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Frauengesundheit

Gynäkologin: »So unterschiedlich wirkt das Kuschelhormon Oxytocin

Paar kuschelnd im Bett
Das Kuschelhormon wird etwa freigesetzt, wenn man sich gegenseitig streicheltFoto: Getty Images

Geburt, Orgasmus, Stillen – Oxytocin spielt bei allem eine große und entscheidende Rolle. Doch was genau bewirkt das Hormon eigentlich? Und kann man einen Mangel oder ein Zuviel davon haben? STYLEBOOK fragte bei einer Fachärztin nach.

So wirkt Oxytocin bei Singles und Paaren

Wer glücklich verliebt ist, schüttet regelmäßig das Hormon Oxytocin aus, ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein. Das passiert ganz automatisch immer dann, wenn man sich einander nahekommt. Wenn der Partner oder die Partnerin einen zärtlich berührt, kurbelt das direkt die Oxytocin-Produktion an. In der Folge fühlen wir uns beseelt und glücklich – und dem Anderen sehr verbunden. Oxytocin hat deswegen auch viele Spitznamen, wie beispielsweise „Kuschelhormon“ oder „Liebeshormon.“

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Anders als bei Schilddrüsenhormonen oder dem Sexualhormon Östrogen, hat ein niedriger Oxytocin-Spiegel im Alltag keine unmittelbaren Auswirkungen. Wer möchte, kann das Hormon aber jederzeit ganz gezielt aktivieren. „Das Tolle ist, dass man Oxytocin auch dann freisetzt, wenn man sich selbst streichelt“, erklärt Dr. med. Mandy Mangler, Chefärztin für Gynäkologie und Geburtsmedizin am Berliner Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum. Durch eigene Berührungen und Selbstbefriedigung kann man also ganz leicht selbst dafür sorgen, dass das Feelgood-Hormon ausgeschüttet wird.

Gut für die Geburt und das Baby

Oxytocin spielt auch in der Schwangerschaft eine ganz bedeutende Rolle. Das Hormon löst die Geburtswehen aus. „Manchmal geben Ärzte den Frauen künstliches Oxytocin, um Wehen einzuleiten oder zu verstärken“, weiß Dr. med. Mandy Mangler. „Früher wurde es als Nasenspray verabreicht. Das hat sich aber nicht bewährt, weil es zu schwierig zu dosieren war. Heute spritzt man es.“

Nach der Geburt nimmt Oxytocin weitere, wichtige Funktionen ein. Auch dann ist Nähe und Körperkontakt ein entscheidender Faktor. Durch Kuscheln mit seinem Baby und beim Stillen setzt man das Hormon automatisch frei. Das regt zusätzlich die Brustdrüsen an und dadurch auch den Milchfluss. Im Idealfall entspannt das Hormon die Mutter und stärkt so das Band zwischen ihr und dem Kind. Oxytocin sorgt auch dafür, dass sich die Gebärmutter schneller wieder zurückzieht und starke Nachblutungen ausbleiben.

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Künstliches Oxytocin

In der Medizin kommt künstliches Oxytocin nur bei Geburten zum Einsatz. Man kann sich also nicht einfach mal eine Hormon-Spritze verschreiben lassen. Das hat gute Gründe. Dr. med. Mandy Mangler hat sich in einem Selbstversuch künstliches Oxytocin zugeführt und genau beobachtet, was dann passiert. „Ich war neugierig und wollte wissen, ob das in mir positive Gefühle auslöst“, erklärt die Chefärztin für Gynäkologie und Geburtsmedizin. Das Ergebnis war ernüchternd. „Ich habe lediglich einen schnelleren Herzschlag bekommen“, berichtet Mangler. „Die Theorie, dass ich mir Oxytocin spritze und dann sofort ein Orgasmus-Gefühl habe, ist also falsch. Es spielen einfach noch zu viele andere Faktoren und Botenstoffe im Körper eine Rolle, als dass es sich so einfach nachahmen ließe.“

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Männer reagieren auf Oxytocin etwas anders

Männer schütten genauso wie Frauen Oxytocin aus. Ein Forscherteam aus China und dem Universitätsklinikum Bonn hat 2016 jedoch herausgefunden, dass das Hormon bei Männern und Frauen unterschiedlich wirkt, wenn es um soziale Interaktion in einer Gruppe geht. Dazu hatte man in einer Testreihe den Probanden künstliches Oxytocin verabreicht. Das Ergebnis: Während sich die Frauen auf die positiven Eigenschaften ihres Gegenübers fokussierten und sich schnell in der Gruppe wohlfühlten, konzentrierten sich die Männer unter Einfluss des Hormons auf das Negative und nahmen die Anderen in der Gruppe als Bedrohung war.

Quellen

– mit fachlicher Beratung von Dr. med. Mandy Mangler, Chefärztin für Gynäkologie und Geburtsmedizin am Berliner Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum
Oxytocin: Männer mögen’s negativer als Frauen, Universitätsklinikum Bonn