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Nachgehakt

Wie schädlich ist Bildschirmlicht für die Haut wirklich?

Frau am Laptop mit Blaulicht auf der Haut
Ob vor dem Laptop, Fernseher oder Handy – unsere Haut ist ständig Blaulicht ausgesetzt. Doch wie schädlich ist dieses?Foto: istock/Laurence Dutton

Ob im Home Office oder beim Serienmarathon – gerade während der Pandemie verbringen wir viel Zeit vor dem Bildschirm. Blaulicht steht dabei schon länger im Verdacht, vorzeitige Hautalterung zu begünstigen. Doch wie schädlich ist Bildschirmlicht wirklich für die Haut? STYLEBOOK klärt auf.

Was ist Blaulicht?

Wenn von Blaulicht die Rede ist, muss zwischen natürlichem und künstlich erzeugtem Blaulicht unterschieden werden. Natürliches Blaulicht, das auch als hochenergetisch sichtbares Licht (kurz: HEVIS-Licht) bekannt ist, ist neben UV-Strahlung Teil der Sonnenstrahlung. Daneben gibt es auch das künstlich erzeugte, bläuliche Licht, das von Smartphones, Tablets, Laptops und Fernsehern ausgestrahlt wird. Dieses wird auch als HEV-Licht bezeichnet. Während die schädliche Wirkung von natürlichem Blaulicht für die Haut bereits wissenschaftlich nachgewiesen wurde, gibt es zum Thema künstliches Blaulicht noch keine Langzeitstudien. Wie schädlich ist Bildschirmlicht also wirklich für die Haut?

Wie schädlich ist Bildschirmlicht für die Haut?

Die Berliner Dermatologin Dr. Yael Adler erklärt: „Durch sehr intensive Belichtung können Schäden auf der Haut verursacht werden. Es entstehen Substanzen wie freie Radikale, die die Hautalterung bei Bildschirmarbeit begünstigen können“. Insgesamt seien die Folgen vergleichbar mit denen von Sonneneinstrahlung, allerdings deutlich abgeschwächt. „Dennoch können in Mitochondrien, also in Zellstoffwechsel, Zellerneuerung und Zellreperatur, sichtbare Zellschäden entstehen, die beispielsweise die Entstehung von Falten begünstigen“, gibt die Hautärztin zu bedenken. Untersuchungen hätten außerdem ergeben, dass blaues Licht Einfluss auf Entzündungen und die Hautbarriere haben kann. Dies könne die Hautalterung beschleunigen, wie die Expertin erklärt.

Das Beiersdorf-Forschungsteams rund um Dr. Ludger Kolbe kommt in einer Studie hingegen zu dem Schluss, dass künstliches Blaulicht nicht so schädlich ist, wie bisher angenommen. „Im Rahmen unserer Forschungsaktivitäten konnten wir nachweisen, dass die Strahlendosis des künstlichen blauen Lichts bei herkömmlicher Verwendung elektronischer Geräte bei weitem nicht ausreicht, um einen schädlichen Effekt auf die Haut zu bewirken“, heißt es in der Pressemitteilung. „Die Emissionen von künstlichem Blaulicht sind im Vergleich zu denen des natürlichen Blaulichts aus der Sonnenstrahlung praktisch nicht zu erkennen“, heißt es weiter.

Größere Gefahr geht von natürlichem Blaulicht aus

Das bedeutet jedoch nicht, dass künstliches Blaulicht gänzlich ungefährlich für die Haut ist. Die Studie betont nur, dass die deutlich größere Gefahr von natürlichem Blaulicht ausgeht. So heißt es in der Untersuchung, dass die HEV-Licht Intensität von 172 Stunden vor dem Monitor (mit 30 cm Abstand) einer Minute an einem sonnigen Tag im Mittsommer entspreche. Für die tägliche Beauty-Routine ist Sonnenschutz also ein absolutes Muss – nur so kann man sich ausreichend gegen natürliches Blaulicht schützen und vorzeitiger Hautalterung vorbeugen.

Die Haut gegen künstliches Blaulicht schützen

Auch wenn Bildschirmlicht nicht ganz so schädlich ist wie natürliches Blaulicht, sollte man die Haut davor schützen. Der einfachste Trick ist logischerweise, sich bewusste Offline-Zeiten zu nehmen und sich damit dem Licht von jeglichen technischen Geräten zu entziehen. Außerdem gibt es spezielle Blaulichtfilter auf Smartphones und Tablets, die die Strahlung deutlich schwächen können, so die Dermatologin Dr. Adler. Viele Geräte bieten zudem einen Nachtmodus an, bei dem das HEV-Licht gefiltert wird.

Weiter sei von Vorteil, immer genug Abstand zum Bildschirm zu halten. „Bevorzugen Sie außerdem Warmlichtleuchten im Alltag“, rät Dr. Adler. Auch die Lebensführung spiele eine zentrale Rolle: Antioxidantien und sekundäre Pflanzenstoffe könnten über die Nahrung aufgenommen werden und so die Haut von innen heraus gegen HEV-Licht schützen. Daneben sei auch Sport ein relevanter Faktor, der die körpereigenen Reparaturmechanismen unterstützt.

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Weitere Auswirkungen von Bildschirmlicht

„Das blaue Licht stört vor allem abends die Bildung des Schlafhormons Melatonin, wichtig für den Tag-Nacht-Rhythmus und die nächtliche Geweberegeneration des Körpers und der Haut“, erklärt die Dermatologin. Hier könne ebenfalls der Nachtmodus Abhilfe schaffen, durch den die Lichtverhältnisse nicht künstlich durcheinander gebracht werden. Doch nicht nur die Strahlung des HEV-Lichts, sondern auch die rein haptische Benutzung des Smartphones kann dem Körper schaden. In diesem Zusammenhang entstand beispielsweise der Begriff des „Smartphone-Nacken“ –  beim Tippen wird der Kopf tendenziell stark nach unten geneigt, was schmerzhafte Verspannungen sowie schlaffe Haut im Halsbereich zur Folge haben kann.

Blaulicht in der Lichttherapie

Blaulicht kann – gezielt eingesetzt – auch positive Effekte für die Haut haben. Deshalb wird es auch als Form der Lichttherapie eingesetzt. Studien konnten zeigen, dass spezielle LED-Masken mit Blaulicht bei der Bekämpfung von Akne helfen können. Denn: Mit der richtigen Wellenlänge hemmt blaues Licht Entzündungen, reguliert die Talgproduktion und wirkt beruhigend und desinfizierend.

Quellen

Mit fachlicher Beratung von Dermatologin Dr. Yael Adler

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