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Dermatologen klären auf

Was ist Couperose und woran erkennt man sie?

Frau mit Couperose im Gesicht
Rote Bäckchen können einen ernsten gesundheitlichen Hintergrund habenFoto: iStock/Ildar Abulkhanov

Rosige Apfelbäckchen gelten als Zeichen von Gesundheit und Frische. Was aber, wenn Wangen dauerhaft gerötet sind und ein Brennen hinzukommt? Dahinter kann die Hauterkrankung Couperose stecken. Doch wie erkennt man den Unterschied? STYLEBOOK hat bei Dermatologen nachgefragt.

Alles beginnt mit harmlosen roten Bäckchen, die erst einmal ganz unauffällig sind, weil sie immer dann erscheinen, wenn man sie auch erwartet: Etwa wenn man von der Skipiste in die gut beheizte Hütte kommt, etwas Rotwein getrunken hat oder abends in der Sauna war. Für schätzungsweise fünf bis sieben Prozent der Deutschen bleibt es aber nicht dabei. Sie leiden unter Couperose bzw. Rosazea.

„Erst bleiben ihre Wangen etwas länger rot als die beim Sitznachbarn in der Skihütte, dann etabliert sich die Rötung langsam als Dauergast und löst einen brennenden Schmerz aus, schließlich kommen Pickel im Bereich des Mittelgesichtes hinzu“, erklärt Marie-Luise Klietz, Dermatologin aus München und Autorin des Buches „Hautsache schön, Hautsache gesund“.1 Zusammen mit ihrem Kollegen und Co-Autor, dem plastischen Chirurgen Dr. Matthias Aitzetmüller, beantwortet sie Fragen rund um Hautprobleme.

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Was ist der Unterschied zwischen Couperose und Rosazea?

Couperose wird oft fälschlicherweise als Synonym für Rosazea verwendet. Dabei handelt es sich nur um eine Form von Rosazea. Genaugenommen ist damit nur das erste Stadium der Erkrankung gemeint. Von Couperose oder einer Rosacea erythematosa-teleangiectatica – im Volksmund auch „Kupferrose“ oder „Fluch der Kelten“ genannt – sprechen Ärzte bei einer Rötung des Mittelgesichtes mit erweiterten, durch die Haut durchscheinenden Blutgefäße (Teleangiektasien). „Sobald Papeln und Pickel auftreten, liegen andere Rosazea-Formen vor“, sagt Klietz.

Wenn Rötungen zusammen mit Papeln, Pickeln oder gar Pusteln auftauchen, liegt eine Rosacea papulopustulosa vor. Im schlimmsten Fall kann es zu knotigen Wucherungen des Bindegewebes kommen. Die Folge: Es entstehen dicke Knoten unter der Haut oder die Nase wird immer größer und röter. Dann hat man es laut der Dermatologin mit einer Rosacea phymatous zu tun: „Die veränderte, verdickte und knotige Nase – in der Fachsprache das Rhinophym – wird immer noch als Säufernase fehlinterpretiert.

Der Komiker W. C. Fields und der Ex-US-Präsident Bill Clinton sind bekannte Beispiele für diese Erkrankung.“ Dass beides Männer sind, sei aber kein Zufall. „Frauen gehen wegen Rosazea zwar eher zum Arzt, und nach einigen Statistiken sind sie auch häufiger betroffen als Männer, aber bei Männern verläuft die Erkrankung oftmals schwerwiegender“, meint die Ärztin.

Was Ärzte manchmal gerne übersehen, ist eine Rosacea ocularis mit geröteten Augen, Entzündungen des Lidrandes und einer starken Trockenheit bis hin zu Hornhautentzündungen. Man schätzt, dass sie bei 58 Prozent aller Rosazea-Fälle vorliegt.

Wodurch wird Couperose ausgelöst?

Genetische Faktoren können die Krankheit zwar begünstigen, verursachen sie aber nicht. Laut Marie-Luise Klietz und Dr. Matthias Aitzetmüller wird eine Fehlfunktion des Immunsystems durch das Protein Cathelicidin als die wahrscheinlichste Ursache angesehen. Dieses Protein ist in seiner Struktur und Funktion so verändert, dass es das Hautmikrobiom aus der Balance bringt. Ebenso kann dieses Protein die Neubildung von Gefäßen anregen. Dem Immunsystem entgeht sein Störfeuer nicht, es versucht schon bei den ersten Anzeichen, die Erkrankung abzuwehren, und schickt Immunzellen in das betroffene Gebiet.

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Die Folge: lokale Entzündungen, vermehrte Durchblutung und erneute Stimulation der Blutgefäßneubildung. Und das ist noch nicht alles. Die Demodex-Milbe mischt ebenfalls mit. „Demodex-Milben können bei Rosazea-Patienten vermehrt nachgewiesen werden. Früher wurde sie als Ursache der Erkrankung betrachtet, heute versteht man sie eher als Begleiterscheinung“, erklären die Experten.

Wie kann man vorbeugen?

