Größenmessung in einer Minute

Nach DHDL-Deal! So ging es für die „Presize“-Gründer weiter

Verschiedene Körperformen
Jeder Körper ist anders gebaut, das macht die Suche nach der passenden Größe so schwierig. „Presize“ will das ändern
Foto: Getty Images

M, L oder doch besser XL? Es gibt wohl kaum jemanden, der beim Online-Shopping nicht schon mal größentechnisch daneben lag und sein Paket zurückschicken musste. Die Erfinder von „Presize“ wollen das ändern und präsentierten ihre Smartphone-Body-Scanning-Software bei „DHDL“. Ein Plan, der aufging!

Am Ende kam der Zuschlag von Investor Carsten Maschmeyer – der bot zunächst 650.000 Euro für 25 Prozent der Firmenanteile, zu viel für die beiden Gründer Tomislav Tomov und Leon Szeli , am Ende traf man sich bei 15 Prozent. Das zweitgrößte Einzelinvestment in der „Die Höhle der Löwen“-Historie! „,Presize‘ ist das Startup, das ich mir bei ,Die Höhle der Löwen‘ schon immer gewünscht habe“, schwärmte denn auch der Löwe.

So funktioniert „Presize“

Die Software „Presize“ verspricht die Lösung für das Rückgabe-Dilemma bei Online-Bestellungen, und das mit nur einer einzigen Drehung: Das Münchner Startup entwickelte eine Smartphone-Body-Scanning-Software, die den menschlichen Körper mit der Handy-Kamera binnen einer Minute vermisst. So wird ein 3D-Modell des Körpers berechnet und in der Folge in eine Größenempfehlung umgewandelt. Dank der ganz persönlichen Size-ID muss der Nutzer die Vermessung nur einmal ausführen und kann so andere Kleidung des jeweiligen Anbieters größengerecht bestellen.

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Wie es nach dem Mega-Deal für „Presize“ weiterging, der bereits vor mehreren Monaten abgedreht wurde? STYLEBOOK hat bei den Gründern nachgefragt!

Was hat sich seit dem DHDL-Deal für euch verändert – beruflich und privat?

Unser Team ist von 12 auf 19 Mitarbeiter gewachsen, unser Unternehmenswert ist knapp 50% gestiegen, wir sind in ein größeres Büro gezogen, haben unseren Beirat um Dr. Heiko Schäfer (COO HUGO BOSS) erweitert und große Kunden wie „sOliver“ gewonnen. Außerdem hat sich unsere monatliche Nutzerzahl verdreifacht. Für mich (Leon, Anm. d. Red.) privat hat sich auch etwas verändert, da der Druck als Geschäftsführer natürlich etwas reduziert ist, nachdem wir nun erstmal für weitere 1,5 Jahre finanziert sind. Wir arbeiten zwar mindestens so hart wie vor dem DHDL-Deal, aber ich schlafe etwas ruhiger als während des Fundraisings.

Welche Fashion-Shops nehmen mittlerweile teil?

Wir arbeiten schon mit 20 Shops zusammen, darunter sind Branchengrößen wie „sOliver“, Spezialisten wie „Krüger Dirndl“ oder „SHAPE ME“, aber auch aus dem Business Segment wie „Carl Gross“ oder „Club of Gents“. Einige größere Partnerschaften darf ich leider noch nicht verraten. In der Modebranche wird immer sehr stark nach links und rechts geschaut – also darauf, was der Wettbewerb macht.

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Konnten die teilnehmenden Shops schon einen Retouren-Rückgang verzeichnen?

Im Durchschnitt reduzieren wir größenbedingte Retouren um 50% Prozent. Unser Algorithmus lernt dabei immer mehr dazu, d.h. wenn ein Nutzer mit einem bestimmten Körper ein Produkt in einer bestimmten Größe retourniert oder behält, werden damit zukünftige Größenempfehlungen für andere Nutzer optimiert. Den ersten Lerneffekt sieht man schon nach sechs Wochen.

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Wie sehen die Next Steps für „Presize“ aus?

Wir werden unser Team weiter ausbauen, vor allem im Vertrieb. Wir werden jeden Monat weitere Shops integrieren, insbesondere Multi-Brand-Shops mit hohem Volumen. Hier hat unser Größenberater den größten Mehrwert für die Endnutzer. Produktseitig haben wir auch eine Reihe von Funktionalitäten, die sich Shops und Nutzer wünschen, die wir nach und nach ausrollen werden. So wird es bald möglich sein, sich selbst mit dem Produkt, das man gerade kaufen will, in 3D zu sehen.

Inwiefern hat sich euer eigenes Kaufverhalten seit „Presize“ geändert? 

Wir kaufen tatsächlich am liebsten bei unseren Partnershops ein, aber leider gibt es ja immer noch hunderte Shops in Deutschland ohne „Presize“. In wenigen Jahren sieht das hoffentlich anders aus. Bis dahin müssen auch wir uns hin und wieder über unpassende Kleidung ärgern. Mein Mitgründer Tomislav hat gerade erst bei einer großen Marke zehn Jeans bestellt und keine einzige hat gepasst. Das ist einfach absurd und eine Katastrophe für Endkunde, Shop und unseren Planeten.