Suzy Menkes kritisiert Fashion-Blogger und Streetstyle-Stars

Scharfe Kritik
Suzy Menkes ätzt gegen Mode-Blogger

Suzy Menkes (69) gilt als die klügste Stimme der Modewelt – und die am meisten gefürchtete. Normalerweise stehen die Designer und deren Kollektionen in ihrem Kritik-Fokus. Jetzt hat sich Menkes Modeblogger und die Streetstyle-Szene vorgeknöpft. Die Fashion-Welt steht Kopf!

Wenn man so will, ist Suzy Menkes die „Eiserne Lady“ der Mode. So scharf und gefürchtet ist das Urteil der britischen Modejournalistin. Das spürt man vor allem dann, wenn alle gegen die Kolumnistin der „International Herald Tribune“ Sturm laufen, wie aktuell die Modeblogger- und Streetstyle-Szene. Die ist seit Menkes Artikel „The Circus of Fashion“  in der „New York Times“ beleidigt und fühlt sich zu Unrecht durch den Kakao gezogen.

Worum es dabei geht? Um Eitelkeiten und Selbstdarstellung. Speziell das immer professionellere Geschäft der Streetstyle-Fotografie, das „Trara, das sich heute vor jeder großen Modenschau abspielt“, wie Menkes kritisiert, „das jede Modenschau immer mehr zur Zoovorstellung macht“ und der eigentliche Fokus einer Modenschau, nämlich die Mode auf dem Laufsteg, dabei vergessen wird.

Menkes: „In der Arena der Modeprominenz werden heute vor allem jene gefeiert, die berühmt fürs Berühmtsein sind, ..., die Subjekte von heute werden allzu gerne zu Objekten, die, statt sich jagen zu lassen, geradezu nach Aufmerksamkeit röcheln.“

  • Suzy Menkes

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    Foto: getty images

    Die Kritikerin Suzy Menkes

    Sie gilt als die einflussreichste, unabhängigste Modekritikerin der Welt. Neuerdings geht sie mit Modebloggern und Streetstyle-Stars heftig ins Gericht

Diese grassierende Profilierungsseuche und fehlende Distanz sieht Menkes als Gefahr für die gesamte Mode-Branche. Sie weiß um die mediale Macht der Mode-Blogger wie Bryanboy und Streetstyle-Stars wie das „wandelnde Schaufenster“ Anna Dello Russo, die von der Szene wie Popstars hofiert werden und sich von Luxusmarken mit Kleidern und Geschenken bestechen lassen.

Ihre Kritik: „Viele Blogger sind – oder waren eingangs – analytisch und bündig in ihren Kommentaren. Mittlerweile, in der Erwartung auf Freigeschenke und Einladungen für die nächste Schauen-Runde, können aber nur noch die allerwenigsten Blogger als Kritiker bezeichnet werden...“

Suzy Menkes, die sich stets ihre Unabhängigkeit bewahrt und niemals Geschenke annimmt, verurteilt diese Praktik unter Bloggern aufs Schärfste.

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Ist Menkes Kritik berechtigt oder ihr Standpunkt schlicht altmodisch?

Fashion-Bloggerin Leandra Medine kritisiert auf ihrem Blog „Man Repeller“ die einseitige Sichtweise von Menkes, die alle Blogger in einen Topf werfe. Medine, die das Streetstyle-Phänomen als „logische Folge des Reality-Star-Kults“ ansieht, verteidigt ihre Arbeit und die ihrer Blogger-Kollegen als „verblüffend“ und wichtig für die Demokratisierung der Mode, die, wie auch Menkes selbst schreibt, lange Zeit einer Elite, nämlich Journalisten und Einkäufern, vorbehalten war.

Blogger-Kollegin Susanna Lau von „Style Bubble“  – auch sie wird in Menkes' Artikel kritisch erwähnt – schenkt der Kritik relativ wenig Beachtung und fordert ihre Community dazu auf, weiterzumachen wie bisher. 

Doch sollte man das Wort einer Suzy Menkes missachten? Schließlich gibt es eine stille Branchen-Regel: Was die Britin schreibt, gilt!

Nur sind ihre Vorschläge, um die Zukunft der Mode in ihren Augen zu retten, wenig visionär. Menkes schlägt vor, Modenschauen an geheimen Orten, nur für eine exklusive Gruppe von Mode-Profis abzuhalten – und woanders die „Pfauen stolzieren zu lassen“.

Ganz ehrlich: Ein überspitzter, aber kein gelungener Vorschlag! Schließlich war und ist Mode immer ein junges Geschäft, bei dem immer mehr das Internet sowie Fashion-Blogger und Streetstyle-Trends die Märkte bestimmen. Das kann man mögen oder nicht. Aber ohne dieses „digitale Fastfood“ („SZ“) wird es Mode künftig nicht mehr geben.

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