben des deutschen Künstlers Blinky Palermo, dem „James Dean der Kunstszene“ in der Nachkriegszeit.

Sarah Burton, die Nachfolgerin von Alexander McQueen, die das Label in seinem Namen weiterführt, setzt diesen Sommer auf moderne Romantik und viel Tüll in Zuckerwatte-Optik. Uns erinnert das an die impressionistischen Balletttänzerinnen in Öl von Edgar Degas.

Dolce & Gabbana und Stella McCartney klotzten nur so mit Farbe und Früchten, Blüten und Gemüse. Italienisches Dolce Vita, bunt geringelte Sonnenschirme und pompöse Stillleben könnten die Vorlage gewesen sein.

Die Geometrie von Vladimir Karaleevs ausgefransten Stoffen mit Struktur wurden in diesem Jahr um den Faktor Farbe bereichert. Ein Print, der wie die Aquarelle von August Macke anmutet, verträgt sich bestens mit den großzügigen Schnitten – leider erst im nächsten Sommer zu haben.

Bei dem Ausnahmetalent Iris van Herpen erwachen gleich ganz viele Assoziationen im Auge des Betrachters auf einmal: Ihre skulpturalen Entwürfe erinnern an Schuppentiere und Amphibien, Bauwerke wie den Eiffelturm oder perspektivische Zeichnungen von M.C. Escher...

Lassen Sie sich inspirieren – in unserer Bildergalerie. 

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