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STYLEBOOK-Interview

Mandy Capristo über ihr neues Glück in Italien: »Ein Bauernhof ist mein Traum!

Mandy Capristo
Neue Single, neuer Freund, neues Leben in Italien: Läuft bei Mandy Capristo! Das war allerdings nicht immer so, wie sie STYLEBOOK verriet.Foto: DNA Creative Collective

Mit gerade mal 16 Jahren wurde Mandy Capristo ins Rampenlicht katapultiert – als Teil von „Monrose“, einer der erfolgreichsten deutschen Girl Groups. Das Musik-Trio ist längst Geschichte, mittlerweile lebt die 31-Jährige in Italien und startet als Solokünstlerin durch. Klingt nach einer perfekten Karriere? Mitnichten! Im STYLEBOOK-Interview erzählt die Sängerin von den dunklen Zeiten in ihrem Leben und wie sie die Reißleine zog, um wieder auf die Beine zu kommen.

Als wir Mandy Capristo telefonisch erreichen, ist sie gerade in Deutschland unterwegs. Viel steht an: ihre Teilnahme beim „Free ESC“ bei ProSieben, ihre neue Single „Genug“ und der Launch ihrer Mental-Health-Plattform „Felice“, auf der sich alles um das Thema psychische Gesundheit dreht. Ein Thema, mit dem die Halb-Italienerin nur allzu gut vertraut ist.

STYLEBOOK: Warum hast du eine Mental Health Website gegründet?

Mandy Capristo: Ich wollte einen sicheren Ort gründen für Menschen, die von diesem Thema betroffen sind. In den letzten Jahren habe ich mich immer mehr mit dem Thema mentale Gesundheit auseinandergesetzt und gemerkt, wie essenziell das für ein gesundes Leben ist. Und sich Hilfe zu holen, wenn man nicht mehr weiter weiß in Form eines Life Coach‘ oder auch in Form eines Psychologen. Auf meiner eigenen Reise fiel mir auf, wie wenig wirklich darüber gesprochen wird und wie sehr wir es – gerade in Deutschland – als Tabuthema einordnen. Wenn unser mentaler Verstand in der Form einfach nicht da ist oder nicht gepflegt wird wie unsere Muskeln am Körper, dann kann es zu schwierigen Momenten kommen. Um dem entgegenzuwirken, wollte ich Menschen eine Plattform geben, auf der sie sich mit dem Thema mentale Gesundheit und dem Weg zum Glücklichsein auseinandersetzen können. Und um ihnen damit die Einsamkeit zu nehmen.

Wie kam es dazu, dass du dich so sehr mit psychischer Gesundheit beschäftigst?

Ich habe schon sehr früh – da war ich 16, 17 Jahre alt – angefangen, mich damit zu beschäftigen. Mir war immer sehr wichtig, bei mir zu bleiben und einen klaren Kopf in dieser doch „verrückten” Entertainmentwelt zu behalten. Grundsätzlich interessierte mich das Thema Psychologie, und ich war immer im Modus: „höher, schneller, weiter.“ Doch nach meinem ersten Soloalbum 2012, nach fast 7 Jahren Non-stop-Arbeiten ohne freie Tage, war ich wie ausgebrannt und hatte einen Mini-Breakdown. Ich hatte keine tiefen Depressionen, aber definitiv depressive Phasen, in denen bei mir alles dunkler war. Ich habe mich nicht wiedererkannt, und dann entschied ich mich dazu, mich mit einem Life-Coach zusammen zu tun. Das würde ich immer wieder tun. 

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Wie haben sich diese dunklen Phasen bei dir geäußert?

Ich bin jemand, der von Natur aus diszipliniert und engagiert ist, das Glas immer halb voll sieht. Und ich würde auch sagen, dass ich ein sehr positiver Mensch bin, doch plötzlich merkte ich, dass ein kleiner Gremlin in mich reinschlich, den ich nicht nicht stoppen konnte. Es fiel mir schwer, morgens aufzustehen, ich wurde traurig und leiser. Zu dem Zeitpunkt war ich Teil einer TV-Show, musste hochpräsent sein und konnte nicht einfach sagen: „Ich zieh mich mal eben aus dem Vertrag zurück.“ Aber genau das hätte ich machen müssen, wusste aber gleichzeitig, dass ich dann ganz viele Menschen im Stich lassen würde. Ein Gefühlschaos.

