Günstige Hochzeitsmode im STYLEBOOK-Check

Spitze, Tüll, Satin-Optik – was taugen die Brautkleider von H&M?

Spitze, Tüll, Satin-Optik: Drei Barutkleider von H&M im Check
Hätten Sie erkannt, dass diese Brautkleider nicht aus dem Fachgeschäft, sondern von H&M kommen?
Foto: STYLEBOOK

Für ihren großen Tag geben Heiratswillige mitunter sehr viel Geld aus, oft entfällt ein beträchtlicher Teil des Budgets auf das Brautkleid. Mittlerweile haben aber auch große Modeketten ihr Sortiment um weiße Festkleider erweitert, die – zumindest auf den ersten Blick – richtig was hermachen und mit den teuren Modellen designtechnisch mithalten können. Aber was taugen die Brautkleider von der Stange wirklich? Drei Teile von H&M im großen STYLEBOOK-Check!

Hochwertige Materialien wie Seide, Handarbeit, exakte Passformen – Brautkleider aus dem Fachgeschäft trumpfen meist mit Spitzenqualität auf, haben aber bekanntermaßen auch ihren Preis. Große Ketten produzieren ihre Ware dagegen im großen Stil, worunter nicht selten die Qualität leidet. Aber gilt das auch für Hochzeitsroben? Immerhin sind die – verglichen mit der restlichen Auswahl – auch bei den günstigen Fashion-Riesen relativ kostspielig.

STYLEBOOK-Redaktion in Brautkleidern

3 „Bräute“, 3 Styles! Wir haben uns für drei ganz unterschiedliche Modelle aus dem Shop entschieden, damit für jede Heiratswillige was dabei ist: ein Kleid in Seidenoptik, eins aus Tüll und eins aus Spitze.
Foto: STYLEBOOK

Schnäppchen auf dem Hochzeitsmarkt

Auch wenn keine von uns plant, in der nächsten Zeit zu heiraten, landen bei unserer Brautkleid-Mission schnell drei Modelle im Warenkorb: einmal die Spitzen-Version à la Herzogin Kate (ca. 200 Euro), ein schlichtes Tüllkleid (ca. 180 Euro) und ein elegantes Satinkleid mit auffälligem Volant am Rock (ca. 250 Euro).

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Wenige Tage später kommt ein riesiger Pappkarton an, darin die Probe-Brautkleider, die in separaten Kleidersäcken verpackt sind. Das kann zwar nicht über die unnötigen Plastikverpackungen und den unangenehm chemischen Geruch, der an den Kleidern haftet, hinwegtäuschen, sorgt aber zumindest kurzzeitig für ein Gefühl von Hochwertigkeit.

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Herzogin-Kate-Lookalike

Dieses Brautkleid sieht aus wie das von Herzogin Kate, ist mit ca. 200 Euro aber deutlich günstiger
Foto: PR/H&M

Erster Eindruck

Beim Öffnen des ersten Kleidersacks dann die erste Ernüchterung: Das Spitzenkleid sieht auf dem Bügel gar nicht mehr so schick und elegant aus wie auf dem Foto im Online-Shop und erinnert uns auch so gar nicht mehr an jene Robe, in der Herzogin Kate an ihrem Hochzeitstag bezauberte. Die Spitze wirkt wenig hochwertig, das Taillenband bestätigt diesen Eindruck, der Stoff fühlt sich unangenehm billig an. Auf den ersten Blick: schwierig.

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Verarbeitung

An der Verarbeitung gibt es bei genauerem Hinsehen allerdings nicht viel zu meckern. Klar, der Reißverschluss könnte nahtverdeckter sein und der leichte Schrägzug am Taillenband hätte vermieden werden können, aber zumindest wurde bei Zuschnitt und Verarbeitung der Spitze am Rücken auf Symmetrie geachtet, nur in der Taillenregion passen die Blumenranken nicht perfekt aufeinander – für den Preis insgesamt aber völlig okay.

Brautkleid

Verarbeitungstechnisch kann das Günstig-Brautkleid zwar punkten, perfekt genäht ist die Rückenpartie aber nicht
Foto: STYLEBOOK

Im Tragetest

Angezogen überrascht uns das Kleid positiv: Auch wenn die Passform noch beim Schneider angepasst werden müsste – das Kleid wirkt dank des Korsetts plötzlich erstaunlich hochwertig, und das trotz 100 Prozent Polyester. Die Spitze im Dekolleté sorgt dann doch noch für einen kurzen Kate-Memorial-Moment, das billig wirkende Taillenband fällt gar nicht mehr auf und kann am Hochzeitstag ja auch einfach mit einem filigranen Taillengürtel versteckt werden. Daumen hoch!

Weißer Tülltraum?

Brautkleid von H&M

Schlicht und in schmeichelhafter Wickeloptik kommt dieses Tüll-Brautkleid für 180 Euro daher
Foto: PR/H&M

Erster Eindruck

Es knistert – und zwar nicht, weil das Kleid so toll aussieht, sondern weil der Stoff so geladen ist. Kein Wunder bei dieser explosiven Mischung: Polyester-Futter trifft auf Polyester-Tüll und noch mehr Lagen Polyester.  Auf dem Bügel wirkt es zwar hübsch, aber anziehen möchte man es irgendwie nicht, zu unangenehm fühlt sich der Stoff beim Drüberstreichen an.

