Von Kurven, über Knochen bis hin zum Super-Po

Der „perfekte Körper“ im Wandel der Zeit

Kurven in den 50er-Jahren, Knochen in den 90er-Jahren und momentan sind Kurven wieder extrem angesagt: Das Schönheitsideal hat sich in den letzten 70 Jahren extrem verändert
Foto: Getty Images

Man sagt, Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Doch Fakt ist, dass letztendlich unsere Gesellschaft das Schönheitsideal prägt. Und was als schön gilt, ändert sich pro Dekade: Während in den 50er-Jahren noch ein weiblicher Körper mit Busen, Bauch und Po gefragt war, wollten Frauen nur zehn Jahre später so aussehen wie das dünne, knabenhafte Model Twiggy. Wir haben die „Figurtrends“ der letzten 70 Jahre aufgeschlüsselt – von Kurven, über Knochen bis hin, dank Kim Kardashian, zum Superpo .

1950er Jahre: das Kurvenwunder

Nach den mageren Kriegsjahren ging es in den 50er Jahren um das Motto „Mehr ist Mehr“: Mehr Stoff (Christian Dior verwendete geradezu verschwenderisch viel Material für seine Entwürfe), mehr Konsum und mehr Rundungen. So waren voluminöse Kurven àd la Marilyn Monroe (†36) und Jayne Mansfield (†34) angesagt. Die typische Sanduhr-Figur hat viel Busen, eine schmale Taille und breite Hüften. Im Gegensatz zu heute, waren die Konfektionsgrößen 40 oder 42 das angestrebte Ideal. Das Schönheitsideal war so extrem, dass Firmen ihre Produkte sogar mit Werbeslogans wie „Dünne Mädchen sind keine glamourösen Mädchen“ verkauften.

Sie galt als das Schönheitsideal in den 50er-Jahren: Mariyln Monroe (hier 1958). Nur wenige Jahre später, wäre sie in der „Swinging Sixties“-Zeit zu dick gewesen
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1960er Jahre: das Zweiglein

Nur ein paar Jahre später änderte sich der Trend ins absolut Gegensätzliche. Das spindeldürre Model Lesley „Twiggy“ Lawson (67) mit den großen Kulleraugen galt als das It-Girl der 60er Jahre und jeder wollte so dünn und jungenhaft sein wie sie. Ihren Spitznamen Twiggy erhielt sie aufgrund ihrer Figur, denn Twiggy heißt übersetzt soviel wie „dünnes Zweiglein“, (englisch „twig“: Zweig). Twiggy selbst war 1,72 Meter groß und wog gerade mal 43 Kilogramm. Obwohl sie „die teuerste Bohnenstange der Welt“ war, haderte sie mit ihrem Körper: „Als ich anfing zu modeln, war ich ein dünnes Schulmädchen, dass sich Taschentücher in den ohnehin schon kleinen BH stopfte. Ich wollte gar nicht so dünn sein.“ Dennoch gab sie mit ihrem Aussehen den Ton in der Modewelt an und passte mit ihrem jugendlichen Aussehen perfekt zu Mary Quants neu erfundenen Miniröcken. Auch die knochige Modelkollegin Jean „The Shrimp“ (dt. Die Garnele) Shrimpton (74) sowie die fast zerbrechlich wirkende Audrey Hepburn (†63) galten mit ihrem dünnen Körper und dem Puppengesicht als Schönheitsideal der Sixties. Und wie ließ sich die neue Traumfigur erreichen? Nur mit einer strengen Diät. Zum Beispiel mit Weight Watchers – das Unternehmen wurden nämlich 1963 gegründet.

Als in den Swinging Sixties die Jugend den Ton angab, galt Twiggy (hier 1967) mit ihrem jugendlichem Aussehen als das angestrebte Schönheitsideal

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1970er Jahre: die Actionfrau

Farrah Fawcetts Figur definierten die 70er Jahre. Bei einer Körpergröße von 1,69 Meter trug die blonde, sportliche Amerikanerin eine Kleidergröße 38 und verkörperte damit das neue Ideal von Groß, Schlank, Fit und Gesund. Weitere „Actionfilm“-Frauen betraten in den 70er-jahren die Bildfläche. Nicht nur Farrah als Mitglied von „Charlie’s Angels“, auch Lynda Carter (66) als „Wonder Woman“ oder „Bionic Woman“ Lindsay Wagner (68) standen für Stärke und Geschicklichkeit der neuen Powerfrau. Ein inspirierender Look, der bis heute noch bewundert wird.

