Thema

Die Marie-Antoinette-Diät
von Laura Pomer
Esst mehr Kuchen!

Wer schon morgens nascht, nimmt ab – glaubt Karen Wheeler. In ihrem neu erschienenen Diät-Ratgeber erklärt die Journalistin den Ernährungsplan der französischen Königin Marie Antoinette. Die war nämlich nicht nur für ihre Liebe zu Torten, sondern auch für eine extrem schlanke Linie bekannt. Kann das gesund sein?

„Dann sollen sie eben Kuchen essen!“

Diesen arroganten Satz soll Marie Antoinette (†1793, saß als Frau von Ludwig XVI. auf dem französischen Thron) dem Vorwurf entgegnet haben, die Armen ihres Landes könnten sich nicht einmal mehr Brot leisten. Inzwischen gilt es als bewiesen, dass er nie wirklich über ihre Lippen kam – und doch werden der Spruch und das Thema Kuchen bis heute mit ihr in Verbindung gebracht.

Marie Antoinette war für ihren süßen Zahn bekannt, soll sich durch ihren Palast-Alltag geschlemmt haben. Zum Frühstück gab's Torte, erst später am Tag folgten herzhafte Speisen wie Gänsestopfleber, Räucherlachs oder Entenbrust. Da kamen täglich einige Kalorien zusammen! Trotzdem habe die Königin zeitlebens mit einem extrem schmalen Taillenumfang (gerade einmal 58 Zentimeter!) beeindruckt, weiß Karen Wheeler.

Die Modejournalistin hat sich aus persönlichem Interesse mit dem Phänomen auseinander gesetzt: Nachdem sie von Großbritannien nach Frankreich gezogen war, sah sich sich mit einem alten Klischee konfrontiert, das tatsächlich wahr zu sein schien: Die Frauen hier wurden einfach nicht dick. Wheelers neue Freunde konnten den lieben langen Tag kräftig zulangen, ohne zuzunehmen.

  • die echte Marie Antoinette

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    Foto: Getty Images

    „Sie haben kein Brot? Dann sollen sie Kuchen essen!“ Dass Marie Antoinette (hier auf einem Porträt von Élisabeth Vigée-Lebrun aus dem Jahr 1783) diesen Satz gesagt haben soll, gilt inzwischen als wissenschaftlich widerlegt. Trotzdem dient er bis heute als Metapher für die Verschwendungssucht und Vermessenheit der französischen Regentin




Der US-Kinofilm „Marie Antoinette“ (2006) führte es Wheeler umso deutlicher vor Augen. „Regisseurin Sofia Coppola stellte das Leben der französischen Königin wie ein endloses Kuchenfest dar, mit Makronen und Nougat-Gebäck“, schreibt die Autorin in ihrem Ratgeber „Die Marie Antoinette Diät. Kuchen essen und trotzdem abnehmen“. Fortan beschäftigte sie sich intensiv mit dem täglichen Speiseplan der Blaublütigen, ließ ihren Eindruck vom Ernährungsexperten wissenschaftlich überprüfen und war schnell überzeugt: so geht die ideale Diät! 

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Zum Frühstück nahm Marie Antoinette Torten oder Kuchen zu sich, dazu gab es eine Tasse Kaffee oder heiße Schokolade. Klingt süß? Ist es auch – und soll dafür sorgen, dass man den restlichen Tag keinen Heißhunger auf zuckerhaltige Naschereien hat.

Mittags gab es herzhafte Speisen wie Hasenbraten, wie in den Memoiren von Marie Antoinettes erster Kammerfrau Jeanne Campan nachzulesen ist. Auch danach soll die Königin Käse, Nudeln und reichlich Backwaren genascht haben.

Am Abend war sie dann – logischerweise – kaum noch hungrig, schlürfte lediglich eine leichte Suppe mit Gemüse und magerem Geflügelfleisch. Im „Wunder in der Schüssel“ sieht Wheeler das Diät-Geheimnis: Auch ihre französischen Freunde sollen abends nicht mehr als eine leichte Suppe essen und sie alle seien schlank.

STYLEBOOK wollte wissen, ob ein Leben im Schlaraffenland wirklich gut für die Figur sein kann und wandte sich an einen Ernährungs-Experten. Das Urteil von Sven-David Müller: Torten essen, um abzunehmen sei „machbar, aber ungesund“.

Eine Ernährungsumstellung im Sinne der schlanken Linie muss dauerhaft durchführbar sein, erklärt der Diät-Assistent und Buchautor („Wir essen uns schlank: Die 100 besten Fatburner aus der Natur“, Verlag Mainz). Das Problem: „Die schlechten Fette in Torten können langfristig zu Arteriosklerose führen und das Risiko eines Herzinfarkt erhöhen.“

In diesem Sinne kann Müller unsere anfängliche Begeisterung („das klingt ja nach Traumdiät!“) schnell schmälern: Sowohl von Süßigkeiten zum Frühstück als auch von den herzhaften Köstlichkeiten dürfe man nur kleinste Mengen essen, sonst nehme man auf lange Sicht zu, statt ab. Denn: Schon eine kleine Handvoll Butterkekse etwa habe ungefähr 500 Kalorien – und für einen realistischen Gewichtsverlust dürften es täglich nicht viel mehr als 1500 sein. „Was bleibt“, so Müller, „sind ein halbes Stück Torte am Morgen, hier und da ein Häppchen und ab dem frühen Abend nur noch Brühe.“ Satt mache das nicht. Für die paar kalorienreichen Snacks fast den ganzen Tag hungern? „Na, dabei viel Spaß!“

Für den Experten klingt die Marie-Antoinette-Diät insgesamt mehr nach Verzicht als nach lustvoller Schlemmerei. Und für uns, nach reiflicher Überlegung, eigentlich auch...

Dass Marie Antoinette ihre gute Figur trotzdem halten konnte, können wir also nur auf gute Gene zurück führen. Bewegung jedenfalls soll die Königin gehasst haben. Ihr einziger Ausdauersport hieß: Shopping! Und das natürlich, ganz royal, stets im Sitzen.




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