Einst Schulmädchen, heute Frauen

So haben sich die Skandal-Girlies von „t.A.T.u.“ verändert

Jelena Katina und Julija Wolkowa brachen als singende „Lesben-Lolitas“ Anfang der 2000er eines der letzten Tabus
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Anfang der 2000er erregten zwei minderjährige Mädchen internationale Aufmerksamkeit: Als Gesangs-Duo „t.A.T.u.“ mimten Julija Wolkowa und Jelena Katina auf der Bühne laszive Lolitas, traten bevorzugt in verrutschter Unterwäsche auf und schmissen in Interviews gerne mit Schimpfwörtern um sich. 2011 trennte sich das russische Pop-Paar. Wie ist es den beiden in den vergangenen Jahren ergangen?

Julija Wolkowa und Jelena Katina (beide heute 33) aka „t.A.T.u.“ sind ein Phänomen. Wir erinnern uns: Als 2002 ihre englische Single „All the Things She Said“ samt Video veröffentlicht wurde, trauten viele ihren Augen und Ohren nicht. Da räkelten, wanden und rieben sich zwei 16-jährige Mädchen im Regen, trugen Schuluniform und knutschten so heftig, dass das Make-up verschmierte. Ein Skandal! Doch weder Kritiker noch Moralisten konnten verhindern, dass sich der Song weltweit über 27 Millionen Mal verkaufte und sich in zahlreichen Ländern, darunter Deutschland, wochenlang auf Platz 1 hielt. „t.A.T.u.“ als eine perfekt durchdachte Inszenierung, die irgendwie den Nerv der Zeit zu treffen schien.

t.A.T.u.

Schulmädchen go wild: „t.A.T.u.“ provozierten, polarisierten – und eroberten die Charts! 
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Je berühmter, desto skandalöser

Mit fortschreitendem Ruhm wurden ihre Auftritte, Texte und Videos immer heftiger. Das Duo griff Themen wie Mord, Vergewaltigung oder Prostitution auf, einige Musikvideos mussten stark zensiert werden, nahezu jedes Interview zog kontroverse Diskussionen nach sich. Ab 2009 sank der Stern der Skandal-Sängerinnen, 2011 war endgültig Schluss. „t.A.T.u.“ löste sich völlig zerstritten auf, Julija Wolkowa und Jelena Katina gingen fortan getrennte Wege. 2014 und 2016 sollte es noch einmal zwei gemeinsame Auftritte geben, die allerdings die Missgunst unter den beiden Frauen nur noch verschlimmerte.

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Krebsschock für Julija Wolkowa

Von Julijas einst kindlichen, fast androgynen Zügen ist nicht viel geblieben. Dass hier und da der Beauty-Doc nachgeholfen hat, lässt sich nur vermuten. Tatsächlich war ihre Zeit nach „t.A.T.u.“ alles andere als leicht für die zweifache Mutter, deren Kinder 2004 und 2007 geboren wurden.

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Nach der Trennung versuchte sie sich als Solokünstlerin, doch ihre Lieder ernteten selbst in Russland nur geringe Aufmerksamkeit. Wie sie erst vier Jahre später öffentlich machte, erhielt Julija 2012 die Diagnose Schilddrüsenkrebs. Die Krankheit entpuppte sich als so aggressiv, dass sich die Sängerin drei Operationen unterziehen musste und zwischenzeitlich weder singen noch sprechen konnte. 2014 polarisierte sie in einem ukrainischen TV-Interview erneut: „Ich finde, dass ein Mann ein Mann bleiben muss. […] Gott hat den Mann für die Fortpflanzung geschaffen, so ist die Natur. Ich könnte einen schwulen Sohn nicht akzeptieren“, sagte sie damals. Lesbische Frauen hingegen seien ästhetisch viel netter anzuschauen als zwei sich küssende oder Händchen haltende Männer – krude Aussagen, mit denen sie sich bei zahlreichen Fans unbeliebt machte.

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Jelena Katina führt heute ein vergleichsweise „braves“ Leben

Jelena ließ die wilden und rebellischen Zeiten nach „t.A.T.u.“ schnell hinter sich, auch wenn sie in ihrem Heimatland bis heute noch als Sängerin erfolgreich ist. Tatsächlich haben die Jahre bislang wenig Spuren in ihren Gesichtszügen hinterlassen, lediglich die Locken sind einer glatten Mähne gewichen. Und der Look ist deutlich hochgeschlossener:

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Wie es ihr ergangen ist? Der 2012 veröffentlichte Remix ihrer Single „Never Forget“ schaffte es international in die Charts, 2013 gelang ihr mit „Lift me Up“ sogar der Sprung in die US-Hitparade. Im gleichen Jahr heiratete sie den slowenischen Musiker Sasho Kuzmanivic, mit dem sie nach L.A. auswanderte. Im Frühjahr 2015 zog das Paar zur Geburt des gemeinsamen Sohnes wieder zurück nach Moskau. Immer wieder tritt Jelena Katina in Erscheinung, weil sie sich aktiv für die Rechte von Schwulen und Lesben in Russland einsetzt. Dafür wird sie von Kirchenseite oft heftig kritisiert – Kritik, die aber ganz offensichtlich an ihr abperlt: Erst im August 2018 trat sie beim CSD in Stockholm auf.

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