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Meinung

Warum Menstruationsurlaub nicht die Lösung sein kann

Frau im Bett
Die Periode ist für viele Frauen eine extrem schmerzhafte AngelegenheitFoto: istock/martin-dimitrov

Spanien könnte mit einem Gesetzentwurf für Menstruationsurlaub zum Vorreiter in Europa werden. Demnach dürfen Frauen bei Regelschmerzen zu Hause bleiben – auf Staatskosten. Mit einem ärztlichen Attest soll der Extra-Urlaub beantragt werden können. Erst waren drei Tage pro Monat in der Diskussion, nun steht erst einmal keine zeitliche Begrenzung fest. Doch ist Menstruationsurlaub wirklich die Lösung? Unsere Redakteurin sieht das kritisch und hat einen anderen Vorschlag.

Sprache ist mächtig. Und falsch genutzte Bezeichnungen werden leicht zu Stigmata, die Frauen nicht so schnell wieder loswerden. Menstruationsurlaub wird zum Euphemismus. Und am Ende traut sich sowieso niemand, Periodenurlaub zu beantragen. Diese Annahme bestätigen Frauen in Japan, die vergleichbare Regelungen zu freien Tagen während der Menstruation bereits seit 1947 in Anspruch nehmen können. Doch laut der aktuellen Nikkei-Umfrage (März 2022) nutzen weniger als zehn Prozent der Frauen dort ihr Recht auf die extra freien Tage – Tendenz weiter sinkend. Die befragten Frauen gaben folgende Gründe an: Angst vor Jobverlust und Regelschmerzen als Grund für Nichterscheinen im Job als ein Zeichen für Schwäche. Und wer will schon als schwaches Geschlecht abgestempelt werden! Deshalb schleppen sich die meisten Frauen mit Unterleibsschmerzen wohl doch lieber ins Office. 

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Diskriminierung durch Menstruationsurlaub: Nachteile auf dem Arbeitsmarkt

Auf dem Arbeitsmarkt haben Frauen sowieso schon geschlechtsbezogene Nachteile. Viele Arbeitgeber kalkulieren hauptsächlich bei Frauen im gebärfähigen Alter automatisch Arbeitsausfälle durch Geburt und Betreuung von Kindern bei der Job-Vergabe mit ein. Nicht selten ziehen Frauen deshalb bei der Kandidatenwahl den kürzeren. Wenn dazu ein gesetzlich festgeschriebener Anspruch auf extra Urlaubstage kommen würde, werden Frauen für manche Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber noch unattraktiver als Männer – ohne Regelausfall. Trotzdem gehört die Menstruation als körperliche Funktion zu jeder Frau dazu. Was ist also die Lösung? Mehr Empathie und ein offenerer Umgang mit Menstruation und Regelschmerzen! 

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Periodenurlaub? Sicher nicht auf Balkonien!

Was schon lange feststeht: Das Thema Menstruation muss raus aus der Tabuzone. Und allein dafür ist die Diskussion rund um Periodenurlaub von Vorteil. Menstruationsschmerzen sind weitverbreitet. Die meisten Frauen und Mädchen sind während der Periode beeinträchtigt. Mindestens 10 von 100 Betroffenen leiden so stark unter der Regel oder auch unter prämenstruellen Beschwerden, dass sie alltäglichen Dingen nicht mehr nachgehen können. Meistens sind Regelschmerzen bei Frauen unter 20 Jahren stärker als bei älteren Frauen ausgeprägt. Und manchmal lassen die monatlichen Schmerzen nach der Geburt von Kindern etwas nach.

Doch die Periode gehört als signifikanter Teil zum Leben jeder Frau. Sie ist nichts Schmutziges, sondern natürlich und kommt mit mehr oder weniger Unterleibskrämpfen jeden Monat. Und das dürfen auch Männer in der Arbeitswelt wissen. Doch die Vorstellung, dass Frauen dafür extra Urlaubstage geschenkt bekommen ist grundlegend falsch. Diese Tage werden nicht Kaffee schlürfend auf dem Balkon verbracht, sondern oftmals mit Wärmflasche und Ibuprofen im Bett. Bei manchen Frauen sind die Schmerzen sogar so belastend, dass eine psychologische Schmerztherapie verschrieben wird. Kein Wunder, dass Frauen in dieser Zeit oft weniger produktiv sind. Und das schafft Periodenurlaub: Die Diskussion rückt die weibliche Menstruation mehr in den Fokus und kreiert ein Bewusstsein dafür, dass Regelschmerzen den Alltag vieler Frauen grundlegend beeinträchtigen.

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Eine „menstruationsfreundliche“ Arbeitsumgebung? 

Ein erster, diskussionswürdiger Ansatz wäre: Den Begriff Periodenurlaub in Zusatz-Krankentage umzuschreiben, um mögliche Stigmatisierung von Frauen in der Arbeitswelt zu umgehen. Zudem müssen Arbeitgeber für Regelschmerzen sensibilisiert werden oder gar eine „menstruationsfreundliche“ Arbeitsumgebung schaffen. Wie wäre es mit Tampons, Binden und schmerzlindernden Maßnahmen wie Wärmeauflagen und Ibuprofen for free am Arbeitsplatz, mit zusätzlichen Ruhepausen durch Yoga- und Meditations-Einheiten oder verbindlichen Home-Office-Möglichkeiten? In Schweden setzen fortschrittliche Unternehmen bereits seit ein paar Jahren neue Ideen um, den weiblichen Zyklus in die Arbeitswelt zu integrieren. So werden zum Beispiel beim App-Unternehmen Forza Football alle Frauen dabei unterstützt, die Zeiten ihrer Periode sowie Symptome öffentlich zu teilen. Also: Lasst uns weiter (öffentlich) über Menstruation sprechen!

Quellen

Spanien: Kabinett beschließt Menstruationsurlaub – Fluch oder Segen?, Deutsche Welle
Nikkei-Umfrage zu Menstruation im Kontext der Arbeitswelt (März 2022)
How to create a period-friendly workplace, BBC

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