Social Freezing

Was Frauen über das Einfrieren von Eizellen wissen sollten

Frau liegt nachdenklich auf dem Bett
Eizellen einzufrieren, kann für Frauen eine Möglichkeit sein, Zeit in Sachen Familienplanung zu gewinnen. STYLEBOOK erklärt, was Sie über das sogenannte Social Freezing wissen sollten.
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Frauen haben heute die Möglichkeit, ihren Kinderwunsch durch „Social Freezing“ – das Einfrieren von Eizellen – aufzuschieben. STYLEBOOK sprach mit einem Experten für Reproduktionsmedizin darüber, was man über das Prozedere, die anfallenden Kosten und mögliche Risiken wissen sollte.

Ob aus privaten oder beruflichen Gründen – es gibt mehr und mehr Frauen, die das Schwangerwerden auf einen späteren Zeitpunkt verschieben wollen. Andere sind sich noch nicht sicher, ob sie überhaupt Kinder wollen, möchten sich aber die Option für später offenhalten und dafür quasi ihre Fruchtbarkeit „konservieren“. Diese Möglichkeit bietet ihnen das sogenannte Social Freezing. Der Begriff steht für das Einfrieren (vom englischen to freeze) aus soziologischen Gründen, also ohne medizinischen Anlass. Die richtigen Ansprechpartner hierfür sind Reproduktionsmediziner, also Ärzte, die sich auf Fortpflanzung (u.a. unter erschwerten Bedingungen) spezialisiert haben.

Der beste Zeitpunkt, Eizellen einzufrieren

Frauen zwischen Mitte/Ende 20 und 34 Jahren sind Experten zufolge im idealen Alter. Ab 35 wird von der Prozedur eher abgeraten.

Ablauf und Dauer der Behandlung

Die Eizellen werden durch den Scheideneingang aus den Eierstöcken entnommen. Damit dies gelingt, müssen sie mittels einer Hormonbehandlung (Stimulation) herangereift sein und eine bestimmte Größe erreicht haben. Die Patientin führt ein Aufklärungs- und Einweisungsgespräch mit dem behandelnden Arzt und die Hormonbehandlung im Anschluss selbst durch: per Bauchspritze unter die Haut mit speziellen Hormonpräparaten aus der Apotheke.

Über einen Zeitraum von durchschnittlich zwei Wochen sind täglich zwei Injektionen nötig, eine morgens, eine abends. Ärzte empfehlen, etwa ab Mitte der Stimulationsphase auf starke körperliche Anstrengungen (Sport, Sauna-Gänge) und Sex zu verzichten; zudem ist Rauchen unter Hormoneinfluss besonders schädlich. Die Spritzen tun im Übrigen nicht weh, führen aber dazu, dass die Eizellen wachsen – das kann ab einem gewissen Punkt unangenehm sein. Zudem kann die Hormonbehandlung Stimmungsschwankungen hervorrufen.

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Zwischendurch muss der Status der Eizellenreife in der Arztpraxis oder Klinik kontrolliert werden. Sind die Eier noch nicht groß genug, wird die Hormontherapie entsprechend verlängert. Sobald der gewünschte Reifungsgrad abzusehen ist, wird ein Termin für den Eingriff festgelegt und somit auch der Zeitpunkt für die letzte Spritze. 36 Stunden vor der Eierstockpunktion muss nämlich ein anderes Hormon gespritzt werden, um den Eisprung auszulösen.

Eingriff ist schmerzfrei

Der etwa 15-minütige Eingriff – die sogenannte „Punktion“ – wird ambulant vorgenommen und die Patientin dafür in einen Dämmerschlaf versetzt. Der behandelnde Arzt entnimmt den gereiften Eibläschen die Eizellen mit einer dünnen Nadel. Nach ca. einer  Dreiviertelstunde lässt die Sedierung nach und die Patientin kann von einer Begleitperson abgeholt werden.

Ein paar Stunden und Tage nach dem Eingriff kann es zu Schmerzen kommen, die über das Maß stärkerer Menstruationsbeschwerden aber nicht hinausgehen sollten. Die Patientin kann am nächsten oder übernächsten Tag nach dem Eingriff wieder arbeiten, sofern sie sich danach fühlt und die Tätigkeit nicht körperlich fordernd ist. Eine Woche lang sollte sie sich schonen.

Lagerung bei minus 196 Grad

Per sogenannter Vitrifikation werden die Eizellen unmittelbar nach der Punktion tiefgefroren und bei minus 196 Grad Celsius gelagert. Dort können sie viele, viele Jahre lang (zumindest in Deutschland, in Großbritannien liegt die Obergrenze bei zehn Jahren) gelagert werden.

Schwangerschaftschancen nach Social Freezing

Die Patientin entscheidet, ob und auch wann sie den Versuch unternehmen will, schwanger zu werden, theoretisch ist das auch jenseits der Menopause noch möglich. Hiervon wird ärztlicherseits allerdings in der Regel abgeraten.

Die Schwangerschaftsrate pro Versuch einer künstlichen Befruchtung mit zuvor gefrorenen Eizellen beträgt etwa 25 bis 30 Prozent. Man muss jedoch bedenken, dass derartige Zahlenangaben sehr ergebnisabhängig sind und auch der männliche Faktor von Bedeutung ist.

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Kosten können sehr unterschiedlich ausfallen

Die Kosten für das Social Freezing setzen sich aus der ärztlichen Behandlung und Betreuung, der Anzahl der nötigen Ultraschalluntersuchungen, der Eizellenlagerung (beläuft sich pro Jahr auf ca. 300 Euro), dem Eingriff und dem Preis für die Hormone zusammen. Letzteres macht einen größeren Anteil aus. Für einen Durchgang muss die Patientin mit einer Summe zwischen 3.000 bis 3.500 Euro (inkl. Medikamente) rechnen, die sich bei weiteren Versuchen entsprechend erhöht. Der Grund: Pro Versuch einer künstlichen Befruchtung wird in der Regel mit 15 Eizellen gearbeitet. Falls durch eine erste Stimulation nicht die gewünschte Eizellenzahl gewonnen wurde, könnte man durch eine Wiederholung in einem späteren Zyklus die Voraussetzungen für eine Schwangerschaft verbessern.

Bei einer Frau im idealen Alter und mit guter körperlicher Verfassung (diese kann natürlich auch von anderen Faktoren beeinflusst werden) werden pro Punktion bis zu 15 Eizellen entnommen, bei Patientinnen über 37 sind es oftmals nur noch sieben bis acht. Wenn das Social Freezing wiederholt werden muss, können sich die insgesamt fälligen Kosten schnell verdoppeln.

Keine ernsthaften Risiken

Gesundheitlich drohen – neben Unterbauchschmerzen und möglichen Nebenwirkungen der Hormonbehandlung (leichte Kopfschmerzen, Brustspannen, ein gering erhöhtes Thromboserisiko) – keine wirklich schwerwiegenden Probleme. Bei sehr jungen Patientinnen kann es in seltenen Fällen zu einer „Überstimulation“ mit Schmerzen und Wassereinlagerung kommen, die aber in den Händen eines mit der Methode vertrauten Arztes selten auftritt. Laut unserem Experten liegt die Wahrscheinlichkeit dafür bei zwei bis drei Prozent.

STYLEBOOK wurde fachlich beraten von Dr. med. David S. Sauer, Facharzt für Facharzt für Gynäkologie, Geburtshilfe, gyn. Endokrinologie und Reproduktionsmedizin vom Kinderwunsch- & Hormonzentrum in Frankfurt am Main.