Tod von Oscar de la Renta: Wer wird sein Nachfolger?

Nach dem Tod von Oscar de la Renta (†82)
von Thomas Helbing
Wer erbt jetzt sein Millionen-Modeimperium?

In der Nacht zu Dienstag starb der Designer Oscar de la Renta im Alter von 82 Jahren. Doch wie geht es nach seinem Tod mit dem Modehaus weiter, das so eng mit seinem Namen verbunden war? Müssen die prominenten Fans sich nun einen neuen Lieblingsschneider suchen?

„Oscars Lebenswerk, sein Talent und seine Liebe zum Leben sind das Herz der Firma. Alles was wir bisher geleistet haben und künftig tun werden, ist beeinflusst von seiner Handschrift und seinem Geist. Weil Oscar es stets vorgemacht hat, wissen wir, wie wir nach vorne blicken. Wir werden Oscar auch weiterhin stolz machen, in dem wir seine Arbeit, die Oscar so sehr liebte, fortführen werden.“

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Diese Worte schrieben Alex und Eliza Bolen, der Schwiegersohn und Oscar de la Rentas jüngste Tochter, in einer handschriftlichen Notiz an die Mitarbeiter des Modehauses am Dienstag. Die wichtigste Botschaft darin: Das Modehaus Oscar de la Renta, welches 1965 gegründet wurde, wird auch nach dem Tod des Gründers fortbestehen. Prominente Fans wie Sarah Jessica Parker (49), Hillary Clinton (66) und Amal Clooney (36) können also aufatmen.

Peter Copping wird Kreativdirektor
Zum Glück hatte Oscar de la Renta wenige Tage vor seinem Tod seine Nachfolge geregelt. Am 13. Oktober wurde verkündet, dass der britische Designer Peter Copping neuer Kreativdirektor an der Seite von Oscar de la Renta werden würde. Wahrscheinlich wussten da schon beide, dass die Zusammenarbeit nur von kurzer Dauer sein würde und Copping sich recht bald allein um das kreative Erbe de la Rentas kümmern werden müsse.

Copping, der zuvor seit 2009 beim Pariser Modehaus Nina Ricci entwarf, soll diesen Job vor allem bekommen haben, weil sein Stil dem von de la Renta so ähnlich sei. Oscar de la Renta war der Meister der opulenten Roben, der mit einem einzigartigen Gefühl für Ornamente, Farben und Silhouetten, betörend schöne Roben kreierte, die die Weiblichkeit einer Frau unterstreichen. De la Renta kreierte keine Moden, sondern Stil.

Die de la Renta Dynastie
Peter Copping wird zwar das Design der Marke Oscar de la Renta künftig bestimmen. Das Modehaus bleibt wohl in Familienbesitz. Oscar de la Renta hinterlässt vier Stiefkinder, neun Enkel und einen Adoptivsohn. Die Familie war immer in das Modehaus eingebunden. Oscars jüngste Tochter Eliza ist seit vielen Jahren Vize-Präsidentin für das Lizenzgeschäft, ihr Ehemann Alex Bolen Geschäftsführer des Modehauses. De la Rentas Adoptivsohn Moises (30) ging seine ersten Schritte als Designer im Atelier seines Ziehvaters. Bereits de la Rentas erste Frau Françoise, eine ehemalige Redakteurin der französischen „Vogue“, die der Designer 1967 heiratete und die 1983 ebenfalls an Krebs starb, agierte im Hintergrund und galt in den 1970er und Anfang der 1980er Jahre als Geheimwaffe im Modeimperium ihres Mannes. „Sie machte Oscar noch außergewöhnlicher“, schwärmt „Vogue“-Chefin Anna Wintour (64) heute noch. Die legendären Dinnerpartys von Françoise sorgten für gute Beziehungen zu Amerikas High Society und eine prominente Kundenliste. 

Oscar de la Renta war der Designer der großen Welt, für die Damen der Gesellschaft, gekrönte Damenhäupter und seit Betty Ford auch der „First Schneider“ für sämtliche Präsidentengattinnen Amerikas. Sie machten den in der Dominikanischen Republik geborenen Designer mit einem geschätzten Privatvermögen von über 100 Millionen Dollar zu einem der reichsten Latinos der USA, sein Modehaus soll 250 Millionen Dollar wert sein. Und de la Renta war einer der letzten Dinosaurier in der Branche. Sein Label ist eines der wenigen unabhängigen, wurde bisher nicht wie viele andere Traditionslabels wie Givenchy, Balenciaga oder Donna Karan von einem Luxuskonzern geschluckt. Angebote habe es immer gegeben. „Wir sind Meister unseres eigenen Schicksals“, antwortete de la Renta immer auf die Frage, warum er die Marke nicht mit Hilfe von Investoren vergrößern wolle. Man kann nur hoffen, dass sich die Erben an diese Worte auch künftig erinnern werden.


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