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Dermatologin klärt auf

Schon gewusst, was sich hinter Cosmeceuticals verbirgt?

Frau cremt sich ein
Cosmeceuticals in der Hautpflege – STYLEBOOK fragte bei der Expertin. nach, was genau dahintersteckt Foto: Getty Images

Falten verschwinden, Augenlider werden gestrafft, Krähenfüße verblassen – mit diesen Versprechungen werfen so genannte Cosmeceuticals die uralte Frage auf: Was kann Kosmetik wirklich? Wirkt sie tatsächlich in den tieferen Hautschichten? Und wo verläuft eigentlich die Grenze zu Arzneimitteln? STYLEBOOK fragte bei Frau Dr. Derendorf, Fachärztin für Dermatologie und Venerologie, nach.

Der Begriff Cosmeceuticals, setzt sich zusammen aus „cosmetic“ (dt. Kosmetik) und „pharmaceuticals“ (dt. Pharmazeutika). Man spricht in Deutschland auch von Dermaceuticals, Dermakosmetik oder medizinischer Kosmetik. Gemeint sind dabei immer Pflegeprodukte wie Cremes, Seren und Gesichtswasser, die pharmazeutische Wirkstoffe in der höchsten zulässigen Dosierung enthalten, um gerade noch als Kosmetik und nicht als Medikamente deklariert zu werden. Damit fallen die Produkte in den Grenzbereich zwischen Kosmetik und Arzneimittel.

Was sind Cosmeceuticals?

Es gibt keine klare gesetzliche Definition für kosmetische Inhaltsstoffe mit pharmazeutischer Wirkung, aber sie unterliegen der EU-Kosmetikverordnung. Das bedeutet, dass sie im Unterschied zu Pharmazeutika keine Heilversprechen geben und in die Blutbahn gelangen dürfen. „Während herkömmliche Kosmetika aber nur oberflächlich wirken und keine physiologische Veränderung der Haut mit sich bringen, überwinden Cosmeceuticals die Hautbarriere“, erklärt die Dermatologin Dr. Derendorf. „Wissenschaftliche Studien belegen, dass Cosmeceuticals tiefer in die Haut eindringen und so tatsächlich auch die Hautstruktur nachhaltig beeinflussen.“

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Eine kosmetische Anti-Falten-Creme reduziert die sichtbaren Fältchen nur optisch, indem die darin enthaltenen Silikone die Hautoberfläche kurzzeitig aufpolstern. Cosmeceuticals hingegen können in die Zellschicht gelangen, wo die Falten überhaupt erst entstehen und haben dadurch sogar eine prophylaktische Wirkung. Jedes dieser Wirkversprechen muss allerdings in Studien nachgewiesen werden.

Woran erkenne ich Cosmeceuticals?

Entsprechende Produkte sind auf den ersten Blick nicht einfach zu erkennen, da nicht alle Hersteller die medizinischen Wirkstoffe gut sichtbar auf der Packung bewerben. Typische Wirkstoffe für Dermakosmetik sind die Vitamine A (Retinol), C und E, aber auch Proxylan, Resveratrol, Glycolsäure und Salicylsäure. Ebenso wie bei Flavonoiden, Isoflavonen, Peptiden und Karotinioden handelt es sich um hautidentische oder hautähnliche Stoffe, die aufgrund ihrer Zusammensetzung tiefer in die Haut eindringen können als herkömmliche Kosmetik.

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Typische Anwendungsgebiete

Cosmeceuticals setzen den Fokus auf die Reduktion der Zeichen der Hautalterung. Somit sind die typischen Anwendungsgebiete Hautschäden durch UV-Strahlung, Falten, Krähenfüße, Alters- und Pigmentflecken sowie Hyperpigmentierung. Aber auch erweiterte Äderchen, Hautunreinheiten, Akne, Pickel und Mitesser können gemindert werden.

Risiken und Nebenwirkungen von Cosmeceuticals

Da die Substanzen an sich nicht gefährlich sind, sind auch keine schwerwiegenden Nebenwirkungen bei der Anwendung von Cosmeceuticals zu befürchten. Dennoch sollte man sich strikt an die Anwendungshinweise im Beipackzettel halten. Eine Überdosierung kann zum Beispiel zur Folge haben, dass die Haut stark reagiert, sich unangenehm anfühlt, trocken und schuppig wird.

Obwohl die Produkte frei im Handel und ganz ohne Rezept erhältlich sind, empfiehlt Frau Dr. Derendorf dringend, vorab einen Besuch beim Dermatologen oder in einer vergleichbar spezialisierten Praxis, die eine professionelle Hautanalyse durchführt. So lässt sich ein für die jeweilige Hautstruktur und Bedürfnisse passendes Produkt finden, eine individuelle Pflegeroutine festlegen und mögliche Anwendungsfehler vermeiden. Immer empfehlenswert ist ein Patch Test, eine Form des Allergietests. Dafür wird das Produkt in kleiner Menge auf einen leicht zu bedeckenden Hautbereich aufgetragen. Er kann selbst zu Hause durchgeführt werden und zeigt eine mögliche Überempfindlichkeit der Haut.

Auch hinsichtlich der Kosten ist eine professionelle Beratung empfehlenswert: Hersteller lassen sich ihre hochkonzentrierten, pharmazeutischen Wirkstoffe und die mitunter aufwändige Herstellung durchaus bezahlen.

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Für wen sind die Produkte geeignet?

Cosmeceuticals eignen sich für alle, die etwas gegen den Alterungsprozess tun möchten und sich lang anhaltende, sichtbare Resultate wünschen. „Allerdings ist der Gebrauch durchaus mit Vorsicht zu genießen, denn diese Produkte sind nicht für jeden geeignet“, erklärt die Expertin. „Eine junge Haut, unter 25 Jahren ist schnell durch zu stark konzentrierte Wirkstoffe überfordert und kann gereizt reagieren. Nur eine professionelle Hautanalyse bringt wirklich Sicherheit in der Anwendung und sichtbare Resultate. Für zu Allergien neigende Menschen mit empfindlicher Haut sind die Produkte ebenfalls weniger geeignet.“

Fazit

Cosmeceuticals können Altersanzeichen minimieren und zukünftigen Hautschäden entgegenwirken. Somit stellen sie eine echte Alternative zu herkömmlicher Kosmetik dar – vorausgesetzt, man lässt sich entsprechend beraten und beachtet die Anwendungshinweise. Generell gilt: Hauterkrankungen sollten immer professionell begutachtet und nicht in Eigenregie behandelt werden.

Mit fachlicher Beratung von Frau Dr. Derendorf, Fachärztin für Dermatologie und Venerologie (Praxis Dermatologie am St. Anna Platz in München)

Weitere Quelle: www.codecheck.info