Der Dermatologin zufolge sollte man alles vermeiden, was die Krankheit triggern könnte. Dazu gehören Alkohol, Kaffee, Hitze, Kälte, Sonne oder scharfe Gewürze. Sie verursachen Couperose zwar nicht, können aber Schübe auslösen. Es gibt natürlich auch Trigger, die sich nicht immer vermeiden lassen. Dazu gehören Sport, Erregung und hormonelle Umstellungen im Monatszyklus und bei der Schwangerschaft. „In allen Fällen hilft es, das Gesicht bei Hitze sanft zu kühlen und vor großer Kälte zu schützen, um den Temperaturstress zumindest abzufedern“, sagt Klietz. Außerdem sollte unnötiger Stress vermieden werden. Durchblutungsfördernde Massagen, mechanische Peelings, scharfe Tenside und Zusatzstoffe wie Parfüm sind ebenfalls kontraproduktiv.

Wie kann man Couperose behandeln?

Grundsätzlich ist Rosazea gut behandelbar – je früher, desto besser. „Immer wieder sehen wir Patienten, die hochwirksame Steroide (starkes Kortison) verschrieben bekamen. Dies ist bei der Rosazea ein absolutes No-Go! Es wirkt zwar zunächst hervorragend, die Nebenwirkungen sind jedoch fatal: Zunahme der Teleangiektasien, Hautverdünnung und Kortison-Abhängigkeit“, warnt Klietz.

Die medizinische Therapie gestaltet sich oft schwierig, weil die Patienten sehr individuell auf die verschiedenen Maßnahmen ansprechen. Am besten wirkt eine Kombination aus Cremes, Tabletten und Lasertherapien.

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Tägliche Hautpflege

Für die Basispflege des Gesichts empfiehlt sich eine feuchtigkeitsspendende Creme mit hohem UVA-Sonnenschutz. Ebenfalls positiv wirken Vitamin-C-Seren, am besten täglich verwendet, aber in niedriger Dosierung, weil ihre antioxidative Wirkung der Krankheit entgegenwirkt. Bei der abendlichen Reinigung sollte man auf gut verträgliche Rosazea-Hautpflegeprodukte zurückgreifen. Viele Kosmetikhersteller bieten eine eigene Rosazea-Pflege-Reihe an, die es üblicherweise in Apotheken zu kaufen gibt. Auch Make-up ist kein Problem, wenn es für hypersensible Haut geeignet ist.

Medizinische Cremes

Medizinische Cremes beinhalten meistens Metronidazol, Azelainsäure oder Ivermectin. „Es gibt auch Produkte mit anderen Antibiotika sowie mit Retinol, jedoch attestiert ihnen die derzeitige Studienlage keine überzeugenden positiven Effekte“, sagt Klietz. „Lediglich bei Metronidazol und Azelainsäure liegen hochwertige Studienergebnisse vor, und auch Ivermectin konnte in den letzten Jahren klinisch überzeugen.“

Medikamente

Um Entzündungen zu mildern, werden oft Antibiotika in Tablettenform eingesetzt. „Doxycyclin und Tetrazyklin konnten etwa die Rötung abschwächen. Einen kleinen Nutzen bringen auch die Blutdrucksenker Atenolol und Clonidin. Sie wirken gefäßverengend und können somit die Rötung einschränken“, so die Dermatologin.

Laserbehandlung

Laser stellen die einzige Möglichkeit dar, bereits vorhandene Gefäßerweiterungen dauerhaft zu behandeln. In den allermeisten Fällen sind mehrere Sitzungen nötig, um die Rötung ad acta zu legen. „Der Preis dafür ist aber hoch. Der Patient muss eine lange Down-Time und die mit einem so tiefschürfenden Eingriff verbundenen Schmerzen in Kauf nehmen“, erklärt Dr. Matthias Aitzetmüller.

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Operation

Als letzte Maßnahme bleibt für Betroffene oft nur eine Operation, bei der das Rhinophym entweder per Laser abgetragen oder als Dermashave mit dem Skalpell verkleinert wird. „Erheblich besser ist es natürlich, die Rosazea gar nicht erst soweit gedeihen zu lassen, dass ein Rhinophym entsteht“, warnt der Facharzt der Plastischen Chirurgie.

Warum sollte man Couperose ernst nehmen?

„Wir empfehlen, den Arzt aufzusuchen, sobald Rötung und Brennen im Wangenbereich zunehmen“, so der Arzt und Wissenschaftler der Altersforschung. „Nicht nur, weil Rosazea sich dann noch viel leichter behandeln lässt, sondern weil sie im Zusammenhang mit zahlreichen anderen Krankheiten stehen kann.“ Dazu gehören unter anderem Depression, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Angststörungen, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes oder Migräne.

Quelle

1mit fachlicher Beratung von Marie-Luise Klietz, Dermatologin und Betreiberin von Doctor Aesthetics, und Dr. Dr. med. univ. Matthias M. Aitzetmüller, Plastischer Chirurg und Wissenschaftler, aus München, Autoren des Buches „Hautsache schön, Hautsache gesund“

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