Nikolaus Jagdfeld
Der Stil-Händler

Nur noch wenige Tage bis zur Mercedes Benz Fashion Week Berlin – wieder einmal rückt die Hauptstadt für eine Woche in den Fokus des internationalen Fashion-Zirkus. Immer im Fokus der Berliner Modeszene: Der Departmentstore Quartier 206 an der Berliner Friedrichstraße, hier kleidet sich die Prominenz der Republik ein – und Trendbegeisterte, die gerne aktuelle Laufsteg-Looks shoppen. Als Geschäftsführer des Q206 hat Nikolaus Jagdfeld (32) also einen echten Fashion-Traumjob. Ein STYLEBOOK-Interview über Stil, Mode und die neue Lust an der Modestadt Berlin.

  • Foto: BRAUER PHOTOS

    Nikolaus Jagdfeld ist Geschäftsführer im Departmentstore Quartier 206 in Berlin

STYLEBOOK: Zu Beginn eine unkonventionelle Frage: Wie lange haben Sie heute Morgen vor dem Kleiderschrank gebraucht?
Nikolaus Jagdfeld: (Lacht) Das ging wie immer ganz schnell. Ich weiß, was ich will – auch bei der morgendliche Ankleide. Ich schätze, acht Minuten. Am längsten hat die Kombination von Krawatte und Hosenträger in Lila gebraucht.
 
Sie leiten den Departmentstore Q206, Mode ist also ihr Tagesgeschäft. Verliert man dabei wie der Eisverkäufer die Lust am eigenen Süsskram oder wird man zwangsläufig zum Fashion Victim?
Ein guter Eisverkäufer bietet seiner Kundschaft immer wieder neue Überraschungen in seinem Sortiment und damit auch sich selbst. So ist es auch mit der Mode: Sie ist ständig im Wandel und bietet Neues. Der Departmentstore Q206 ist zwar vordergründig ein Modekaufhaus – aber im Kern bieten wir unseren Kunden die neuesten Entwürfe der besten Designer als Inspiration für ihren eigenen Stil. Insofern handeln wir indirekt auch mit Stil. Und davon kann man nie genug bekommen.  
 
Wie würden Sie Ihren eigenen Stil beschreiben?
Ich schwanke wie eigentlich jeder Geschäftsmann zwischen klassisch im Büro und casual am Wochenende. Was unter der Woche Anzüge und Sakkos von Designern wie Kiton und Richard James sind, wird in der Freizeit gegen Lockeres getauscht. Derzeit besonders hoch bei mir im Kurs sind Stücke von Tom Ford und Bottega Veneta. Begleiter hier wie dort sind meine geliebten Strickjacken. Und eins noch: Ich trage fast nie schwarze Sachen.

Wer sind Ihre Stilvorbilder?
Ganz klar: der Duke of Windsor (König Edward VIII, Anm. d. Red.). Stets stilsicher gekleidet, hat er auch viel experimentiert und dadurch neu interpretiert. Anleihen seines Geschmacks sind bis heute in der Garderobe eines jeden Gentlemans aufspürbar. Ebenfalls erwähnenswert sind Aristoteles Onassis und Mark Ronson.
 
Was ist Ihr absolutes Lieblingsteil im Schrank?
Ein blauer Anzug von Bespoken. Handgemacht, Top-Qualität. Dazu trage ich ein weißes Hemd samt passendem Einstecktuch und schwarze Chelsea Boots – klassisch und zeitlos schön. Bei Frauen liebe ich das „kleine Schwarze“; wer nicht?! Dazu gute Schuhe, vielleicht eine Tasche von Marc Jacobs. Ich mag überhaupt Sachen in hochwertiger Verarbeitung: Denn Qualität spürt man beim Tragen und jeder kann sie sehen – auch nicht ganz unwichtig.
 
Sie kennen die Modebranche und die Fashion-Metropolen dieser Welt. Welchen Rang hat Berlin inzwischen erreicht?
Berlin hat sich neben Paris, New York, Mailand und London etabliert. Jede dieser Städte steht für etwas: Paris ist die Mode-Hauptstadt und Heimat der Haute Couture; New York ist der Hotspot der Stars und Fashion pur; Mailand vereint viele Schwergewichte wie Prada oder Gucci und ist grundsätzlich eher klassisch; London ist wieder mächtig im Kommen mit Labels wie Alexander McQueen und Stella McCartney. Berlin musste seinen Platz finden. Noch fehlen die vielen großen Berliner Labels, aber das kommt! Und bereits jetzt überzeugt Berlin mit seiner sehr guten zentralen Infrastruktur und der sehr trendigen Szene. Beispielsweise sieht man hier den Balmain-Look vom Pariser Laufsteg an so vielen jungen Menschen, nur dass deren Kleidung vollends authentisch ist und meist aus dem Second-Hand-Shop stammt. Berlin ist Trendsetter und beweist: arm und sexy sind kein Widerspruch. Einfach wunderbar!

Departmentstore Quartier 206
Departmentstore-Cabinet

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