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„Sex and the City“-Stylistin Rebecca Weinberg im Interview
von Julia Wagner
„Stars sind ein Albtraum“

Rebecca Weinberg (47) zählt zu den erfolgreichsten Stylistinnen weltweit, gewann für ihre Arbeit für die Serie „Sex and the City“ einen Emmy. STYLEBOOK.de traf die fünffache Mutter in Berlin zum Interview. Uns erzählte sie, was guten Stil ausmacht und warum sie nie wieder mit Stars arbeiten will.

  • SATC-Stylistin Rebecca Weinberg

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    Foto: Zalon

    Stylistin Rebecca Weinberg auf der Terrasse des Hotel de Rome in Berlin. Ihre größten Erfolge feierte die 47-Jährige als Stylistin...

 




 

Sie trägt Undercut, Sonnenbrille, viel Federschmuck und Ringe, eine elegantere Version einer Jogginghose, Sandalen und ein Glas Weißwein in der Hand: Die gebürtige Texanerin Rebecca Weinberg gehört zu den erfolgreichsten Stylistinnen der Welt, teure Designerklamotten sind ihr Alltag – und doch mag sie es privat am liebsten lässig.

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Mit dem Styling für „Sex and the City“ hat sie einen Emmy gewonnen. Eine Serie, die über zehn Jahren nach der letzten Klappe noch immer als stilprägend gilt und Designer wie Manolo Blahnik erst richtig bekannt machte. STYLEBOOK.de traf Weinberg bei einem Besuch in Berlin, wohin sie als Gastrednerin für Zalando eingeladen war.

STYLEBOOK: Als „Sex and the City“-Insiderin wissen Sie doch bestimmt, ob nun ein dritter Teil kommt oder nicht?
Rebecca Weinberg: „Der Film kommt sicher, aber ich weiß nicht, ob sie nun schon drehen oder nicht.“

Werden Sie als Stylistin an dem Film wieder mitarbeiten?
Weinberg: „Nein, denn mit Kinofilmen kann man als Stylistin nichts verdienen. Ich habe mit meiner Freundin insgesamt fünf Kinder und habe Hypotheken zu bezahlen. Ich habe mit der Serie ‚Sex and the City‘ 2004 Schluss gemacht, weil ich damals Kinder kriegen wollte. SATC hat mit den Filmen aber leider auch seinen ursprünglichen Charme verloren, ist nur mehr eine echte Massenproduktion, bei denen nicht mehr mit Designern, sondern lieber mit großen Marken wie H&M zusammengearbeitet wird. Die Story von den Filmen ist dünn, erzählt nichts mehr wirklich, es geht nur mehr ums Geld verdienen. Schade!“

Die Serie hat Hauptdarstellerin Sarah Jessica Parker zu einer Stilikone gemacht. In der ersten Staffel von 1998 war sie aber noch weit davon entfernt...
Weinberg: „Niemand kannte damals Sarah Jessica. Patricia Field und ich sind von Showroom zu Showroom gezogen und wollten Klamotten für sie schnorren. Da hieß es nur ,Wer?‘. Niemand wollte uns Klamotten für die Serie leihen. Wenn ich sagte ,Sarah Jessica war in „Die Goonies“ und ist mit Matthew Broderick verheiratet‘, dann meinten sie höchstens ,Oh, ist das die mit den Locken und der großen Nase?‘. Erst nach Folge sieben haben uns ein paar geholfen, wie Dolce & Gabbana, Moschino, Gaultier, Alberta Ferretti, Narciso Rodriguez.“

Später wurde der Style der Serie dann berühmt, die Charaktere bekannte Designer und machten Schuh-Labels wie Manolo Blahnik weltberühmt...
Weinberg: „Ja, ab der dritten Staffel lief es richtig gut, die vierte war fast schon lächerlich. Da musste wir nichts mehr ausborgen, da wurde uns einfach alles geschickt, was wir haben wollten, kistenweise Chanel und Dior. Wir wurden ganz schön faul. Wenn Givenchy dir Haute Couture aus Paris schickt, dann gehst du nicht mehr zu Barneys oder greifst auf Second-Hand-Klamotten zurück. Dieser Überfluss hat die Serie aber glanzlos gemacht, deswegen wollte ich irgendwann auch gehen. Ich bin eher ein Streetgirl, ich mixe gerne teuer und billig. Anfangs hat die Serie ja noch Frauen abgebildet, wie sie auf der Straße wirklich aussehen, später dann nicht mehr. Also ich persönlich kenne niemanden, der einen Schrank voller Manolos hat, höchstes welche verbilligt im Sample Sale shoppt.“

