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Billig-Angebote bergen Gefahren

Wie viel sollte eine gute Brust-OP kosten?

Frau mit Bandage nach Brust-OP
Wer sich für eine Brust-OP entscheidet, sollte sich gut informieren – auch, was den Preis betrifft. Denn: Dumpingpreise bergen Risiken.Foto: Getty Images

Brust-OPs gehören nach wie vor zu den häufigsten Eingriffen in der plastischen Chirurgie. Wer sich für einen Eingriff entscheidet, sieht sich mit vielen Fragen konfrontiert – neben medizinischen Überlegungen zur Operationsmethode, der Implantatform oder körperlichen Voraussetzungen spielt auch der finanzielle Aspekt eine Rolle. Doch wie viel sollte eine gute Brust-OP kosten? STYLEBOOK fragte bei einem plastischen Chirurgen nach.

Wer sich im Internet zu den Kosten einer Brust-OP informieren will, findet recht unterschiedliche Angebote – darunter auch einige Schnäppchen, die mit Brustvergrößerungen für unter 3.000 Euro locken. Doch kann die Qualität bei solchen Angeboten überhaupt stimmen? Und welche Gefahren gehen von Operationen zu Dumpingpreisen aus?

Brust-OPs sind beliebtester chirurgischer Eingriff

Brust-OPs machen rund 15,8 Prozent aller kosmetisch chirurgischer Eingriffe aus – dies zeigte eine Studie der „International Society of Aesthetic Plastic Surgery“ (ISAPS). Damit sind Brust OPs, insbesondere Brustvergrößerungen, nach wie vor der beliebteste operative Eingriff in der plastischen Chirurgie, dahinter folgen Oberlidstraffungen und Fettabsaugungen. Die Erhebung der ISAPS zeigte jedoch auch, dass die Anzahl der Brustvergrößerungen im vergangenen Jahr um 3,6 Prozent zurückging. Diese Abnahme ist vor allem angesichts der 20,6 Prozent Anstieg in den letzten fünf Jahren bemerkenswert. Trotz der leicht zurückgehenden Entwicklung sind Brust OPs nach wie vor gefragt. Dies veranlasst viele zweifelhafte Klinken dazu, Eingriffe zu Dumpingpreisen anzubieten. Und das nicht nur im Ausland, sondern auch in Deutschland. Doch woran wird bei den Schnäppchenangeboten gespart und welche Auswirkungen hat das für die Patientinnen?

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Bei Billiganbietern leidet die Qualität

Bei Billiganbietern kosten Brust-OPs oftmals nur die Hälfte dessen, was bei seriösen Kliniken fällig wäre. Wer sich für ein Billigangebot entscheidet, riskiert oft ein qualitativ minderwertiges Ergebnis. Denn Anbieter, die zu Dumpingpreisen operieren, sind auf Massenabfertigung ausgerichtet. Um effektiver zu arbeiten, werden Brustvergrößerungen im Akkord durchgeführt. Bei den gut beschäftigten Operateuren kommt es schnell zu drei, vier lukrativen Eingriffen pro Tag. Auf Dauer wird man bei diesem Tempo unaufmerksam, die Gefahr für Fehlerquellen steigt.

Hinzu kommt, dass Ärzte in Deutschland nicht zwingend zum plastischen Chirurgen ausgebildet sein müssen, um Schönheitsoperationen durchzuführen. Dies hat das Bundesverfassungsgericht 2011 festgesetzt. Heißt: Jeder, der einen Doktortitel trägt, darf sich an Nasen, Schlupflidern oder eben Brüsten versuchen. Auch die Komplikationsrate muss nicht offengelegt werden.

Billig-Angebote bergen Gefahren

Unästhetisches Ergebnis

Patientinnen, die sich für Schnäppchen-Brüste entscheiden, riskieren oftmals ein unästhetisches Ergebnis, da die Operateure entweder nicht ausreichend geschult sind, oder aufgrund des hohen Tempos mit weniger Sorgfalt operieren. Ohne die notwendigen Kenntnisse des Arztes kann es sein, dass das Ergebnis mit dem natürlichen Busen, den man sich gewünscht hat, nichts zu tun hat. Formabweichungen, Asymmetrien oder unschönen Narben können die Folge sein. Oftmals ergibt sich daraus ein starker psychischer Leidensdruck für die Patientinnen, die unter den Folgen der OP stärker leiden als unter der ursprünglich als zu klein empfundenen Brust. Auch Korrektureingriffe können im Anschluss nötig sein, die wiederum Kosten verursachen.

