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Bei Experten nachgefragt

Olivenöl für Schönheit und ein langes Leben – was ist wirklich dran?

Hand in Olivenöl
Olivenöl kann man verzehren und tut der Haut gut – doch wie gut ist es wirklich?Foto: Getty Images

Wer regelmäßig Olivenöl konsumiert, lebt gesünder. Die Essenz soll daneben auch die Haut pflegen und bei innerer und äußerer Anwendung dank Lichtschutzfaktor vor Sonnenbrand schützen. Aber stimmen diese Annahmen? Was ist wirklich dran? STYLEBOOK hat bei verschiedenen Experten nachgefragt.

In Ländern wie Frankreich, Italien oder Griechenland wird Olivenöl nicht nur erzeugt, sondern auch reichlich konsumiert. Und das soll verschiedenen Berichten zufolge mit der Grund sein, warum die Menschen in diesen Regionen angeblich länger leben. Eine Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. bestätigt gegenüber STYLEBOOK: „Olivenöl ist wesentlicher Bestandteil der mediterranen Ernährungsweise, die als gesundheitlich vorteilhaft angesehen wird.“ Studien belegen, dass Olivenöl gut fürs Herz ist und sowohl entzündungshemmend als auch blutdrucksenkend wirken kann – wenn auch nur in moderatem Maße.

Olivenöl kann bei trockenen Hopfhaut helfen

Die Essenz eignet sich in bestimmten Fällen auch zur Haarpflege. Aber Vorsicht: „Wer zu fettiger Kopfhaut neigt oder fettige Schuppen hat, sollte im wahrsten Sinne des Wortes nicht noch Öl draufgießen“, warnt Dr. Alice Martin, Dermatologin und Mitbegründerin der Telepraxis Dermanostic. „Bei trockener Kopfhaut, beispielsweise durch zu häufiges Waschen, oder bei trockenen Schuppen kann eine Olivenöl-Kur aber durchaus gut tun.“ Die Dermatologin rät jedoch, nicht pures Olivenöl zu verwenden, sondern sich in der Apotheke ein Präparat anmischen zu lassen, das nicht ganz so fettig ist und der Haut Raum zum Atmen lässt.

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Ist das Öl auch zur Hautpflege geeignet?

Dr. Alice Martin rät auch hier davon ab, pures Olivenöl anzuwenden – vor allem im Gesicht. „Olivenöl wirkt komedogen, was bedeutet, dass es die Haut versiegelt“, erklärt die Ärztin. „Bakterien werden unter dem Schutzfilm eingeschlossen und verstopfen die Poren. Das führt zu Mitessern und Hautunreinheiten.“ Es gebe aber eine Ausnahme: „Menschen, die einen Hautbarriere-Defekt haben wie beispielsweise bei einer Neurodermitis, können Olivenöl ausprobieren“, so Dr. Martin. „Ihre Haut kann Feuchtigkeit nicht gut speichern und ist deswegen immer sehr trocken. Wer einen schweren Schub hat, kann die betroffenen Stellen versuchsweise mit Olivenöl einreiben.“ Wichtig sei, immer hochwertiges Öl zu verwenden.

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Schützt Olivenöl tatsächlich vor Sonnenbrand?

„Olivenöl enthält tatsächlich einen Lichtschutzfaktor. Er ist aber sehr niedrig und liegt bei ca. 7,5“, weiß Dr. Alice Martin. Der Lichtschutzfaktor verlängert die Eigenschutzzeit, die sich wiederum am Hauttyp orientiert. „Man unterscheidet normalerweise zwischen sechs Hauttypen. Hauttyp 1 ist blond, blauäugig, hellhäutig und bekommt schon nach drei bis fünf Minuten einen Sonnenbrand“, erklärt die Dermatologin. „Wenn ich Olivenöl auftrage, wird diese Zeit um das 7,5-fache verlängert, also um ca. 20 Minuten.“ Klingt gut, doch es gibt ein gravierendes Problem, wie die Ärztin betont: „Olivenöl ist ein Öl und wird durch Wärme automatisch heißer – das kennt man vom Braten in der Pfanne. Das bedeutet also, dass mit Olivenöl eingecremte Haut schneller zu Verbrennungen neigt, wenn die Sonne auf sie scheint.

Außerdem kann die Haut unter der Öl-Schicht schlecht atmen, was zu Irritationen führen kann.“ Zugleich rät die Ärztin dringend davon ab, sich allein durch den Konsum auf einen ausreichenden Sonnenschutz von innen heraus zu verlassen. „Zusätzlich sollte immer ausreichend Sonnenschutzmittel aufgetragen werden. Nur das bewahrt sicher vor einem Sonnenbrand“, so Dr. Martin.