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Reza stylt Bonnie Strange

Star-Friseurin im Interview: »Teuer heißt nicht gleich gut!

Friseurin Reza Hair im Portrait
Star-Friseurin Reza Hair liebt ihren Job auch noch nach all den Jahren. Foto: Reza Hair

Sie ist die Hairstylistin von Bonnie Strange, hat einen eigenen Salon in Berlin und shootet für ihr eigenes Perücken-Label schon mal in Los Angeles. Im Gespräch mit STYLEBOOK erzählt Friseurin Reza über ihren Werdegang, Arbeitsalltag und gibt nützliche Styling-Tipps.

Was Sachen Haare angeht, macht Reza so schnell keiner etwas vor: Die Wahlberlinerin, die für das perfekte Hairstyling von Stars wie Bonnie Strange, Lisa und Lena oder Sarah Connor verantwortlich ist, hat mit ihrem Beruf ihre Passion gefunden. Mit ihrem Talent, ihrer Kreativität und ihrer offenen Art kommt die gebürtige Mannheimerin gut an. Auf Instagram hat sie mittlerweile selbst knapp 32 Tausend Follower. Im Interview mit STYLEBOOK redet Reza über das perfekte Styling an Bad Hair Days, ihren eigenen Salon, die verrücktesten Jobs und ihr Herzensthema: gut gemachte Perücken!

Reza, wie würdest du deinen Beruf jemandem erklären, der dich nicht kennt?

Ehrlicherweise tue ich mich damit schwer. Am schönsten ist es, wenn das jemand anderes für mich übernimmt! Ich arbeite viel mit Bonnie Strange zusammen, sie ist über die letzten Jahre auch meine beste Freundin geworden. Wenn wir zusammen am Job sind, dann übernimmt sie das immer für mich. Grundsätzlich ist es sehr schwierig, wenn man zum Beispiel privat in einer Bar ist und sagt, man ist Friseurin. Man bekommt echt oft Klischee-Sprüche an den Kopf geworfen.

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Was denn zum Beispiel?

So Sachen wie: „Haha, dann kannst du mir ja auch mal die Haare machen.“ Leute stecken einen oft in eine Schublade, wenn man sagt, man sei Friseur, es wird schnell abgewertet. Dabei bin ich total stolz auf diesen Begriff!

Warst du schon immer fasziniert von Haaren oder gab es ein Schlüsselerlebnis, warum du Friseurin werden wolltest?

Das ist eine lustige Geschichte: Mit 13, 14 habe ich ein Mädchen aus meinem Dorf kennengelernt, die total selbstbewusst meinte: „Ich möchte Celebrity-Make-up-Artistin werden“. Mich hat das von den Socken gehauen, denn ich hatte damals nur Jungs und Ausgehen im Kopf. Es hat mich sogar so beeindruckt, dass ich einfach geantwortet habe: „Krass cool, ich auch!“, dabei wollte ich aus heutiger Sicht wahrscheinlich einfach nur mit ihr befreundet sein.

So bin ich auf die Idee zur Friseurausbildung gekommen und habe daran dann auch festgehalten. Ich bin sogar extra vom Gymnasium auf die Realschule gewechselt – mein Papa war davon gar nicht überzeugt. Ich musste dann in den Ferien ein Praktikum machen, um ihm zu zeigen, dass ich genug Disziplin für den Job habe. Dann habe ich immer angefangen, samstags in einem Salon auszuhelfen und je mehr ich gemacht habe, desto mehr wollt eich das eigentlich auch.

Seitdem ist viel passiert, du stylst mittlerweile viele Stars und hast deinen eignen Salon in Berlin. Wie sieht dein Alltag aus?

Das ist eine Kombination aus Salon-Alltag und Reisen für Jobs, also Hair und Make-up für Fotoshootings und Musikvideos. Ich werde oft gefragt, ob ich mich nicht auf eine Sache konzentrieren will. Aber ich liebe diese Abwechslung! Und immer wenn ich von einem Job zurück in meinen Salon „Reza Hair“ in Berlin-Mitte komme, kann ich meine Kunden davon erzählen. Die finden das spannend. Ich kann dann mit ihnen teilen, was ich Neues dazugelernt habe, sei es fachlich oder auch menschlich. Und so wachse ich selbst ja auch immer weiter.

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Welche Jobs machen dir am meisten Spaß?

Am schönsten ist es, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die man kennt. Bonnie ist da das beste Beispiel – wir sind so zusammengewachsen über die Jahre! Das ist genau wie mit Stammkunden: Irgendwann ist man ein eingespieltes Team und muss sich nicht mehr erklären. Man weiß einfach, welche Frisuren die Person mag oder womit sie sich schön fühlt. Das macht das Zusammenarbeiten besser, schöner und schneller.

