Loulou? Oui, c'est moi Durch die Pubertät mit Cacharel, Biagiotti & Co.

Loulou? Oui, c’est moi
von Stephanie Beckmann
Durch die Pubertät mit Cacharel, Biagiotti & Co.

Die Zahnspange noch nicht ganz los geworden und schon duften wollen wir eine Famme Fatal. Alles fing an mit einem Werbespot für das Parfum „Loulou“...

Eine brünette Frau läuft flüchtig durch die Dunkelheit einer Filmkulisse, im Hintergrund schmachten Geigen auf Französisch. Der Wind weht, sie zieht die Baskenmütze aus, schüttelt ihren lockigen Bob und streift den Mantel ab. „Loulou?“, fragt die Stimme aus dem Off, „Oui, c’est moi“ haucht sie mit weit aufgerissenen Augen. Trotz des mädchenhaften Charmes versprüht die Darstellerin einen Funken Verruchtheit und lässt zwischen den Zeilen eine trotzige Selbstbestimmtheit durch blitzen. Es war Diane Krugers (heute 35) erster richtiger Model-Job.

Diese Werbekampagne von Cacharel hatte alles, was man mit ungefähr 13 sein wollte und das war zum Greifen nahe. Ein türkiesfarbener Flakon im Art-Deko-Stil versprach Ende der 80er Jahre die olfaktorische Emanzipation von süßlichen Deos der Marke „Impulse“ und markierte das Entree in die Duftwelt. Papa roch nach markantem Rasierwasser, gemischt mit Pfeifentabak, Mama benutzte Chanel oder Gabriela Sabatini. Und der Klassenraum wurde fortan von „Loulou“ dominiert, ein pudrig-orientalischer Duft aus Veilchen, Rose, Weihrauch und Moschus.

Doch die frankophile Duft-Diktatur hatte bald ein Ende. Die Konkurrenz kam aus Italien und hieß Laura Biagiotti. Der Duft: „Venezia“, ein echtes Schwergewicht. Dramatische Nelke mischt sich mit klebrigem Zimt und (wieder) Moschus zu einer theatralischen Komposition. Übertroffen wurde dies nur in Kombination mit „Roma Uomo“ für ihn. Im Duett kaum zu ertragen.

Als endlich alle die Nase auch davon voll hatten, kamen lieblich-wässrige Düfte auf den Markt. Cacharel lancierte das moosige „Eden“, Biagiotti konterte mit „Laura“, einem tropfenförmigen Flakon, gefüllt mit Veilchen, Seerose und Wassermelone. Die Emanzipation war dahin, alle Mädchen wollten romantisch märchenhafte Geschöpfe wie Meerjungfrauen repräsentieren.

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So wechselten sich rebellische Phasen, in denen Patschuli aus Armee-Rucksäcken strömte und meine extrovertierte Freundin nach Männerparfums wie „Cool Water“ und „Egoïste“ roch, ab – mit verschiedenen Frauenbildern, denen es nachzueifern galt.

Stephanie Beckmann Stylebook,
Redaktion

Eines davon erfand auch Designerin Jil Sander: die sonnengebräunte Strandschönheit trug „Sun“ und duftete in den 90ern nach Orange, Amber und Honig. Als einer Schulkameradin die 100ml-Flasche auf der Klassenfahrt in der Zug-Toilette zerschellte, und es für 13 Stunden kein Entrinnen gab, waren wir auch davon kuriert.

Mit „Obsession“, „Eternity“ und „ck one“ verdrängte der Amerikaner Calvin Klein schließlich die Europäer vom Markt, brachte Noten wie Holz, Minze und Gurke in den Duft und Erotik in die Werbung. „Unisex“ machte das Tragen von Herrendüften überflüssig und Kate Moss’ Heroin-Schick ersetzte die kurvig-süße Weiblichkeit.

Sind wir dafür dankbar? Ja. Der dominante Moschus war endlich weg vom Fenster, der Weg für androgyne Düfte geebnet. Und nein. Ein bisschen „Loulou“ wünschen wir uns auch heute noch...

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