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Künstliche Bräune und die Risiken

Hautärztin: »Solarium ist vorsätzliche Körperverletzung!

Schutzbrille auf der Sonnenbank
Gesundheitsgefährdendes Vergnügen - der Besuch im Solarium kann vorzeitige Hautalterung und schwarzen Hautkrebs verursachenFoto: iStock/markcarper

Lange, dunkle Winter, verregnete Sommer – die Sonnenstunden in Deutschland sind begrenzt. Millionen Bundesbürger helfen da künstlich nach und besuchen mehr oder weniger regelmäßig ein Solarium. STYLEBOOK sprach mit einer Hautärztin über die Folgen künstlicher Sonne und ob es wirklich einen positiven Effekt gibt.

Am Thema Teint scheiden sich die Geister – die einen empfinden eine vornehme Blässe als schön, für die anderen gibt es nichts Attraktiveres, als nach dem Urlaub gut gebräunt in die Heimat zurückzukehren. Doch gerade in Corona-Zeiten ist eine Auszeit im Süden in weite Ferne gerückt, so manch einer hilft daher in Sachen Bronze-Teint nach und legt sich auf die Sonnenbank. Obwohl die Internationale Agentur für Krebsforschung (Original International Agency for Cancer Research, kurz IACR, Anm. d. Red.) bereits im Juli 2009 UV-Strahlung und Solarien als krebserregend eingestuft hat, besuchen nach wie vor Millionen Deutsche eines der mehr als 5000 Sonnenstudios.

Die Berliner Fachärztin für Dermatologie, Dr. med. Yael Adler, sieht sich in ihrem Zentrum für Haut, Venen und Lasermedizin regelmäßig mit den Konsequenzen übermäßigen Bräunens konfrontiert. STYLEBOOK hat mit der Autorin des Buchs „Haut nah“ über die Risiken des Strahlen-Konsums gesprochen und weiß, dass es eine gesunde Form des Bronze-Teints nicht gibt.

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Lässt sich die Haut „trainieren“?

Viele Menschen glauben, ihre Haut durch das Solarium auf den bevorstehenden Urlaub vorbereiten und sogar einen körpereigenen Sonnenschutz aufbauen zu können. Die künstliche UV-Strahlung trifft ungefiltert auf die Haut, für das bloße Auge sind die ultravioletten UV-Strahlen nicht sichtbar. Eine absolut schädliche Aktion, warnt Frau Dr. med. Adler: „Im Solarium werden vorwiegend UV-A Strahlen verwendet, die etwa tausendfach so hoch dosiert sind, wie in der normalen Sonne.“

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Diese UV-A-Strahlen überwinden die Oberhaut, dringen direkt in die zweite Hautschicht ein und gehen bis in die Lederhaut, wo sie auf elastische Fasern stoßen und diese zerstören. Mit verheerenden Folgen: „Die Haut verliert schnell an Elastizität und die Tumorabwehr wird unterdrückt, das heisst, Hautkrebs kann vom Körper schlechter repariert werden und es entstehen freie Radikale mit Gewebeschäden bis ins Erbgut,“ erklärt die Expertin, „Damit kommt es zur beschleunigten Zellalterung und auch zu schwarzem und weißen Hautkrebs.“

Bräune ist eine Notfallreaktion des Körpers

Die Bräune, die im Solarium entsteht, sei minderwertig, so Dr. med. Adler. Mit dem Gang unters Solarium setzen wir eine Notfallreaktion des Körpers in Gang: „Es handelt sich um ein akutes Herausstoßen von kleinen Pigmentpartikeln, ohne schützenden Effekt.“ Diese Bräune hält nicht lange und stellt keine Verlängerung der Eigenschutzzeit vor der Sonne her. Das schaffen nur UV-B-Strahlen, die sich im natürlichen Sonnenlicht finden. Doch auch hier ist Vorsicht geboten, denn insbesondere nach der kalten Jahreszeit sollte die Haut sich langsam an die Sonneneinwirkung gewöhnen können. „Nur so kann sie einen Schutz vor Sonnenschäden aufbauen, eine Verdickung der Haut, die sogenannte Lichtschwiele,“ sagt die Hautärztin. Diese Schutzschicht, das sogenannte Melanin, zeigt sich als langanhaltende Bräune – ist aber im Grunde auch nur eine Abwehrreaktion gegen die Sonneneinwirkung.

