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Hypothalamische Amenorrhö

Periode bleibt aus? Was Sport und Stress damit zu haben können

Frau mit sauberer Binde
Wenn die Periode ausbleibt, kann das viele Ursachen haben – eine davon ist hypothalamische AmenorrhöFoto: Getty Images

Es trifft oft Frauen, die viel Sport treiben und sich an einen strikten Ernährungsplan halten: Die Menstruation bleibt Monat für Monat aus. Dafür verantwortlich kann die Zyklusstörung hypothalamische Amenorrhö sein – aber was sind die Ursachen dafür und was kann man tun? STYLEBOOK hat bei einer Expertin nachgefragt.

In Deutschland haben schätzungsweise 1,5 bis 3 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter keine Menstruationsblutung – und das, obwohl sie sich an einen gesunden Ernährungsplan halten und oft Sport treiben. Viele Frauen vermuten zunächst, dass sie an PCOS (dem Polyzystischen Ovarialsyndrom) leiden, obwohl eigentlich eine hypothalamische Amenorrhö dahintersteckt. Hormon- und Health-Coach Sina Oberle erklärt den Unterschied und weiß, was hilft, wenn die Periode wegen Stress oder zu viel Sport ausbleibt.

Was ist hypothalamische Amenorrhö?

Man nimmt an, dass etwa 30 Prozent aller Frauen, deren Periode ausbleibt, an der hypothalamischen Amenorrhö leiden – einer Zyklusstörung, die bei Frauen im gebärfähigen Alter auftreten kann. Der Name kommt vom Hypothalamus, der in unserem Gehirn für die Bildung bestimmter Hormone verantwortlich ist. Diese Hormone wiederum kommunizieren mit der Hypophyse (unserer Hirnanhangdrüse) und weiteren Hormondrüsen, die durch die Hormone des Hypothalamus angeregt werden. „Wenn dieser Kreislauf funktioniert und stabil ist, sind wir im hormonellen Gleichgewicht. Stress kann die Balance allerdings stören und genau das ist bei der hypothalamischen Amenorrhö der Fall“, erklärt die Autorin des Buches „Der Zyklus-Code“.

Und hier kommen auch der Sport und die Ernährung ins Spiel. Denn: „Stress muss nicht immer nur emotionaler Natur sein, sondern kann auch durch Übertraining, also zu viel Sport, oder auch zu wenig Essen ausgelöst werden“, erklärt der Hormon-Coach. Deshalb sind gerade Personen mit Essstörung und Untergewicht stärker davon gefährdet. „Stress kann den Hypothalamus in seiner Arbeit beeinträchtigen, wodurch weniger Gonadotropin freigesetzt wird. Dieser Botenstoff wird allerdings benötigt, damit die weiteren hormonbildenden Organe wiederum das luteinisierende Hormon (LH) und das follikelstimulierende Hormon (FSH) produzieren“, ergänzt die Betreiberin des Blogs „Holistic Woman Health“. Diese beiden Hormone sind zum einen für die Reifung der Eizellen und zum anderen für den Eisprung verantwortlich. „Findet kein Eisprung statt, kann folglich auch keine Menstruation stattfinden. Und genau das ist das Symptom der hypothalamischen Amenorrhö“, so Sina Oberle.

Periode bleibt wegen Stress aus – der Einfluss auf die Gesundheit

Ein ernst zunehmendes Problem stellt die hypothalamische Amenorrhö vor allem für Frauen dar, bei denen ein Kinderwunsch vorliegt. Da Eisprung und Periode ausbleiben, ist die Fruchtbarkeit beeinträchtigt. Daneben können aber noch weitere Gesundheitsprobleme wie Knochenverlust, trockene Haut, trockene oder ausfallende Haare, Müdigkeit oder Schlafprobleme, Verdauungsprobleme und auch eine niedrigere Libido auftreten. Sogar ein höheres Risiko für Herzerkrankungen wird mit der hypothalamischen Amenorrhö in Verbindung gesetzt. „Wenn die Periode regelmäßig ausbleibt (also etwa drei Monatszyklen lang), sollte der Arzt aufgesucht werden“, warnt der Hormone Health Coach. Auch bei einem unerfüllten Kinderwunsch und zugleich ausbleibender Periode sollte der Verdacht auf die Erkrankung abgeklärt werden.

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Die Diagnose einer hypothalamischen Amenorrhö erfolgt durch die Ausschlussdiagnostik. Das heißt, dass zunächst andere mögliche Erklärungen für die ausbleibende Periode ausgeschlossen werden. „Der Arzt wird zuerst einiges abklären, beispielsweise ob Stress ein Auslöser sein kann oder ob das Essverhalten und das Körpergewicht in Ordnung sind. Wirklichen Aufschluss geben kann dann eine Blutuntersuchung, anhand der die Hormone analysiert werden“, erklärt Sina Oberle.

Der Unterschied zu PCOS

Viele Frauen vermuten, dass sie an PCOS (Polyzystisches Ovarialsyndrom) leiden, obwohl es sich eigentlich um eine hypothalamische Amenorrhö handelt. Der Grund ist, dass in beiden Fällen der Eisprung gestört ist und die Periode ausbleibt. Allerdings besitzt die zugrundeliegende Zyklusstörung andere Ursachen. „Bei der hypothalamischen Amenorrhö sind bestimmte Hormone nicht erhöht, bei PCOS sind das beispielsweise Östrogen und Androgen. Auch der LH-Wert ist bei der hypothalamischen Amenorrhö im Gegensatz zu PCOS oft eher niedrig“, erläutert die Expertin. Die verschiedenen Hormonwerte lassen sich aber über das Blut analysieren. So kann man herausfinden, welche Hormonstörung für das Ausbleiben der Periode verantwortlich sein kann.

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Was hilft bei hypothalamischer Amenorrhö?

Manche Ärzte raten nach wie vor dazu, die Pille einzunehmen, um Zyklusstörungen ins Gleichgewicht zu bringen. Der Hormon-Coach hält aber nichts davon. „Eine Pilleneinnahme würde das Problem nur verschleiern, die Symptome wären nicht bekämpft“, so Oberle. „Am wirksamsten sind die körpereigenen Hormone, die wir bei der Pille durch synthetische Hormone ersetzen würden. Auch wenn es oft hart klingt, gibt es leider kein Wundermedikament gegen die hypothalamische Amenorrhö.“ Wirklich helfen kann der Expertin zufolge nur eine Veränderung des Lebensstils, zum Beispiel eine Ernährungsumstellung und Gewichtszunahme. Ebenfalls gilt: Stress reduzieren, damit die Periode nicht mehr ausbleibt. Doch das kann schwieriger sein, als man denkt, denn: „Stress ist oft gar nicht so leicht für uns zu erkennen, da oft unterbewusste Prozesse der Auslöser sein können. Vielleicht ist es emotionaler Stress oder wir sind unglücklich im Job oder in der Partnerschaft. Hier dürfen wir genauer hinsehen und unsere Themen aufarbeiten, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Wenn nötig, hilft es auch, sich dabei externe Unterstützung zu holen.“

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