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Gegen Menopause-Beschwerden

Hormonersatztherapie in den Wechseljahren – was sollte Frau wissen?

Frau in den Wechseljahren
Eine Hormonersatztherapie in den Wechseljahren kann manchmal schon bei relativ jüngeren Frauen sinnvoll seinFoto: Getty Images

Die Wechseljahre bedeuten für den Körper der Frau große Veränderungen. Die Produktion an Sexualhormonen geht zurück. Dies kann bei der einen Betroffenen mehr und bei der anderen weniger Beschwerden (körperlicher und kosmetischer Natur) mit sich bringen. Um diese zu kompensieren, kann eine Hormonersatztherapie sinnvoll sein. Wie das aussehen würde, für wen sie sich eignet und was dafür bzw. dagegen spricht, STYLEBOOK hakte bei Experten nach.

Hitzewallungen und Schweißausbrüche sind wohl die gemeinhin bekanntesten Symptome. Daneben können die Wechseljahre (auch: Menopause) u. a. Schlaf- und Konzentrationsstörungen sowie den Rückgang oder gänzlichen Verlust der Libido mit sich bringen. Viele Betroffene stören sich zudem an optischen Alterungserscheinungen, wie schütter werdendem Haar und dem vermehrten Aufkommen von Falten. Grund dafür sind hormonelle Umstellungen in dieser Lebensphase. Und diesen kann man mit einer Hormonersatztherapie begegnen.

Hormonersatztherapie in den Wechseljahren – was bedeutet das?

Die weiblichen Sexualhormone, die der Körper der Frau ab dem Eintritt in die Wechseljahre immer weniger produziert, können zugeführt werden. Zu diesem Zweck greift man heute nur noch selten zu Tabletten, wie der Kölner Gynäkologe Dr. med. Jürgen Klinghammer im Gespräch mit STYLEBOOK erklärt. „Das Mittel der Wahl ist ein Östrogen-Gel. Dieses wendet die Frau abends auf der Innenseite des Unterarms an.“

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Frauen, denen die Gebärmutter zu diesem Zeitpunkt noch nicht entfernt worden ist*, bekommen zusätzlich etwa alle drei Monate ein künstliches Gestagen verabreicht. Dieses soll das Abbluten der Gebärmutterschleimhaut fördern.

* Eine Gebärmutterentfernung (Hysterektomie) kann die Wahrscheinlichkeit von Krankheiten oder Verletzungen in der Gebärmutter reduzieren. Im Fall von fortgeschrittenem Gebärmutterhalskrebs ist eine vollständige Entfernung des Organs oft unvermeidlich. Ärztlicher Rat ist hierbei notwendig.

Vor- und Nachteile einer HRT

„Die Vorteile liegen auf der Hand“, so der Arzt. Die Östrogenversorgung spiele eine wesentliche Rolle für die Knochenstabilität der Frau. Eine Hormonsubstitution kann somit die Gefahr verringern, an Osteoporose zu erkranken. Laut Dr. Klinghammer werde auch eine prophylaktische Wirkung gegen Demenz diskutiert. Denn: „Auch das Gehirn ist hormonabhängig.“

Neben dem rein Körperlichen hält der Gynäkologe eine Hormonersatztherapie in den Wechseljahren auch für die seelische Verfassung der Frau für wichtig. Wenn die Patientin sich unwohl fühle und schlecht schlafe, leide die Lebensqualität – „und in der Folge das Immunsystem“. Ebenso sei nicht zu unterschätzen, wie belastend es für eine Partnerschaft sein kann, wenn die Lust auf körperliche Nähe schwindet. Eheprobleme (und deren Konsequenzen) seien mögliche Folgen.

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Bei vielen Frauen seien Depressionen in den Wechseljahren sehr ausgeprägt, weiß Dr. Klinghammer. Nicht immer ahnten die Betroffenen jedoch, dass ihre Symptome mit den Hormonveränderungen aufgrund der Wechseljahre zusammenhängen. Laut Dr. Klinghammer sei es nicht unüblich, dass sie sich zunächst an ihren Hausarzt wenden oder in psychologische Betreuung begeben. Dabei könnten der Gynäkologe und eine Hormonersatztherapie in den Wechseljahren helfen.

Zu den möglichen Nachteilen einer Hormonersatztherapie können Unverträglichkeitsreaktionen gehören. Auch bekomme manchen Patientinnen die Anwendung schlichtweg nicht.