Brautkleid von H&M

Eigentlich saß das Kleid perfekt – wegen ausgeleierter Gummis und zu tief angesetztem Reißverschluss wirkte das in der Rückenansicht aber nicht so
Foto: STYLEBOOK

Verarbeitung

Bei der Verarbeitung gibt es wieder nicht viel auszusetzen, für den gezahlten Preis entspricht das Kleid den Erwartungen. Wieder hätte in der Rückenpartie sauberer gearbeitet werden können, aber im Endeffekt sind es nur kleinere Makel: Der Reißverschluss wurde zu weit unten angesetzt, weshalb es auch beim vollständig geschlossenem Kleid so wirkt, als würde der Zipper nicht ganz zugehen und das Kleid nicht sitzen. Dieser Eindruck wird von den Gummi-Verschlüssen der Knöpfe verstärkt, die schlicht zu lang sind und deshalb so aussehen, als seien sie bis aufs Äußerste gedehnt.

Brautkleid von H&M

Der Schnitt: schmeichelhaft. Der Stoff: fällt durch.
Foto: STYLEBOOK

Im Tragetest

. Unangenehm ist auch, dass die unterste Futterlage so aufgeladen ist, dass sie an den Beinen klebt, sich immer wieder nach oben schiebt und als unschöner Knitterberg unter den oberen Lagen abzeichnet. Der Rock liegt deswegen nie so, wie er soll und knistert bei jedem Schritt wie eine gigantische Plastiktüte. Auch wenn das Oberteil perfekt sitzt und das Kleid insgesamt gut verarbeitet ist, fällt es wegen seines Stoffes komplett durch.

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Elegant in Satin-Optik

Brautkleid von H&M

Mit ca. 250 Euro das teuerste Kleid in unserem Test: ein champagnerfarbenes Modell in Satin-Optik
Foto: PR/H&M

Erster Eindruck

Die Erwartungen an das Kleid in Satin-Optik waren am höchsten, schließlich wirkte es im Shop besonders elegant und ist mit knapp 250 Euro auch das teuerste in unserem Vergleich. Umso enttäuschender ist das Unpacking: Das Kleid wirkte auf den Werbefotos im Shop viel hochwertiger! Der Stoff ist lediglich als Satin getarnt, ein Blick auf das Etikett sorgt für Ernüchterung: 100 Prozent Polyester, dafür sind 250 Euro dann doch ein ziemlich stattlicher Preis. Dennoch: Das H&M-Kleid überspielt das wenig hochwertige Material weitestgehend und punktet mit seinem außergewöhnlichen Schnitt und der seidig glänzenden Optik.

Brautkleid von H&M

Meckern auf hohem Niveau: Der Volant is etwa einen halben Zentimeter versetzt, das sollte eigentlich nicht passieren…
Foto: STYLEBOOK

Verarbeitung

Das Kleid sieht weitaus hochwertiger verarbeitet aus, als es tatsächlich ist, das größte Manko: Der Ausschnitt am Dekolleté ist unsauber verarbeitet, der Futterbeleg wird sichtbar – ein absolutes No-Go bei einem so auffälligen Ausschnitt! Ansonsten gibt es kleinere Makel wie etwa die Verarbeitung des Volants, der an beiden Seiten nicht perfekt mit der Naht abschließt.

Brautkleid von H&M

Das Kleid kommt in seidig glänzender Optik daher und sieht dadurch edler aus, als es ist – Verarbeitungsfehler fallen erst bei genauem Hinsehen ins Auge
Foto: STYLEBOOK

Im Tragetest

Ähnlich wie das Tüllkleid ist das Kleid schwer, was bei den hauchdünnen Trägern problematisch wird. Auch wenn im Test alles gut geht – die Angst, dass der Hochzeitstanz eventuell zu viel für den Träger sein könnte, bleibt bestehen. Darüber hinaus offenbart das Kleid einiges, der Ausschnitt ist gewagt und deshalb auf keinen Fall BH-tauglich. Das kann toll aussehen, wenn es denn perfekt sitzt und Braut sich darin wohl fühlt. Ist das nicht der Fall, kann das spektakuläre Dekolleté schnell zum Anlass für nerviges Rumzupfen werden. Dank 100 Prozent Polyester steigt auch unter diesem Kleid schnell die Temperatur, auch wenn es nur aus einer Lage besteht.

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Was taugt also ein Brautkleid von der Stange?

Alle drei getesteten Kleider sind zwar schön, aber ihr Geld nicht wirklich wert. Natürlich muss man nicht Tausende von Euro in eine Hochzeitsrobe investieren, aber die Kleider von H&M sind sicher nicht die beste Lösung. Nur das Herzogin-Kate-Spitzen-Modell hat uns letztendlich überzeugt, die beiden anderen Kleider fallen vor allem in puncto Tragekomfort und Qualität durch. Man erkennt deutlich, dass es sich um Massenware handelt: Nähte, die nicht zu 100 Prozent aufeinander passen, nahtverdeckte Reißverschlüsse, die den Namen nicht so richtig verdienen, Materialien, die nur auf den ersten Blick hochwertig wirken, sich aber nicht so anfühlen und es letztendlich auch nicht sind. Und auch das Spitzenkleid müsste in letzter Instanz vom Schneider-Profi angepasst werden.

STYLEBOOK-Redaktion in H&M-Brautkleidern heiraten

Wir werden wohl alle nicht in H&M-Brautkleidern heiraten
Foto: STYLEBOOK

. 250 Euro für ein Kleid aus 100 Prozent Polyester mit mittelmäßiger Verarbeitung ist schlichtweg zu viel, da kann auch das Packaging mit Kleidersack nicht viel retten. Allerdings können die H&M-Brautkleider eine schöne Grundlage für ein Wohlfühl-Brautkleid sein, dafür müssten sie aber von der Fachfrau noch ordentlich angepasst werden.

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