Fast jeder Junge in den 70er-Jahren hatte ein Poster von ihr in seinem Kinderzimmer: Farrah Fawcett (1979) war DAS Sexsymbol der Siebziger
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1980er Jahre: das Supermodel

Es war das Jahrzehnt der Superlative: breite Schulterpolster, ausladende Kleider, voluminöses Haar und großer Konsumwahn. Und die Frauen? Die sollten vor allem sehr groß und schlank, aber nicht mehr dürr und flachbrüstig sein. Elle „The Body“ Macpherson (53) wurde mit ihren 182 cm Körpergröße zum Model-Favoriten. Zusammen mit Cindy Crawford (51), Linda Evangelista (52), Naomi Campbell (47), Christy Turlington (48) und dem deutschen Fräuleinwunder Claudia Schiffer (46) bildete sich die erste Riege der frühen Supermodels. Sie alle waren groß, athletisch und berühmt für ihre langen Beine. Gesunde Kurven waren wichtig für die Amazonen der 80er und damit auch für normale Frauen realisierbar. Sport wurde essentiell, um an die neue Traumfigur zu kommen, am liebsten mit den Aerobic-Videos von Jane Fonda (79).

Das amerikanische Supermodel Cindy Crawford galt mit seinen Superkurven als Beautyvorbild in den 80er-Jahren
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1990er Jahre: die Kindsfrau

In den 90er Jahren gab Grunge den Ton an, Filme wie „Reality Bites – Voll das Leben“ und „Trainspotting“ liefen im Kino, musikalisch hörte man Nirvana oder Pearl Jam und der „Heroin Chic” eroberte die Laufstege. Im Vergleich zu den 80er-Jahren, wirkte dieses Jahrzehnt nicht mehr glamourös, sondern eher minimalistisch. Und so waren auch Kurven komplett wieder out. Wie schon in den 60er Jahren waren jetzt wieder britische Models sehr gefragt. Die Engländerin Kate Moss (43, 1,70 Meter) war das perfekte Gesicht – und Figur – für diese Dekade: Blasse Haut, klein, wenig Busen und fast schon androgyn – so wie das Model wollten jetzt alle aussehen. Aber auch das sehr große und sehr dünne Model Jodie Kidd (38, 1,88 Meter) galt mit ihrem Alien-Look und den langen Gliedmaßen als Schönheitsideal. Der Schönheitstrend schwappte auch nach Hollywood und machte die zierlichen Schauspielerinnen wie Winona Ryder (45) oder Jamie King (38) zu Vorbildern für diesen Look.

Kate Moss (hier 1995) war DAS Model der 90er-Jahre. Die Britin machte nicht nur mit „Heroin-Chic“ und „Size Zero“ Schlagzeilen, sondern auch durch ihre Partylaune
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2000er Jahre: Das Busenwunder

„Bringing sexy back“ hieß es zur Jahrtausendwende. Allen voran die brasilianischen „Victoria’s Secret“-Models wie Gisele Bündchen (37), Adriana Lima (36) und Alessandra Ambrosio (36) hatten den „perfekten“ Körper der 00er-Jahre: Lange Beine, ein trainierter Körper und ein sexy Dekolleté brachten den Glamour der 80er Jahre-Supermodels zurück. Besonders der Busen bekam ordentlich Aufmerksamkeit. Push-up BHs waren ein Muss und Brustvergrößerungen lagen absolut im Trend. Victoria Beckham (43), heute Stilikone, damals stillose Spielerfrau, ließ sich beim Chirurgen aus ihrem A-Körbchen ein Doppel-D-Körbchen zaubern. Später entfernte sie die Implantate wieder, doch andere Busenstars wie Pamela Anderson (50) tragen heute immer noch stolz ihre pralles, perfekt gemachtes Dekolleté.

Blonde lange Haare, volle Lippen und viiiel Busen: „Baywatch“-Babe Pamela Anderson (hier im Jahre 2002) galt als das ultimative Sexsymbol der 2000er-Jahre
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2010er Jahre: der Super-Po

Denn der rückte dankt Kim Kardashian (36), Jennifer Lopez (48) und Pippa Middleton (33) mehr denn je in den Fokus. Wer erinnert sich nicht an das schöne Hinterteil, dass Herzogin Kate fast die Show an ihrer eigenen Hochzeit 2011 gestohlen hat? Und jetzt schon legendär: das imPOsante „Paper“-Cover von 2014 mit Kim Kardashian mit ihrem entblößten XXL-Hintern. Kim Popo-Foto soll sogar das Internet zum Explodieren gebracht haben. Mittlerweile sind Po-Implantate und Po-Liftings fast so populär wie Brustvergrößerungen in den 00er Jahren. Unters Messer legen muss man sich allerdings nicht unbedingt. Denn zum Glück hat dieser Figurtrend einen großen Vorteil: Mit den richtigen Fitnessübungen lässt sich ein praller Po auch einfach antrainieren. Auch das Schönheitsideal, richtig dünn zu sein, dient langsam aus. Pluz-Size ist dank Super-Kurven-Models wie Ashley Graham (29) und Kate Upton (25) angesagt – wieder mal.

Echt oder nicht echt? Das weiß nur Kim Kardashian selbst. Doch dank Superpo hat sie es vom Reality-Sternchen zum Superstar geschafft
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Auch interessant: Diese Schauspielerin hat laut Wissenschaftlern die perfekte Figur.

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