Was ist der Schlüssel zu einem guten Look?
Weinberg: „Selbstbewusstsein! Wer Jogginghosen verkehrt herum trägt, das Etikett raushängen lässt und dazu High Heels kombiniert, kann von vielen dafür bewundert werden – vorausgesetzt Sie tragen es mit der richtigen Attitüde.“

Ihre wichtigsten Style-Tipps?
Weinberg: „Es geht darum, dass man sich die richtigen Fragen stellt, um seinen persönlichen Stil herauszufinden. Wie ist mein Lifestyle, meine Arbeitssituation? Arbeiten beinhaltet heute ja auch das soziale Leben. Wie wichtig ist mir Komfort? Eine Jacke von Comme des Garcon sieht zum Beispiel toll aus, ist aber nichts für den Alltag, außer Sie stehen den ganzen Tag nur unbeweglich rum. Wie ist mein Budget? Wie ist mein Körpergefühl? Ich bin selbst fast fünfzig und trage gerne Sneakers und Baggy-Pants, weil ich mich danach fühle.“

Wie wichtig ist es Ihnen persönlich, immer top gestylt zu sein?
Weinberg: „Mir ist das alles egal. Ich gehe sogar ohne BH aus dem Haus. Seit ich Kinder habe, steht bei mir Bequemlichkeit an oberster Stelle, ich trage auch keine High Heels mehr. Ich möchte nicht zu sehr über diese Dinge nachdenken. Das gilt aber nicht nur für meinen persönlichen Stil, sondern auch für meine Arbeit. Sie können Mode nicht tot denken. Wenn Sie zulange darüber nachdenken, was ein Model in einer Tampon-Werbung anziehen soll, dann kommt dabei sicher nichts Gutes raus.“

Früher sprach niemand über die Stylisten von Promis. Warum sind diese heute so populär?
Weinberg: „Das liegt wohl an der Technologie. Dank Social Media, TV und Red Carpet-Berichterstattung weiß heute jeder, wer was gestylt hat. Heute ist doch auch jeder ein Stylist.“

Arbeiten Sie noch mit vielen Promis zusammen?
Weinberg: „Nein, Stars sind ein Albtraum und nicht mehr meine Sache. Ich bin einfach kein guter Arschkriecher und viel zu ehrlich für diesen Job. Viele Stars sind nur mehr Ja-Sager gewohnt, PR-Leute, die meinen, dass der Promi gut aussieht, wenn er sich in Größe 32 zwängt, obwohl er in Wahrheit Größe 38 hat. Schlimm sind auch die dünnen Promis, die vor dem Spiegel stehen und sich fett finden. Ich will mit dieser falschen Körperwahrnehmung nichts mehr zu tun haben.“

Sie sind hier in Berlin, um das neue Konzept von Zalon vorzustellen, wo sich jeder kostenlos von einem persönlichen Stylisten beraten lassen kann. Brauchen normale Leute wie Sie und ich denn einen Stylisten?
Weinberg: „Ja, denn hier können Menschen viel über ihren Stil lernen. Freunde sind nicht immer ehrlich, sagen oft schnell, dass einem was gut steht. Hier macht jemand Vorschläge, der weiß, was dir gefallen könnte und welche Labels du magst. Das Netz bietet außerdem zu viele Möglichkeiten, da verliert man schnell den Überblick. Wenn ich jemanden fragen kann ,Hey, ich habe eine birnenförmige Figur und große Brüste, kann ich damit Skinny Jeans tragen?‘, dann ist das doch super.“

Sind Sie selbst eine traditionelle Einkäuferin oder eine Online-Shopperin?
Weinberg: „Ich mag beides. Online ist super, um von überall an die tollsten Dinge zu kommen. Die wenigsten von uns leben doch in Paris, London, New York oder Berlin und haben keinen Zugang zu allen tollen Marken. Auch bei mir in den Hamptons gibt es nicht viel Auswahl. Abgesehen davon leben wir in einer Zeit, wo wir doch kaum noch Zeit für irgendwas haben. Ich schaffe es ja nicht mal regelmäßig zur Maniküre oder mir meine Oberlippe waxen zu lassen. Für Leute, die 70 Stunden arbeiten und nicht mal Zeit haben, auf der Toilette zu sitzen, ist Online-Shopping doch ein Segen.“


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