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Beauty-Phänomen „Netflix Face“

Die schädliche Auswirkung von Blaulicht auf die Haut

Frau mit Laptop
In Zeiten der Pandemie verbringen wir so viel Zeit vor dem Bildschirm wie selten zuvor – doch welche Auswirkungen hat das blaue Licht auf unsere Haut?Foto: Getty Images

Ob im Home Office oder beim abendlichen Serienmarathon: Die Corona-Pandemie bringt aktuell viel Zeit vorm Bildschirm mit sich. Eine mögliche Folge ist das so genannte „Netflix Face“, so die neueste Bezeichnung für die vorzeitige Hautalterung durch blaues Bildschirm-Licht. STYLEBOOK hat mit einer Expertin darüber gesprochen, welche Schäden das Licht tatsächlich verursacht und wie man sich dagegen schützen kann.

Was ist HEV-Licht?

HEV-Licht ist das künstlich erzeugte, bläuliche Licht, das von Smartphones, Tablets, Laptops und Fernsehern ausgestrahlt wird. Die Forschung rund um Wirkung und Folgen des „High Energy Visible Light“ ist jung, Langzeitstudien zu dem Thema kann es daher noch nicht geben. Im Zentrum des Interesses stand bislang vor allem die Frage danach, welche Folgen Handystrahlung auf unsere Gesundheit haben könnte.

Warum ist dieses Licht so schädlich für die Haut?

Tatsächlich dringen HEV-Strahlen bis in die unteren Hautschichten vor und können dort oxidativen Stress auslösen. „Durch sehr intensive Belichtung können Schäden auf der Haut verursacht werden. Es entstehen Substanzen wie freie Radikale, die die Hautalterung bei Bildschirmarbeit begünstigen können“, so die Berliner Dermatologin Dr. Yael Adler. Insgesamt seien die Folgen vergleichbar mit denen von Sonneneinstrahlung, allerdings deutlich abgeschwächt. „Dennoch können in Mitochondrien, also in Zellstoffwechsel, Zellerneuerung und Zellreperatur, sichtbare Zellschäden entstehen, die beispielsweise die Entstehung von Falten begünstigen“, gibt die Hautärztin zu bedenken. Untersuchungen hätten außerdem ergeben, dass blaues Licht Einfluss auf Entzündungen und die Hautbarriere haben kann. Dies könne die Hautalterung beschleunigen, wie die Expertin erklärt.

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Wie kann man sich gegen HEV-Licht schützen?

Der einfachste Trick ist logischerweise, sich bewusste Offline-Zeiten zu nehmen und sich damit dem Licht von jeglichen technischen Geräten zu entziehen. Außerdem gebe es spezielle Blaulichtfilter auf Smartphones und Tablets, die die Strahlung deutlich schwächen können, erklärt Dr. Adler. So böten viele Geräte einen Nachtmodus an, bei dem das HEV-Licht gefiltert wird. Weiter sei von Vorteil, immer genug Abstand zum Bildschirm zu halten. „Bevorzugen Sie außerdem Warmlichtleuchten im Alltag“, rät die Hautärztin. Auch die Lebensführung spiele eine zentrale Rolle: Antioxidantien und sekundäre Pflanzenstoffe könnten über die Nahrung aufgenommen werden und so die Haut von innen heraus schützen. Daneben sei auch Sport ein relevanter Faktor als körpereigener Reperatur-Mechanismus.

Welche Auswirkungen gibt es sonst noch?

„Das blaue Licht stört vor allem abends die Bildung des Schlafhormons Melatonin, wichtig für den Tag-Nacht-Rhythmus und die nächtliche Geweberegeneration des Körpers und der Haut“, erklärt die Dermatologin. Hier könne ebenfalls der Nachtmodus Abhilfe schaffen, durch den die Lichtverhältnisse nicht künstlich durcheinander gebracht werden. Doch nicht nur die Strahlung des HEV-Lichts, sondern auch die rein haptische Benutzung des Smartphones kann dem Körper schaden. In diesem Zusammenhang entstand beispielsweise der Begriff des „Smartphone-Nacken“ –  beim Tippen wird der Kopf tendenziell stark nach unten geneigt, was schmerzhafte Verspannungen sowie schlaffe Haut im Halsbereich zur Folge haben kann.