Kosmetik aus der Küche

Kann man sich mit Olivenöl wirklich das Gesicht reinigen?

Es ist gesund, bietet sich perfekt fürs Salatdressing an und verleiht vielen anderen Gerichten eine mediterrane Note – und sorgt angeblich für strahlend schöne, perfekt gepflegte Haut: Olivenöl. STYLEBOOK fragte beim Hautarzt nach, ob das beliebte Speiseöl wirklich den Gesichtsreiniger ersetzen kann und in jedes Kosmetiktäschchen gehört.

Frau mit Olivenöl und Mikrofasertuch
Ein paar Tropfen Speiseöl, ein Mikrofasertuch – fertig ist (angeblich) das Geheimrezept für strahlend gepflegte Haut
Foto: STYLEBOOK

In kaum einem Haushalt fehlt eine Flasche Olivenöl, bei den meisten dürfte sie allerdings eher in der Küche zu finden sein als im Badezimmer. Glaubt man jedoch Ram-Prakash Khalsa, die beim Star-Dermatologen Harold Lancer in Beverly Hills arbeitet – Schönheiten wie Model Joan Smalls (29) und Schauspielerin Margot Robbie (27) finden sich in ihrer hochkarätigen Kundenkartei – sollte man Olivenöl sehr wohl in seine Beautyroutine integrieren.

Gesicht waschen mit Speiseöl – so soll’s funktionieren:

Katie Becker, Redakteurin beim US-Lifestyle-Portal „Coveteur“, vertraute der Expertin und wagte den Selbstversuch. Dazu gehörten eine münzengroße Menge Speiseöl – üblich seien Oliven-, Trauben- oder Mandelöl –, die mit trockenen Fingern in die Haut massiert wird, außerdem ein Mikrofasertuch. Das wird in lauwarmes Wasser getunkt, gründlich ausgewrungen und dann zum Abreiben des Gesichts verwendet. Um auch die letzten Make-up-Reste zu beseitigen, müsse der Vorgang wiederholt werden, manchmal bis zu 40 Mal (!), wie es bei Khalsas prominenten Kundinnen nach einem Event (und dementsprechend viel Make-up) der Fall sei. Aus Hygienegründen nutze sie jeweils ein frisches Mikrofasertuch.

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Angeblich extrem wirksam gegen Unreinheiten und Mitesser

Der Vorteil dieser Methode sei, garantiert ganz ohne zweifelhafte Inhaltsstoffe auszukommen. Zudem würden durch die Verwendung des Mikrofasertuchs abgestorbene Hautzellen sanft entfernt werden. Testerin Becker war schnell überzeugt: Zu Beginn habe sie sich noch über verstopfte Poren und Pickel geärgert, „aber angekommen in Woche 2 fühlte sich meine Haut viel zarter an,” wird sie zitiert. „Außerdem hatte ich viel weniger und kleinere Mitesser.“

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Sollen wir uns jetzt das Gesicht ausschließlich mit Olivenöl waschen? Günstiger wäre es jedenfalls nicht, wenn man die Prozedur tatsächlich so häufig wiederholen muss, hochwertiges Speiseöl hat schließlich durchaus seinen Preis. Wir wollten es genauer wissen und fragten bei Dr. med. Timm Golüke nach, einem Dermatologen aus München.

„Das Geheimnis ist NICHT das Olivenöl!“

„Naturprodukte sind auch immer allergen“, stellt der Mediziner gleich zu Beginn fest. Das bedeutet, dass Speiseöle viel häufiger als dermatologisch getestete Handelsprodukte bei Menschen mit empfindlicher Haut zu ungewollten Hautreaktionen führen können. Bei allen anderen spreche grundsätzlich nichts dagegen, Olivenöl und Co. seien immerhin eine natürliche Feuchtigkeitsquelle. Golüke bestreitet auch nicht den Effekt, den Kosmetikerin Khasa und ihre Kundinnen hochloben – allerdings liege der wohl nicht am Olivenöl, sondern vielmehr am Mikrofasertuch.

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Tatsächlich dringen Öle tief in die Poren ein, erklärt der Experte. Dadurch würden diese aufgeweicht – ein Effekt, den man auch von der klassischen Ausreinigung mit Dampf bei der Kosmetikerin kennt. „Wenn man nun ein Hilfsmittel wie ein Mikrofasertuch nutzt, bleiben tiefer sitzende Unreinheiten wie  Talgrückstände quasi daran hängen und werden mit herausgezogen.“ Diese Art der Reinigung funktioniere also tatsächlich, ob nun mit Oliven-, Mandel- oder gängigem Reinigungsöl aus dem Laden.

Fazit:

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