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Mit Aktivkohle gefärbt

Skurriler Food-Trend – wie gesund ist schwarzes Eis?

Danach lecken sich die Berliner die Finger: In verschiedenen Eisdielen der Stadt bekommt man neuerdings schwarzes Eis
Danach lecken sich die Berliner die Finger: In verschiedenen Eisdielen der Stadt bekommt man neuerdings schwarzes EisFoto: dpa picture alliance

In den USA und in Asien schon länger in aller Munde, ist rabenschwarzes Eis auch bei uns in Deutschland angekommen. Sieht giftig aus, soll aber das genaue Gegenteil sein: Den Kohlenstoff, dem der Food-Trend seine Farbe zu verdanken hat, kennt man schließlich aus einem Mittel gegen Magen-Darm-Probleme. Eine heilsame süße Sünde also? STYLEBOOK.de fragte beim Experten nach.

Das Auge isst mit. Umso erstaunlicher eigentlich, dass schwarze Lebensmittel aktuell immer beliebter werden – mega-appetitlich sehen sie ja nicht gerade aus. So schlecken auch Berliner diesen Sommer nicht mehr nur bonbonfarbenes Erdbeer- oder Pistazieneis, sondern pechschwarzes. Ein Trend, der aus den USA zu uns herübergeschmolzen ist.

Während Schwarzes oftmals in Richtung bitter geht – Lakritze etwa oder schwarze Oliven – schmeckt schwarzes Eis süß und sehr ähnlich wie Vanille. Hergestellt wird es aus Kokosflocken, Kokosmilch und Kokoscreme, gefärbt mit der verbrannten Kokosnussschale, die so zu Aktivkohle wurde. Nach dem Verzehr einen kleinen Spiegel-Check machen: Kohle färbt nämlich nicht nur das Eis, sondern auch Zunge und Lippen.

Lebensmittel werden schwarz

Schwarz gefärbte Lebensmittel sind uns immer mal wieder begegnet – etwa als Halloween-Aktion bestimmter Hersteller, nicht zuletzt kann man Aktivkohlepulver auch für den heimischen Gebrauch kaufen – aber nie so geballt, wie im Moment. So war kürzlich der „Gothic Latte“, schwarzer Kaffee im wörtlichen Sinn, für einige Wochen DER Hit im Netz. Auch in der herzhaften Küche findet Aktivkohle als Farbstoff Verwendung. So sind schwarze Burgerbrötchen gerade extrem en vogue, die sich nur optisch von ihrem weißen Vorgänger unterscheiden. Geschmack gibt der färbende Zusatz ja nicht ab.

Spricht nicht jeden an, schwarze Burgerbuns liegen aber im Trend
Spricht nicht jeden an, schwarze Burgerbuns liegen aber im TrendFoto: Getty Images

Spricht nicht jeden an, schwarze Burgerbuns liegen aber im Trend
Foto: Getty Images

Kohle als Arzneimittel

Angeblich soll schwarzes Eis nicht nur freaky aussehen, sondern sogar gesund sein. Man kennt Kohletabletten als Arznei bei Lebensmittelvergiftungen: Rechtzeitig eingenommen, binden Kohlenstoffpartikel Bakterien und Schadstoffe, die für das Unwohlsein verantwortlich sind, und transportieren sie ab. Sind mit Aktivkohle gefärbte Eiscreme, Pizza und Co. also gesundheitsförderlich, quasi Detox zum Naschen? Andererseits: Arzneimittel würde man ja auch nicht einfach so einnehmen…
Tatsächlich wird in einigen Medien vor mit Kohle geschwärzten Lebensmitteln gewarnt. Die adsorbierende Fähigkeit von Aktivkohle, die im Sinne der Entgiftung gewünscht ist, könne auf der anderen Seite dazu führen, dass andere Medikamente (beispielsweise die Anti-Baby-Pille) schlechter aufgenommen werden – deren Wirkstoffe werden schließlich ebenso durch die Kohlepartikel gebunden.

Ist schwarzes Eis nun gesund oder nicht?

STYLEBOOK.de wandte sich an den Frankfurter Gastro-Enterologen Dr. med. Andrei Mares. Er beschreibt Aktivkohle als „ein relativ veraltetes Mittel“ gegen Übelkeit, Erbrechen und Lebensmittelvergiftung – „um derartige Beschwerden zu lindern, gibt es inzwischen natürlich Wirksameres.“ Aktivkohle als Färbemittel über die Nahrung einzunehmen, bringe dem körperlichen Befinden keinerlei Effekt, weder in die positive noch in die negative Richtung. Im Übermaß können schwarz gefärbte Lebensmittel allerhöchstens zu Verstopfungen führen, erklärt der Experte. Bei allem anderen gibt der Mediziner Entwarnung: Um tatsächlich die Wirksamkeit von Medikamenten zu beeinflussen, sei in Lebensmitteln viel zu wenig Aktivkohle enthalten.

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Wie viel Kohle ist überhaupt drin?

Wir wollten es genauer wissen und fragten bei Falk Rahn nach, Gründer der  Berliner Eismanufakturen Vanille Marille und Black Poodle. Hier wird schon seit vielen Jahren schwarzes Eis angeboten. „Schon winzige Mengen genügen, um Lebensmittel einzufärben“, weiß Rahn aus jahrelanger Erfahrung. „Wir machen das nach Augenmaß. Für einen ganzen Kübel Eis sind es vielleicht zwei Esslöffel.“ Bei Black Poodle halte man sich streng an die Mengen, die für Aktivkohle als Farbstoff zugelassen ist, „sonst würde es ja schon in den medizinischen Bereich gehen.“

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Fazit zu schwarzem Eis

Schwarzes Eis kann man schlecken, muss man aber nicht. Wer einfach nur auf die düstere Farbe steht: Es gibt auch gaaaanz, gaaaanz dunkles Schokoladeneis.

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