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Nachgefragt beim plastischen Chirurgen

Augenlidstraffung – was sie bringt, wie viel sie kostet

Frau mit gestrafften Augenlidern
Eine Augenlidstraffung für einen frischeren, wacheren Blick? STYLEBOOK sprach mit einem Experten zum ThemaFoto: Getty Images

Gerade in Zeiten von Corona, in denen wir die Mundpartie mit einer Maske verdecken, rücken die Augen besonders in den Fokus. Dabei können Menschen mit Schlupflidern oder Tränensäcken müde, erschöpft oder schlecht gelaunt wirken, obwohl sie es eigentlich gar nicht sind. Hilfreich kann hier eine so genannte Augenlidstraffung (Fachbegriff: Lidplastik) sein – ein Eingriff, der nicht nur ästhetische, sondern häufig auch gesundheitliche Vorteile mit sich bringt. STYLEBOOK sprach mit einem Experten über Kosten und Risiken.

Prominente Frauen wie etwa Supermodel Claudia Schiffer oder Schauspielerin Jennifer Lawrence sind der beste Beweis dafür, dass Schlupflider extrem attraktiv sein können. Daneben gibt es aber auch Betroffene, die je nach Ausprägung darunter leiden und automatisch die Stirn hochziehen, um die überlappende Haut aus dem Sichtfeld zu schaffen – eine Angewohnheit, die langfristig zu Problemen mit dem Bewegungsapparat führen kann. In diesen Fällen kann eine Augenlidstraffung Linderung verschaffen. STYLEBOOK sprach mit Prof. Dr. Jörg Borges, Facharzt für Plastische Chirurgie aus Freiburg, über den Eingriff und seine potenziellen Gefahren.

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Was bringt eine Augenlidstraffung?

Zunächst muss man zwischen einer Oberlid- und Unterlidstraffung unterscheiden, wobei Oberlidstraffungen (zur Behandlung von Schlupflidern) zu den häufigsten von Prof. Borges durchgeführten Schönheitsoperationen gehören. Sie seien sehr unkompliziert und erzielten dabei einen enormen Effekt. Das Gute daran: Nach einer Augenlidstraffung sehe man nicht stark verändert aus, sondern lediglich frischer. „Die Patienten nehmen wahr, dass man ihnen etwas ansieht“, berichtet der Operateur. „Ihr Blick ist offener, klarer, aber selten erkennt ihr Umfeld, was tatsächlich gemacht wurde.“ Manchmal führt der Mediziner auch eine Oberlid- in Kombination mit einer Unterlidstraffung durch, dann sei der Eingriff „schon deutlich aufwändiger, aber immer noch binnen weniger Wochen nach der OP vergessen“.

Eine Unterlidstraffung wird dann gemacht, wenn sich Patienten an extrem ausgeprägten Tränensäcken stören. Der Tränensack (Saccus lacrimalis) ist ein wichtiger Teil des Auges, genauer gesagt des Tränenapparats, gelegen im Augenwinkel zur Nasenseite. Umgangssprachlich bezeichnen wir mit Tränensäcken eine sichtbare Fettansammlung unterm Auge, die wie eine Schwellung wirkt. Eine Unterlidstraffung gleicht das verteilte Fettaufkommen aus und reduziert so auch dunkle Schatten, die einen müden Eindruck vermitteln können. Im Gespräch mit STYLEBOOK erklärt Prof. Borges die Vorgehensweise beider Eingriffe.

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Wie läuft eine Oberlidstraffung ab?

Der etwa einstündige Eingriff wird ambulant durchgeführt, wobei der Patient mit einer Tablette in einen leichten Dämmerschlaf versetzt und zudem örtlich betäubt wird. Um den Hautüberschuss auf dem Oberlid zu entfernen, setzt Prof. Borges einen Schnitt in der Lidfalte, der im Anschluss an die OP sauber vernäht wird, es bleibt somit keine sichtbare Narbe zurück. Wichtig: Schlupflider sind nie symmetrisch! Der Chirurg definiert vorher, wie viel Haut je Auge zu entfernen ist.