Diskussion um Hormoneinsatz und Krebsgefahr

Ein etwaiger Zusammenhang zwischen einer Hormonersatztherapie in den Wechseljahren und dem Auftreten gynäkologischer Tumore beschäftigt die Wissenschaft seit Jahrzehnten. Erstmals 2002 hatte die Zwischenanalyse einer großen US-amerikanischen Studie zu einem deutlichen Sinken der Verordnungszahlen geführt. Laut Dr. Klinghammer haben die Verantwortlichen sich von ihrer Untersuchung und den vermeintlichen Rückschlüssen inzwischen öffentlich distanziert. Und doch wollen in den Folgejahren verschiedene Beobachtungsstudien eine erhöhte Erkrankungsrate bei Hormon-Einnehmerinnen belegen.

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Daraufhin kam es zu einer Trendwende. Forscher schienen vermehrt geografische Faktoren für die Wahrscheinlichkeit von Brustkrebs zu erkennen. Beispielsweise wurden innerhalb Deutschlands mehr Fälle in Schleswig-Holstein gezählt als etwa im Saarland – unabhängig von einer etwaigen Hormonanwendung.

„Aus epidemiologischen Daten lassen sich keine eindeutigen Ursache-Wirkung-Beziehungen ableiten“ – so die Schlussfolgerung der US-Biostatistiker Donald A. Berry und Peter M. Ravdin mit Blick auf das SEER-Register, in der Krebsinzidenz- und Verlaufszahlen aus den USA gesammelt sind. Weitere Details dazu sind beim „Ärzteblatt“ nachzulesen.

Verschiedene Faktoren – und Ansichten

Neuere Untersuchungen sprechen wiederum eine andere Sprache. So heißt es in einem kürzlich im Fachjournal „The Lancet“ erschienen Artikel, „dass Frauen, die mit einer Hormontherapie in den Wechseljahren begonnen haben, im Vergleich zu Nie-Anwendern ein signifikant erhöhtes Risiko für die Entstehung von invasivem Brustkrebs hatten“. Die Verantwortlichen berufen sich dabei auf die Datenlage aus 58 Beobachtungsstudien.

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Dr. Klinghammer will dies nur eingeschränkt bestätigen. Nicht auszuschließen sei, dass die zugeführten Hormone eine etwaige Krebsentwicklung beschleunigen könnte, sofern eine entsprechende Veranlagung besteht. „Es ist in jedem Fall wichtig, regelmäßig die Brust und den Unterleib zu untersuchen und auf krankhafte Veränderungen zu kontrollieren“, fasst er zusammen, „etwa alle sechs Monate.“

Für wen eignet sich eine Hormonersatztherapie in den Wechseljahren?

Dr. Klinghammer empfiehlt sie Frauen, die der Sache positiv gegenüberstehen. Die Einstellung sei für den Therapieerfolg das A und O. Und natürlich sei eine Hormonersatztherapie nur dann nötig, wenn die Patientinnen unter menopausalen Beschwerden leiden.

Bedeutung des „frühen Fensters“

Sollte eine Frau sich für eine Hormonersatztherapie entscheiden, dann bitte so zeitig wie möglich, betont Dr. Klinghammer. Wenn man im sogenannten „frühen Fenster“ mit der Behandlung beginne, also zu einem möglichst frühen Zeitpunkt der Menopause, erziele man die besten Ergebnisse. Wie der Arzt berichtet, fangen bei manchen Frauen die Wechseljahre mit 40 und bei anderen erst mit 55 an – ein „frühes Fenster“ von allgemeiner Gültigkeit gebe es also nicht. Stellt eine Patientin eine auffällige Unregelmäßigkeit oder gar das Ausbleiben ihre Periode fest, gelte es, den Verdacht auf ein Einsetzen der Wechseljahre per Hormonuntersuchung zu überprüfen.

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Wechseljahre-Therapie ohne Hormone

Eine hormonfreie Therapie ist weniger effektiv, kann bei einigen Patientinnen aber bereits Beschwerden lindern. Auch dabei ist die mentale Einstellung von großer Bedeutung. Achten Sie auf einen bewussten Lebenswandel, eine ausgewogene und vitaminreiche Ernährung, ausreichend Bewegung und seelisches Gleichgewicht. Stress tut nicht gut!

Znter den pflanzlichen Alternativen gilt die Traubensilberkerze als am wirksamsten und am besten erforscht. Anders als bspw. umstrittene Phytoöstrogene aus Soja, die im Verdacht stehen, in den Hormonhaushalt der Anwenderin einzugreifen, sind über den Extrakt der Traubensilberkerzen keine ungewünschten Nebenwirkungen bekannt.

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Auf Ihrer Suche nach einer hormonfreien Wechseljahre-Therapie könnten Sie neben Soja- auch auf Rotkleeprodukte stoßen. Diese sind jedoch als Nahrungsergänzungsmittel klassifiziert und auf ihre Wirksam- und Verträglichkeit im Fokus auf eine Menopause-Therapie noch nicht in Studien überprüft worden.