Ex-GNTM-Gewinnerin im STYLEBOOK-Interview

Stefanie Giesinger: »Ich hatte Depressionen

2014 kürte Heidi Klum sie zum Topmodel, was danach folgte, war ein nahezu kometenhafter Aufstieg: Werbekampagnen, TV-Auftritte, Events. Stefanie Giesinger verknüpft seit jeher erfolgreich Model-Karriere mit Influencer-Dasein. Auch fünf Jahre nach „Germany's Next Topmodel“ ist sie noch gut im Geschäft. Ein Geschäft, dass auf Social Media viel Angriffsfläche bietet. Auch Giesinger bleibt von Hate-Kommentaren nicht verschont. Und ist nicht immer so gut gelaunt, wie sie in der Öffentlichkeit wirkt. Ein ehrliches Gespräch über dunkle Zeiten und „Aufpäppel-Tricks.“

Stefanie Giesinger in Cannes

Stefanie Giesinger hat es geschafft: Sie ist auf allen großen Events dabei, wie hier bei den Filmfestspielen in Cannes. Aber der Erfolg hat auch seine Schattenseiten
Foto: Getty Images

Aktuell strahlt Stefanie einem von vielen Straßenecken aus entgegen: Sie ist als Gesicht von Tezenis auf riesigen Werbeplakaten in ganz Deutschland zu sehen. Was auf den Bikinifotos direkt ins Auge fällt: eine lange Narbe auf ihrem Bauch – in Zeiten von perfekt retuschierten Instagram-Bildern eine Seltenheit auf Werbefotos. Von der gebürtigen Kaiserslauterin ist das aber genau so gewollt. „Ganz viele Brands haben sie in der Vergangenheit wegretuschiert, das finde ich total doof!“, erzählt sie im STYLEBOOK-Interview.

„Ich bin stolz auf meine Narbe!“

Stefanie leidet seit der Geburt unter dem Kartagener-Syndrom, weshalb Klinik-Aufenthalte zu ihrem Leben dazugehören. Erst im vergangenen Jahr musste sie eine schwere OP über sich ergehen lassen, hat seitdem die große Narbe auf dem Bauch. Auf die sei sie stolz, „sie erinnert mich einfach daran, dass ich eine starke Frau bin.“ Die Narbe wegzuretuschieren wäre eine total falsche Message gewesen, „eine Message, die ich nicht verkörpern möchte. Ich stehe nicht dafür, dass man sich perfektionieren soll.“

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Ihre Follower kennen das Model eigentlich nur optimistisch und gut gelaunt, wie haben also ihre Fans auf diesen ungewohnten Ausbruch reagiert? „Total positiv! Ich habe so viele nette Nachrichten dazu bekommen. Sogar einige von denen, die mir zuvor noch geschrieben haben, ich solle meine Brüste machen lassen, haben sich bei mir per privater Nachricht entschuldigt. Das hat mich nochmal motiviert und mir gezeigt, dass meine Reaktion genau richtig war.“

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Giesinger: »Ich hatte Depressionen

Immer positiv zu sein, gelingt Giesinger auch privat nicht immer: „Nach meiner OP hatte ich eine Phase, in der ich das Haus nicht verlassen konnte, weil ich mich zu schwach gefühlt habe – da war ich echt richtig schlecht drauf. Ich würde sogar sagen, dass ich da Depressionen hatte!“, gesteht sie. Darüber scheint sie mittlerweile zwar hinweg zu sein, schlechte Tage habe sie aber immer mal wieder, wie sie zugibt: „Ich wache allgemein oft auf und fühle mich total schlapp und unwohl in meinem Körper.“

Marcus Butler, Stefanie Giesinger

Power-Pärchen: Stefanie Giesinger und ihr Freund Marcus Butler sind beide erfolgreiche Influencer und unterstützen sich gegenseitig in ihrem stressigen Alltag
Foto: Getty Images

Sport gegen schlechte Laune

Und wie zieht sie sich aus so einem Loch wieder raus? „Ich habe gelernt, mit positiven Affirmationen dagegen an zuarbeiten. Ich stell mich dann vor den Spiegel und sage zu mir selbst Sachen wie: ‘Du bist stark, du bist schön, du bist viel wert.‘ Das hilft mir wirklich sehr!“ Genauso wie ihr zweiter Geheimtipp: Sport. Auch wenn es schwer sei, sich in solchen Momenten aufzuraffen, „wenn ich das dann mache, bin ich danach total happy und gut drauf!“ Eine große Unterstützung ist auch ihr Freund, Marcus Butler, ein erfolgreicher Influencer aus Großbritannien, mit dem sie seit fast drei Jahren liiert ist. „Immer, wenn ich schlecht drauf bin, sagt er sowas wie: ‘Komm, geh einfach 10 Minuten laufen. Du wirst dich besser fühlen!‘“ Ich will dann oft erst nicht, aber er sagt dann: ‘Believe me, just go!‘ Und wenn ich dann laufen war, bin ich danach wie ein ganz neuer Mensch und wieder happy, schon allein auch wegen der ganzen Endorphine. Das ist echt der beste Aufpäppel-Trick für mich. Sport generell!“