Gesundheitliche Gefahren

Neben der Ästhetik sind Billig-OPs auch aus gesundheitlicher Sicht bedenklich. Ist der Operateur nicht ausreichend ausgebildet, kann es infolge der OP zu starken Schmerzen, Wundheilungsstörungen, Infektionen oder Nachblutungen kommen. So berichteten etwa Reporter der „Welt“ und des TV-Magazins „Frontal 21“ in ihrer Recherche von verletztem Brustgewebe oder freiliegenden Implantaten. Diese öffneten und infizierten sich, begannen zu nässen und führten unweigerlich zur Not-OP.

Die entstehenden Kosten für derartige Komplikationen werden nur teilweise von der Krankenkasse übernommen, die Kosten befinden sich oftmals im fünfstelligen Bereich. Auch die Gefahr der Verwendung minderwertiger Implantate ist bei Billiganbietern nicht auszuschließen. Tritt minderwertiges Silikon aus den Kissen aus, ist das für Patientinnen hochgradig gesundheitsschädigend. So sorgten etwa Billig-Implantate der französischen Firma PIP vor einigen Jahren für Schlagzeilen und führten auch bei operierten Frauen aus Deutschland zu gesundheitlichen Problemen.

Sollten gesundheitliche Probleme auftreten, sollte man sofort den behandelnden Arzt aufsuchen. Nimmt dieser die eigenen Sorgen nicht ernst, sollte man sich bei einem anderen Arzt eine Zweitmeinung einholen, um Folgeschäden zu vermeiden. Damit es gar nicht so weit kommt, sollte man sich vor der OP intensiv mit der Thematik auseinandersetzen und einen passenden Operateur suchen.

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Wie finde ich einen guten Schönheitschirurgen?

Prof. Dr. med. Jörg Borges, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie aus Freiburg, erklärt: „Langfristige Sicherheit kann nur ein erfahrener Brustchirurg gewährleisten.“ Daher rät der Experte zum Facharzt, auch wenn sich immer mehr Mediziner wie Dermatologen oder Zahnärzte in der Schönheitschirurgie versuchen.

Als erste Orientierungshilfe bei der Suche nach einem Schönheitschirurgen empfehlen sich Tipps aus dem Bekanntenkreis. Auch das Online-Portal der Fachgesellschaft der Plastischen Chirurgen (DGPÄC) kann erste Anhaltspunkte liefern. Hier sind nur Ärzte verzeichnet, die im Anschluss an ihr Medizinstudium eine mindestens sechjährige Extra-Ausbildung für ästhetische und plastische Chirurgie absolviert haben.

Woher weiß ich, dass ich dem Arzt vertrauen kann?

Fragen Sie im Beratungsgespräch unbedingt, wieviel Erfahrung Ihr Gegenüber mit Ihrem Wunscheingriff hat. Er sollte ihn schon häufig durchgeführt haben, nicht jedoch öfter als 400 Mal in einem Jahr – das würde auf Fließbandarbeit und einen wenig gewissenhaften Umgang mit dem einzelnen Patienten hindeuten. Der Chirurg sollte Technik, Ablauf und Risiken der OP erläutern und für weitere Fragen erreichbar sein, die sich im Anschluss an das Gespräch beim Patienten ergeben können – auch außerhalb der regulären Praxis- oder Klinikzeiten. Wichtig ist auch, dass er sich mit den Beweggründen für den Eingriff auseinandersetzt. Entpuppen diese sich als spontane, unüberlegte Idee, sollte er davon abraten.

Wie viel sollte eine Brust OP kosten?

„Das hängt davon ab, welche Art von Eingriff geplant ist“, so Prof. Borges – also eine Brustvergrößerung, -verkleinerung und/oder -straffung. Eine eindeutige Antwort darauf, wie viel eine Brust OP kosten soll, gebe es laut dem Experten also nicht – auch regional seien Preisunterschiede möglich, wie er anmerkt. Im Schnitt liegen Brust OPs zwischen 4.000 und 8.000 Euro. Alles, was darunter liegt, sollte in jedem Fall zum Anlass genommen werden, genauer hinzusehen.

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„Die Klinikgebühr, der Narkose-Arzt, die Implantate selbst – all das hat seinen Preis“, so Prof. Borges. In jedem Fall sollte man sich vor der OP ausführlich informieren und beraten lassen – im Beratungsgespräch merkt man meist ziemlich schnell, ob man es mit einem seriösen Arzt zu tun hat.

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