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Solarium ist vorsätzliche Körperverletzung

Menschen mit einer etwas dickeren Haut und dunkleren Pigmentierung sind genetisch etwas robuster gegenüber UV-Strahlung. „Aber natürlich altern auch sie, wenn sie eine Überdosierung an UV-A aus dem Solarium erhalten und auch sie haben ein Hautkrebsrisiko,“ sagt Dr. med. Adler. Zu der Empfehlung, wie eine sinnvolle Dosierung von Besuchen im Solarium aussehen könne und ab welchem Zeitpunkt es schädlich wird, hat sie eine ganz klare Haltung: „Ich bin dafür, dass Solarien grundsätzlich verboten sein sollten und empfehle, den Aufenthalt komplett zu streichen. Niemand sollte unters Solarium gehen, es handelt sich in meinen Augen um vorsätzliche Körperverletzung – es gibt keinen Nutzen, sondern nur Schaden.“

Gesunde Alternative zur künstlicher Sonne: Selbstbräuner

Wer sich trotzdem eine attraktive Bräune wünscht oder vermeintlich gesünder aussehen will, dem bieten Selbstbräuner eine bedenkenlose Alternative: „Selbstbräuner haben keinen krebserregenden Effekt und sind harmlos, da sie nur die oberste Hornschicht in einem ungiftigen chemischen Prozess färben. Diesen Vorgang muss man alle ein bis zwei Tage wiederholen, da die Hautschicht sich schnell erneuert,“ erklärt die Expertin und nennt eine weitere risikofreie Alternative: „Natürlich kann man auch Make-Up oder Terracotta-Puder benutzen, da sieht man auch schön gebräunt aus.“

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Möhrensaft – Sonnenbräune zum Trinken

Ungeahnte Unterstützung kommt auch aus dem Gemüsebeet: „Einfach jeden Tag ein Glas Möhrensaft mit einem Tropfen Öl trinken, das färbt die Haut von Innen etwas Orange,“ sagt Dr. med. Adler. Und die Karotte kann noch mehr: „Studien belegen, dass diese Art der Bräune auf andere Menschen sogar attraktiver als Sonnenbräune wirkt, der Saft repariert Schäden im Erbgut und schützt die Haut vor weiteren Schäden.“ Die erstaunlichste Erkenntnis: Sogar die Eigenschutzzeit, also die Zeit, die man ohne Schutz in der Sonne bleiben kann, verlängert sich durch das regelmäßige Trinken von Karottensaft um das zwei- bis dreifache. „Bei zehn Minuten regulärer Eigenschutzzeit ermöglicht der Möhren-Konsum so bis zu einer halben Stunde Sonne, bevor Schäden auftreten,“ so die Dermatologin.

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Auch alle, die durch die Sonnenbank auf einen Ausgleich ihres Vitamin D-Spiegels im Winter hoffen, muss Frau Dr. med. Adler enttäuschen: „Für den Aufbau von Vitamin D benötigt man UV-B-Strahlung, der Aufenthalt im Freien ist dafür Voraussetzung.“ Auch Depressionen lassen sich im Solarium nicht wirklich behandeln, weiß die Expertin: „Bewegung im Freien ist da sinnvoller, denn Tageslicht vertreibt Melatonin (ein Hormon, das den Tag-Nacht-Rhythmus steuert und unter anderem dafür verantwortlich ist, das wir abends müde werden, Anm. d. Red.) auch im Winter aus dem Blut und man ist weniger müde und träge und bildet auch einen Hauch Vitamin D. Besser ist es, im Winter Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel zu sich zu nehmen, da es sonst im Winter zum Mangel kommt.“

Gute Nachrichten für alle, die sich schon auf die Frühlingssonne freuen. Dr. med. Adler rät gerade hellen Hauttypen diese Sonnenstunden zur Eingewöhnung zu nutzen. Dort darf Sonnenschutz dann trotzdem nicht fehlen, denn dort trifft und zu viel UV-Dosis auf einen Schlag. Bis dahin rät Dr. med. Adler: „Bleiben Sie einfach jeden Tag ein bisschen länger draußen.“