Wie läuft das ab, wenn du zum Beispiel mit Bonnie arbeitest? Überlegt ihr zusammen Ideen für die Frisuren?

Das kommt immer darauf an, ob ein Kunde involviert ist oder nicht. Wenn wir einen neuen Werbespot drehen, dann frage ich natürlich den Kunden und auch Bonnie, was gewünscht ist und wie viele verschiedene Looks ich vorbereiten soll. Bei Bonnie haben wir die Herausforderung, dass ich Vorbereitungszeit brauche, weil sie überwiegend Perücken oder Ponytails trägt. Ich kann also nicht einfach vor Ort mit einem Lockenstab oder Glätteisen auftauchen und spontan eine Frisur machen, sondern muss die Perücke vorbereiten.

Für die letzte Kampagne von Jean Paul Gaultier haben wir uns zum Beispiel für eine grüne Perücke entschieden. In solchen Fällen brainstormen wir entweder zusammen oder Bonnie schildert mir ihre Ideen und ich überlege dann, wie man das umsetzen kann und dann holen wir den Kunden mit ins Boot. Das klappt in der Regel immer sehr gut.

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Was war dein bisher verrücktester Job?

Musikvideo-Drehs sind immer verrückt und unerwartet, vor allem, weil das oft riesige Sets sind! Spannend ist auch, mit Künstlern auf Tour zu gehen. Das ist wie eine Klassenfahrt, weil man immer im Tourbus mit dabei ist und immer mehrere Tage oder Wochen miteinander verbringt.

Besonders spannend war für mich auch die letzte Staffel GNTM, bei dem mein Team und ich das Umstyling machen durften. Das waren krasse Bedingungen, weil wir Corona-bedingt Ganzkörperanzüge, eine Schutzbrille und Mundschutz anhatten und alle ständig getestet wurden. Weil die Models damit ja immer überrascht werden, wurden alle Spiegel weggenommen, sogar die spiegelnden Flächen unserer Föhns wurden abgeklebt. Und du weißt dann zum Beispiel, dass eins der Models in ein paar Stunden statt schwarzen platinblonde Haare haben wird. Aber sie selbst weiß gar nicht, was ihr blüht und du darfst ihr das natürlich auch nicht sagen – auch wenn sie immer wieder nachfragt!

Wo wir gerade von krassen Haarveränderungen sprechen: Was sind für dich die spannendsten Haar-Trends 2022?

Im Moment sehe ich unfassbar viel Rot und Orange – so richtig Karotte! Bei Jungs, aber auch bei Mädchen mit kurzen Haaren ist die Nachfrage nach einer Dauerwelle gerade groß. Vor allem bei feineren Haarstrukturen kann man damit einfach Volumen und einen coolen Lockenkopf zaubern. Wir arbeiten aktuell auch viel mit herauswaschbaren Pastellfarben im Salon. Das ist wie das Spielen mit Wasserfarbe – wenn es dir nicht gefällt, wäscht es sich schnell wieder raus.

Reza Hair mit orangenen Haaren
Mit Reza Hair wird es auf dem Kopf nie langweilig – hier in der Trendfarbe Orange. Foto: Reza Hair

Reza: „Teure Produkte sind nicht immer gleich gute Produkte!“

Welche Pflege-Tipps findest du wichtig?

Ich finde es wichtig, Vorurteile aus dem Weg zu räumen. Zum Beispiel sind teure Produkte nicht immer gleich gute Produkte. Außerdem ist es wichtig, sich mit Inhaltsstoffen auszukennen. Zu wissen, welche Produkte untereinander kombinierbar sind, ist echt Gold wert. Und ich schwöre auf ein gutes Haarserum. Ich vergleiche das immer mit einer guten Tagescreme für das Gesicht: Ein hochwertiges Serum zieht komplett in das Haar ein, pflegt es und hinterlässt dabei keine schmierigen oder fettigen Rückstände.

Reza, was machst du bei einem Bad Hair Day?

Den Wet Look! Ich selbst habe kurze Haare, ich gele sie einfach zurück. Wet Look geht wirklich immer, selbst wenn an einem Bad Hair Day nichts anderes mehr funktioniert.

Friseurin Reza Hair im Portrait
Star-Friseurin Reza im Sleek Look.Foto: Reza Hair

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Wenn ich nur begrenztes Budget habe, aber eine Veränderung will, was würdest du empfehlen?

Ein gutes Glossing. Das ist eine Tönung, die mit Conditioner reduziert wird und deswegen kaum Chemikalien erhält. Das wirkt wie ein schöner Lipgloss für die Haare!

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