Designer, Promis oder Blogger?

So entstehen Modetrends

Sofia Tsakiridu, Riccardo Simonetti und Farina Opoku
Sofia Tsakiridu, Riccardo Simonetti und Farina Opoku alias Novalanalove – diese drei deutschen Influencer sind mitverantwortlich, was in Sachen Trend angesagt ist
Foto: Getty Images

Neonfarben sind schon lange out, Leopardenmuster ist — mal wieder — total angesagt. Doch wer bestimmt eigentlich, was Trend wird und was nicht? Modedesigner, Promis oder Blogger? STYLEBOOK.de sprach mit einer, die es wissen muss.

Bald laufen sie wieder, die großen Modenschauen in New York, London, Mailand und Paris. Und ab Anfang September werden wir erfahren, welche Sommer-Trends 2018, die Designer auf dem Catwalk präsentieren. Oder sind es doch die VIP-Gäste in der ersten Reihe, die bereits die kommende Modesaison von Kopf bis Fuß tragen? Oder sind es vielleicht sogar die Menschen auf der Straße, die vor dem Fashion Week-Zelt warten, um ein Selfie mit Topmodel Gigi Hadid (22) oder Front Row-Gast Rihanna (29) zu ergattern?

Und woher wissen eigentlich all diese Modemacher, Promis und Influencer, was in und was out ist? Wir sprachen darüber mit Olga Blumhardt, Studienleitung für Modejournalismus und Medienkommunikation an der AMD Akademie Mode & Design Berlin sowie Mitherausgeberin des Buches „Traces – Fashion & Migration“.

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Wie entsteht eigentlich ein Trend?

Olga Blumhardt: „Es gibt zwei Methoden, wie Trends entstehen: Beim sogenannten ‚Trickle-down-Effekt‘ wird ein Kleidungsstück oder ein Look durch große und auch angesagte Modehäuser, wie beispielsweise Balenciaga oder Gucci, populär, das wird dann von Bekleidungsketten wie Zara und H&M nachgeahmt und durch die breite und globale Verfügbarkeit zum Trend oder Mainstream. Beim ‚Bubble-up-Effekt‘ funktioniert es genau andersrum: Große Häuser lassen sich beispielsweise von dem Look von Jugend- oder Subkulturen inspirieren und reduzieren diesen dadurch auf die reine Ästhetik. So auszusehen wie ein Punk wird dann zum Trend, ohne dass dessen Lebensstil eine Rolle spielt.“

Früher gaben Modedesigner und Subkulten den Ton an. Und heute?

„Heute spielen auch Influencer eine sehr große Rolle. Dazu zählen Blogger, YouTuber oder Instagram-Follower-Millionäre wie Caro Daur. Aber auch modebewusste Promis wie Rihanna und It-Girls wie Alexa Chung beeinflussen die Mode . Aber nach wie vor bleiben auch Designer oder Jugendkulturen eine wichtige Quelle für Trends.“

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Woher wissen Influencer, was gerade Trend ist?

„Ein Trend verbreitet sich heute dank der sozialen Medien wesentlich schneller als früher. Und Influencer wissen sehr gut, welche Quellen sie selbst nutzen müssen, um aktuelle Strömungen in der Mode so schnell wie möglich mitzubekommen.

Ab wann kann man sagen, dass etwas Trend ist?

„Ich schätze, sobald ein Kleidungsstück beziehungsweise ein Look sich länger als ein Jahr konstant hält und von den internationalen Bekleidungsketten angeboten wird.“

Wie lange hält ein Trend an?

„Das ist unterschiedlich: Die Skinny Jeans zum Beispiel hält sich schon über zehn Jahre, die klassische Biker-Lederjacke sogar schon Jahrzehnte. Andere Trends wie Rucksäcke oder Culottes sind schnelllebiger.“

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Wann wird aus einem Trend ein Kult?

„Damit ein Trend ein Kult wird, bedarf es hierzu auch Personen mit einem Kult-Status: Das kleine Schwarze wurde bekannt durch Schauspiel-Legende Audrey Hepburn (†63). DIE Hip-Hop-Band der 80er-Jahre, Run DMC, verhalfen dem Adidas Sneaker „Superstar“ zum Kultstatus, Marlon Brando (†80) machte die Biker-Lederjacke salonfähig, Supermodel Kate Moss (43) war eine der ersten, die eine Skinny Jeans trug … die Liste ist lang.“

Sind Trends weltweit unterschiedlich?

„Durch die sozialen Netzwerke und auch die internationalen Bekleidungsketten sind Trends globalisiert. Doch jeder Kulturkreis fügt noch etwas hinzu und lässt dafür anderes weg. Die Pariserin sieht anders aus als die Berlinerin, ein modischer Mann aus New York sieht anders aus als einer aus Peking. Allerdings sind die Unterschiede nicht mehr so groß wie noch vor 20 Jahren.“

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