Parfümtrend: animalische Düfte
von Laura Pomer
Es riecht so (g)OUD!

Für einen strengen Geruch nehmen Männer und Frauen heute einen Haufen Geld in die Hand: Oud-Düfte sind der neuste Schrei aus der Exklusiv-Abteilung der Parfümerie. Wie das Ganze riecht? Animalisch und ein bisschen nach Schweiß – eher nicht so dufte.

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    Foto: PR

    Oud gilt als gewöhnungsbedürftig: er soll intensiv-würzig und fast nach Tier riechen. Trotzdem – oder gerade deshalb! – wird ihm eine aphrodisierende Wirkung nachgesagt. Für die Parfum-Kreationen der Luxus-Labels: bitte weiterklicken

Die Vorlieben beim Duftwasser sind sehr unterschiedlich: Die einen mögen’s blumig, die anderen herb-würzig oder frisch. Nun haben die Parfümeure eine weitere Kategorie für sich entdeckt, die sich nicht mit einem Wort beschreiben lässt: Oud – das intensive Duftöl eines speziellen Baumharzes – soll muffig, holzig, erdig, ja sogar ein bisschen nach Pipi riechen. 

Was auf den ersten Blick nicht unbedingt appetitlich klingt, ist zum Trend geworden: Luxus-Labels wie Armani, Tom Ford und Versace bringen ganze Kollektionen von Oud-Düften auf den Markt, die über die typische „Würze“ verfügen und sich verkaufen wie geschnitten Oud, ähm Brot.

Das Duftöl wird aus dem Harz des Adlerholzbaums gewonnen, der vorrangig in südostasiatischen Regenwäldern vorkommt. Wird der Stamm in seinem Kernholz verletzt, bildet er eine Art Schorf aus Harz, um die Stelle zu schützen. In seltenen Fällen wird die Wunde von einer Kombination aus Schimmelpilzen befallen. Durch die Fermentation entwickelt das Holz seinen speziellen Duft, dem das Harz seinen Wert verdankt: Ein Kilo kostet sage und schreibe 50.000 Euro – und damit mehr als Gold! Entsprechend teuer wird das Produkt verkauft.

Im Orient ist der Duft seit mehr als 2000 Jahren bekannt und beliebt, hat aber erst in den vergangenen Jahren einen Hype auf der ganzen Welt erfahren. Den Trend gesetzt hat spätestens Yves Saint Laurent im Jahr 2002: Das Parfum „M7“ roch intensiv nach der exotischen Ingredienz, die in der westlichen Welt bis dahin wenig bekannt war.

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Damit wurde das Produkt aber nicht beworben, sondern mit Sex  – verkörpert durch einem splitternackten Mann in Werbespot und auf Plakaten. Das passte: Schließlich soll Oud eine aphrodisierende Wirkung haben, mächtig und animalisch riechen. Aber tatsächlich auch nach Schweiß?

„Das kann man so nicht direkt sagen“, erklärt Thorsten Biehl, Inhaber der Parfum-Manufaktur „Parfumkunstwerke“ in Berlin. „Jeder Schweiß riecht anders und auch Oud riecht jedes Mal anders.“ So ist im Fall Oud die olfaktorische Ausprägung abhängig vom Fermentationsgrad des Harzes, erklärt Biehl.

Deshalb, wie auch aus ökologischen und Kostengründen, versuchen verschiedene Firmen, den Duft synthetisch herzustellen. Andere nennen ihre Kreationen auch einfach „Oud“, weil sie das typisch Animalische und Derbe transportieren – ohne dass der tatsächliche Duftstoff überhaupt enthalten wäre. Aber auch Pseudo-Oud-Düfte sind teuer. Wie kann das sein?

Biehl erklärt die Preise mit einem Marketing-Trick: „Die Leute haben gehört, dass Oud in arabischen Ländern als unglaublich wertvoll gehandelt wird. Das macht den Reiz aus.“

Dabei brauche man den tatsächlichen Duftstoff nicht unbedingt, findet der Parfüm-Experte. Er sei muffig und sehr gewöhnungsbedürftig. Die Qualität einer Oud-Komposition hänge vielmehr von der Kombination ab, denn: „auch Sandelholz oder Patschouli riechen allein nicht nur angenehm.“ Wird das Extrakt des Adlerholz verwendet, dann zusammen mit anderen Komponenten. Erst blumige, rauchige oder würzige Komponenten vervollständigen die Kreationen zum fertigen Parfum. 

Eine Auswahl verschiedener Oud-Düfte finden Sie in unserer Bildergalerie.





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