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Was hilft bei Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft?

Schwangere Frau fasst sich ans Bein
Viele Frauen leiden in der Schwangerschaft unter Wasser in den Beinen und Händen.
Foto: iStock/burakkarademir

Wassereinlagerungen (Fachbegriff: Ödeme) sind typische Begleiterscheinung einer Schwangerschaft, machen sich mit geschwollenen Beinen und Händen bemerkbar und können je nach Ausprägung unangenehm oder sogar schmerzhaft werden. Verhindern lassen sich Ödeme leider nicht, es gibt aber Mittel und Wege, um die Beschwerden zu lindern.

Während andere Frauen die letzten warmen Tage des Sommers genießen können, bedeuten hohe Temperaturen für Schwangere oft eine Herausforderung. Der Grund: Bei Wärme weiten sich die Blutgefäße, was wiederum Ödeme begünstigt. Und um solche handelt es sich auch bei schwangerschaftstypischen Wassereinlagerungen.

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Woher kommen Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft?

Vereinfacht gesagt hängen die Wassereinlagerungen damit zusammen, dass es in der Schwangerschaft generell zu einer beträchtlichen Zunahme an Körperwasser kommt. Laut Prof. Dr. Friedrich Wolff, Facharzt für u. a. Gynäkologie und Geburtshilfe aus Holweide, stellen sie mit die „eindrucksvollsten“ körperlichen Veränderungen werdender Mütter dar. Nehme eine Frau bis zur Geburt beispielsweise 12 Kilogramm zu, wären immerhin sechs Liter davon – also die Hälfte! – Wasser. „Es befindet sich im Blutkreislauf und in den Gelenken, die sich für die Geburt auflockern“, erklärt Prof. Wolff im Gespräch mit STYLEBOOK, „außerdem in den Organen, dem Bindegewebe und in der Haut.“

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Die berühmten dicken, geschwollenen Beine, die Schwangere beklagen, werden außerdem dadurch begünstigt, dass die sogenannte Wadenmuskelpumpe weniger aktiv arbeitet. Ihre Aufgabe ist es, das Blut durch die Venen nach oben zu pumpen. Ihre eingeschränkte Funktion und der verlangsamte Blutfluss bringen einen gewissen Flüssigkeitsaustritt in das umliegende Gewebe mit sich. Nicht zu vergessen, beeinträchtigt auch der Druck des Babybauchs den Blutkreislauf.

Was Schwangere tun können, um Wassereinlagerungen zu reduzieren

Grundsätzlich lautet Prof. Wolffs Empfehlung, das Phänomen Wassereinlagerungen als wichtig und notwendig anzusehen. Schon allein positives Denken könne den Umgang damit erleichtern. Frauen, die extrem mit den Beschwerden zu kämpfen haben, rät der Arzt zu regelmäßiger Bewegung, um den Flüssigkeitstransport durch das Gewebe anzustoßen. Schwangere, die viel sitzen, dürften eine Verschlimmerung ihrer Beschwerden feststellen. Ebenso bindet eine salzreiche Ernährung – schwanger oder nicht – Wasser und kann somit Ödeme fördern.

Was genau hinter dem Begriff „Risikoschwangerschaft“ steckt

Ansonsten helfen die Klassiker: Die Beine ab und an hochlegen, um das Rücklaufen der Flüssigkeit zu fördern, und dies ggf. auch mit leichten Massagen unterstützen. Zudem empfiehl der Experte Wechselduschen, um die Gefäße zu trainieren und den Blutfluss anzukurbeln. „Zur sanften Reduktion von Ödemen empfiehlt sich auch gelegentlich eine Tasse Brennnesseltee“, so der Arzt.

Was Schwangere NICHT tun sollten, um Wassereinlagerungen zu reduzieren

Manche Frauen hoffen, durch eine reduzierte Flüssigkeitszufuhr auch deren Einlagerung verringern zu können. Das ist laut Prof. Wolff aber alles andere als eine gute Idee: Eine reichliche Flüssigkeitszufuhr ist vielmehr förderlich, um den Stoffwechsel anzukurbeln. „Zu wenig zu trinken hingegen kann zur Eindickung des Blutes führen, was die Gefahr für eine Thrombose oder Embolie erhöht. Der Blutdruck würde ansteigen“, warnt der Experte.

Gleichwohl sollten etwaige ausschwemmende Therapien allenfalls unter ärztlicher Kontrolle stattfinden. Die Einnahme von beispielsweise Diuretika (= harntreibende Medikamente), wie sie unter normalen Umständen bei einer Neigung zu Ödemen denkbar wäre, ist während der Schwangerschaft „streng“ verboten, so Prof. Wolff.

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Wann Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft gefährlich werden

Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft sollte man dann genauer beobachten, wenn sie sehr plötzlich (auch im Gesicht) auftreten bzw. krankhafte Ausmaße annehmen. Ebenso ist ein deutlicher Blutdruckanstieg laut Prof. Wolff womöglich ein Warnsignal, mit dem man sich schnell in ärztliche Behandlung begeben sollte. In diesem Fall kann die Entwicklung einer sogenannten Präeklampsie – früher als Schwangerschaftsvergiftung bekannt – bestehen.