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Nachgefragt bei der Dermatologin

Wie wirkt Azelainsäure und für wen ist sie geeignet?

Frau mit pickeln
Problemhaut mit Azelainsäure behandeln – STYLEBOOK hat bei der Expertin nachgefragt Foto: iStock/stock_colors

Azelainsäure gilt als medizinisches Power-Mittel im Kampf gegen Pickel und Pusteln. Doch der Wirkstoff kann angeblich noch viel mehr, auch in der Kosmetik schwören viele auf den Zusatz. Wie die Säure richtig angewendet wird und welcher Hauttyp am meisten profitieren kann – STYLEBOOK hat bei einer Expertin nachgefragt.

Säure klingt im wahrsten Sinne des Wortes erst einmal ganz schön ‚ätzend’, doch „Azelainsäure ist ein pharmakologischer Wirkstoff, der sowohl im medizinischen als auch kosmetischen Bereich schon lange eingesetzt wird“, weiß Dr. Isabell Sick, Inhaberin des Münchner Isarderma-Zentrums für Dermatologie und Ästhetik.

Azelainsäure bei Akne und Rosacea

„Akne und Rosacea sind entzündliche Erkrankung der Talgdrüsen“, erklärt die Dermatologin. „Bei der Rosacea bilden sich im Gegensatz zur Akne keine Mitesser, sondern kleine Pusteln. Rosacea tritt vermehrt bei Erwachsenen auf, Akne eher bei Jugendlichen. Es gibt aber auch Mischformen.“ Laut einem Bericht der „Deutschen Apotheker-Zeitung“ leiden in Deutschland bis zu fünf Millionen Menschen unter einer Rosacea. Frauen seien dabei häufiger als Männer betroffen. „Die für Rosacea typischen Rötungen im Gesicht, vor allem an Stirn, Nase und Wangen, werden durch innere und äußere Reize wie Stress oder Sport noch begünstigt“, sagt Dr. Isabell Sick.

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„Die Hautgefäße werden durch die stärkere Durchblutung erweitert, das Gesicht wird knallrot. Das ist für die Betroffenen sehr unangenehm.“ Bei beiden Erkrankungen kommt Azelainsäure zum Einsatz: Bei einer Rosacea wird ein Gel mit 15 Prozent Azelainsäure verwendet, das auch bei Akne angewandt werden kann. Für Akne gibt es allerdings zusätzlich noch eine Creme mit 20 Prozent Azelainsäure. Beide Präparate sind verschreibungspflichtig.

Wirkung und Anwendung

„Azelainsäure hemmt die Bildung von Mitessern und wirkt zugleich entzündungshemmend“, erklärt Dr. Isabell Sick. „Das Gel oder die Creme wird täglich morgens und abends dünn auf die gereinigte Haut aufgetragen.“ Um erste Erfolge sehen zu können, bedarf es jedoch etwas Geduld. „Eine erste Verbesserung des Hautbildes tritt nach acht Wochen ein“, sagt die Dermatologin. Die Präparate seien in der Regel gut verträglich, können vereinzelt aber Juckreiz auslösen oder die Haut austrocknen. In diesem Fall sollte man die Azelainsäure-Behandlung für ein, zwei Tage auszusetzen.

Schöner dank Azelainsäure?

Azelainsäure wird nicht nur im medizinischen Bereich verwendet. Es gibt auch freiverkäufliche Kosmetik-Pflegeprodukte, die aber niedriger dosiert sind als die Präparate für Akne und Rosacea (unter 10 %). Doch was genau bewirkt Azelainsäure? „Sie glättet und verjüngt, indem sie die oberste Hautschicht exfoliert, also abschuppt“, erklärt Dr. Isabell Sick. „Bei längerer, regelmäßiger Anwendung schwinden auch Pickelmale und Hautverfärbungen.“ Prinzipiell seien diese kosmetischen Produkte mit Azelainsäure zwar für alle Hauttypen geeignet – wer aber sehr empfindliche und trockene Haut hat oder unter Neurodermitis leidet, sollte sich nur vorsichtig heranwagen.

Quellen

– Mit fachlicher Beratung von Dr. Isabell Sick, Inhaberin des Münchner Isarderma-Zentrums für Dermatologie und Ästhetik
Azelainsäure jetzt auch zur Rosazea-Behandlung