15 Prozent aller Frauen betroffen

Was Endometriose ist – und wie man sie behandeln kann

Frau, die sich den schmerzenden Bauch hält
Bei manchen an Endometriose erkrankten Frauen sind die Beschwerden während der Periode so heftig, dass sie starke Schmerzmittel einnehmen müssen
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„Endometriose“ – in den vergangenen Jahren tauchte die Krankheit vermehrt in den Medien auf, Prominente berichteten öffentlich von ihrem Leidensweg. Was sich in vielen Fällen mit starken Menstruationsschmerzen bemerkbar macht, kann im schlimmsten Fall der Grund für einen unerfüllten Kinderwunsch sein. STYLEBOOK erklärt, was bei der gynäkologischen Erkrankung im Unterleib passiert und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Wussten Sie schon, was Endometriose ist? Falls nicht, geht es Ihnen wie vielen Frauen – erstaunlich, wenn man bedenkt, wie verbreitet die Krankheit tatsächlich ist: Laut Informationen der Endometriose Vereinigung Deutschland sind rund 15 Prozent der weiblichen Bevölkerung betroffen. Und ein großer Teil von ihnen soll erst bei der Diagnosestellung überhaupt von der Existenz der Erkrankung erfahren haben. STYLEBOOK hat darüber mit der Wiener Frauenärztin Univ. Prof. Dr. Doris Maria Gruber gesprochen.

Was ist Endometriose?

Bei einer Endometriose kommt es außerhalb der Gebärmutterhöhle, teilweise bis in den Verdauungstrakt, zu Gewebswucherungen. Besonders häufig siedeln sich die entzündlichen Endometrioseherde und Zysten an den Eierstöcken an und ähneln hinsichtlich Struktur und Verhalten der Gebärmutterschleimhaut. Das bedeutet, dass das endometriale Gewebe abhängig vom Östrogenspiegel ist, sprich dass es mit dem Monatszyklus wächst und ebenso abgestoßen wird.

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Symptome und mögliche Folgen

Die Krankheit macht sich von Fall zu Fall und je nach Schwere unterschiedlich bemerkbar – und manchmal gar nicht. Je nach dem, wo genau die Endometrioseherde oder Zysten liegen, sind auch Blutungen aus Blase oder Darm möglich. Sie können vor allem vor und während der Periode sehr schmerzhaft sein, aber auch hormonunabhängig beispielsweise im Zuge frauenärztlicher Untersuchungen, beim Toilettengang und besonders beim und nach dem Sex auftreten. So ist es beispielsweise bei GNTM-Kandidatin Anna Wilken, die mit STYLEBOOK bereits sehr offen über ihre Endometrioseerkrankung gesprochen hat. Das Problem nur: Endometriose kann in der Regel nur durch eine Laparoskopie (oft Bauchspiegelung oder Schlüssellochtechnologie genannt) überhaupt festegestellt werden. Die Herde sind via Ultraschall, CT oder MRT nicht zu erkennen.

(Unerfüllter) Kinderwunsch bei Endometriose

In vielen Fällen erschwert Endometriose das Schwangerwerden oder macht sogar gänzlich unfruchtbar. Betroffene, die Mütter werden wollen, sind deshalb nicht selten auch Patientinnen der Reproduktionsmedizin. Laut Angaben der Endometriose Vereinigung Deutschland liegt ein unerfüllter Kinderwunsch bei 40 bis 60 Prozent der Frauen an den Folgen der Erkrankung. Es sei nicht bekannt, ob nur schwere oder auch leichtere Fälle von Endometriose die Fruchtbarkeit beeinflussen.

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Wie wird die Erkrankung behandelt?

Eine Endometriose muss nur dann behandelt werden, wenn Beschwerden bestehen bzw. wenn ein Kinderwunsch besteht.

Medikamentös

Für die extremen Beschwerden in Form ausgeprägter Unterbauch- und Rückenschmerzen verordnen viele Ärzte ihren Patientinnen besonders starke Schmerzmittel. Ferner wird oft versucht, mithilfe von Hormonpräparaten (z.B. bestimmte Antibabypillen) den Östrogenspiegel möglichst niedrig zu halten und somit die (Neu-)Entstehung bzw. Vergrößerung vorhandener Endometrioseherde zu verhindern. Gruber: „Manche Frauen werden per Spritze künstlich in die Wechseljahre versetzt, um die heftigen Hormonreaktionen zu unterdrücken.“

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Operativ

Die üblichste operative Methode, Endometriose zu behandeln, ist die Laparoskopie. Mittels einer Art Bauchspiegelung können die Zysten und Entzündungsherde lokalisiert und entfernt werden – idealerweise dauerhaft. Jedoch kommen sie bei rund der Hälfte der Patientinnen zurück und machen eine dauerhafte Behandlung nötig.

Ganzheitlich

Einige (heilpraktische) Behandler versuchen die Symptome zu lindern, indem sie das allgemeine Wohlbefinden verbessern, und verfolgen dabei einen ganzheitlichen Ansatz.

Frau beim Meditieren

Einigen Frauen sollen mit Meditation und Entspannungsübungen, etwa begleitend zu Osteopathie oder Akkupunktur, gute Erfahrungen gemacht haben
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Wer ist gefährdet, zu erkranken?

Es wird diskutiert, dass Endometriose oft genetisch veranlagt ist und im Zusammenhang mit Hormonschwankungen oder einem generell schwachen Immunsystem steht. Ansonsten sind Risikofaktoren nicht hinreichend wissenschaftlich geklärt. „Für gewöhnlich tritt die Krankheit erst im geschlechtsreifen Alter auf und besteht nur selten über die Wechseljahre hinaus“, fügt die Frauenärztin hinzu.