Nach dem Eingriff ist der Patient theoretisch direkt wieder arbeitsfähig, außer vielleicht kleineren blauen Flecken und durchsichtigen Pflastern, die die Naht schützen, sollte bereits jetzt nichts mehr an die Oberlidstraffung erinnern. Üblicherweise nähmen sich die meisten Patienten jedoch einige Tage frei, so der Experte. In dieser Zeit müssten sie allerdings nichts tun, um die Heilung zu unterstützen, außer gelegentlich Kühlpacks auf die Augen zu legen und nachts den Kopf (mit einem dickeren Kissen) etwas hochzulagern, damit die Gewebsflüssigkeit besser abfließen kann. Nach sechs Tagen werden die OP-Fäden entfernt. Nun kann mit der Narbenpflege begonnen werden.

Risiken einer Oberlidstraffung

Die etwaigen Gefahren einer Oberlidstraffung sind laut Prof. Borges überschaubar, im Bereich des Gesichts käme es nur selten zu Infektionen oder Wundheilungsstörungen, da die Haut dort gut durchblutet sei. Gewissenhaftes Kühlen verhindere außerdem die Entstehung blauer Flecken. Es sei jedoch wichtig, sich an einen fähigen, erfahrenen Operateur zu wenden. Werde zu wenig – oder schlimmstenfalls zu viel – Haut entfernt, sei das Ergebnis logischerweise nicht zufriedenstellend.

Kosten einer Oberlidstraffung

Die Kosten für eine Oberlidstraffung, die in aller Regel selbst getragen werden müssen, können sehr variieren. Laut Experte beginnen sie je nach Aufwand bei ca. 2000 Euro.

Wie läuft eine Unterlidstraffung ab?

Bei einer Unterlidstraffung muss das Fettgewebe, das sich in einer Art Säckchen befindet, sinnvoll umverteilt werden. Schließlich ist aufgrund einer veranlagten oder einer altersbedingten Gewebsschwäche an manchen Stellen zu viel vorhanden, an anderen zu wenig. Das kann auch der Grund für dunkle Schatten unter den Augen sein.

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Das genannte Fettsäckchen wird eröffnet, das Fettgewebe umverteilt und die Haut darüber gestrafft. Der Eingriff ist etwas aufwändiger als eine Oberlidstraffung, wird aber ebenfalls ambulant durchgeführt. Zur Nachsorge sollte der Patient Augentropfen sowie eine Salbe anwenden, die die Wundheilung fördert. Ansonsten gelte wie nach einer Oberlidstraffung, den Kopf beim Schlafen hochzulagern und die Augen zu kühlen. Daneben sollten allerdings auch Dinge vermieden werden, die zu einer erhöhten Spannung und Reibung auf die Bindehaut führen können, wozu Fernsehen, das Blicken auf Computerbildschirme und selbst Lesen gehören – Aktivitäten, die laut Prof. Borges für mindestens eine Woche tabu sind. Nehme man diesen Hinweis nicht ernst, könne sich der Heilungsprozess verzögern.

Risiken einer Unterlidstraffung

Abhängig von der Beschaffenheit des Bindegewebes des Patienten könne es nach dem Eingriff zu einer vermehrten Tränenproduktion kommen, so der Experte. Daneben könne es passieren, dass das Unterlid zeitweise etwas absteht. In manchen Fällen empfiehlt sich dann eine Nachbehandlung. „Verfährt ein Operateur nach der Überzeugung ‚viel hilft viel‘, schneidet er womöglich zu viel ab“, warnt Prof. Borges. Dann bestehe das Risiko eines dauerhaft hängendes Unterlids und einer Behinderung des Lidschlusses. Auch hier also der Hinweis: Bitte unbedingt an einen erfahrenen Experten wenden, der mit der nötigen Präzision arbeitet. Dann sei die Gefahr für Komplikationen gering.

Kosten einer Unterlidstraffung

Der aufwändigere Eingriff ist dementsprechend etwas teurer, bei Prof. Borges beginnen Unterlidstraffungen ab ca. 2900 für beide Unterlider.