Mandy Capristo zusammen mit Bahar Kizil und Senna Gammour (v.r.)
2006 wurde Mandy Capristo zusammen mit Bahar Kizil und Senna Gammour (v.r.) zur Band „Monrose“ gecastet. 2011 gingen sie getrennte Wege.Foto: Getty Images

Du bist sehr früh, im Teenageralter, prominent geworden. Was hat das mit dir gemacht?

Ich bin über Nacht erwachsen geworden. Gerade, wenn man so jung ist, nimmt man sich natürlich sehr viel zu Herzen und versucht alles perfekt zu machen, um sich selbst und andere nicht zu enttäuschen. Über die Jahre habe ich mir ein sehr glattes, perfektes Bild zurechtgelegt. Ich habe versucht, alles korrekt zu machen. Dabei ist an der ein oder anderen Stelle die Leichtigkeit verloren gegangen. Doch das war mein Weg, damit umzugehen.

Hast du damals eine Therapie in Anspruch genommen?

Ich habe nie eine Therapie gemacht, aber ich habe mir Hilfe geholt, um über bestimmte Dinge zu sprechen und sie zu verarbeiten. Für mich war klar, dass dieses Leben, das ich so früh geführt habe, kein normales Leben war. Ich komme aus einem ganz kleinen Ort in Hessen, wir hatten weniger als 800 Einwohner, ich habe jeden Tag Kühe, Pferde und Bäume gesehen. Und plötzlich war alles anders. Es ist ein sehr aufregendes Leben und gleichzeitig meine Realität, aber mir war immer wichtig, das wahre Leben vor mir zu haben und nie das zu verlieren, auf was es im Leben wirklich ankommt.

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Kannst du den Moment festmachen, in dem du gemerkt hast, dass du dein Leben so nicht weiterführen kannst?

Es gab diesen Moment, an dem ich dachte: „Wenn ich jetzt so weitermache, dann verliere ich etwas in mir und das wollte ich nie.” Es gab Momente und die gibt es immer wieder, dass Menschen auf mich zukommen und zu mir sagen: „Wow, du hast alles, bei dir ist doch Immer alles super.“ Aber in Wirklichkeit ist das nicht so, wir haben hinter den Kulissen mit den selben Themen zu strugglen und nicht alles ist Gold, was glänzt. 2015  bin ich nach L.A. gegangen, nur mit meinen langjährigen Freundinnen an meiner Seite, die mich zu der Zeit betreut haben. Das war das Beste, was ich machen konnte. Ich wollte wieder normale Dinge tun, mich nicht zurecht machen müssen, falls Fotografen mich abschießen. Ich habe kein Make-up getragen, zum ersten Mal Alkohol getrunken – mit 25 alles nachgeholt, was ich davor nicht hatte. Dieser Abstand zum Trubel in Deutschland hat mir unglaublich gut getan, Ruhe geschenkt und mich wieder näher zu mir selbst gebracht.

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Jetzt wohnst du mit deinem Freund in Italien. Wie kann man sich dein Leben dort vorstellen?

Tatsächlich bin ich ein totales Landei. Ich habe einen großen Bezug zur Natur, da ich auch in Deutschland auf dem Land groß geworden bin. Ich bin erst sehr spät aus meinem kleinen Ort weggezogen – erst, als ich damals nach London zog. Mein Leben in Italien ist – gerade jetzt mit Covid – sehr entspannt. Ich habe sehr viel Grün um mich herum, viel Essen und meine Hunde. Es ist sehr gemütlich. Das tut mir gut.

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Baust du auch selber Obst und Gemüse an oder hast Kühe, Schafe und Ziegen?

Wir haben keinen Bauernhof, aber das ist mein Traum. Wir wollen uns in der Zukunft ein paar Hühner zulegen, Tomaten anpflanzen und einfach mehr selbst anbauen. Das Leben ein bisschen runterfahren, back to basic.

Ein Leben, das du dir in Deutschland nicht vorstellen könntest?

Doch, absolut. Meine Heimat ist nach wie vor in Bürstadt, Hessen. Aber mein Privatleben hat mich nach Italien verschlagen. Ein schöner Kompromiss, den ich gerne eingehe.