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Gynäkologin gibt Antworten

Brustkrebs in der Schwangerschaft – was bedeutet das fürs Baby?

Frau hält vorm Bauch ein Tablet, das eine Röntgenaufnahme eines Babys zeigt
Chemotherapien während der Schwangerschaft können dem Baby schadenFoto: Getty Images

Brustkrebs kann jeden treffen – auch Schwangere. Ist eine Chemotherapie dann überhaupt möglich? Und was ist, wenn Frauen erst noch schwanger werden wollen? Kann eine Brustkrebsbehandlung unfruchtbar machen? STYLEBOOK sprach darüber mit einer Fachärztin

Brustkrebs in der Schwangerschaft – Chemotherapien können dem Baby schaden

Für die meisten Frauen ist es die schönste Zeit, wenn Leben in ihnen heranwächst. Doch leider bietet Schwangerschaft keinen Schutz vor Brustkrebs. „Das ist natürlich eine sehr schwere Situation für die Frauen. Sie erwarten ein Baby und haben zugleich Krebs“, sagt Dr. med. Mandy Mangler, Chefärztin für Gynäkologie und Geburtsmedizin am Berliner Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum. „Entdeckt man den Krebs in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten, kann man keine Chemotherapie einleiten, weil das Baby sonst Fehlbildungen entwickeln könnte. Man würde in so einem Fall mit der Frau besprechen, ob die Schwangerschaft beendet werden sollte, damit sie sich um die Therapie des Tumors kümmern kann.“

Oft passiert es aber, dass der Tumor erst später entdeckt wird. „Ist die Frau bereits im fünften oder sechsten Monat schwanger, muss man individuell klären, ob sie trotz Baby eine Chemotherapie bekommt“, sagt Dr. Mandy Mangler. „Es gibt Chemotherapeutika, die während einer fortgeschrittenen Schwangerschaft verabreicht werden können, um den Tumor zu schrumpfen oder ganz zu bekämpfen. Meistens bleiben Schäden fürs Kind aus. Alternativ kann man das Baby früher als vor dem eigentlichen Geburtstermin herausholen, damit man den Krebs der Frau behandeln kann.“ Das sind schwierige Entscheidungen. Was für Mutter und Baby das Richtige ist, wird gemeinsam mit dem Arzt bzw. der Ärztin besprochen.

Stillen während einer Chemotherapie

Meist ist bei Brustkrebs nur eine Brust betroffen. Das bedeutet, dass man sein Baby weiterhin an der anderen Brust stillen kann. „Wenn man eine Chemotherapie bekommt, geht über die Muttermilch auch etwas Chemotherapeutikum ins Baby über“, erklärt die Gynäkologin. „Das hat meistens keine Auswirkungen für das Baby. Es kommt aber aufs Chemotherapeutikum an und Frauen sollten sich vorher beraten lassen.“ Betroffene können auch auf Embrytox nachschauen. Auf der Website gibt man den Namen eines Medikaments ein und erfährt anhand aktueller Studienlagen, ob Risiken fürs Kind bestehen.

Man kann sein Baby theoretisch auch mit einer operierten Brust stillen. „Da kommt es aber darauf an, wo in der Brust sich der Tumor befunden hat“, sagt Dr. Mandy Mangler. „Wenn der Tumor genau an der Brustwarze lag, kann es mit dem Stillen schwierig werden. Die Brust bildet nach einer Operation Narben und die Milch kann dadurch manchmal schwerer fließen.“

Chemotherapien können unfruchtbar machen

Brustkrebs kann einen auch treffen, wenn man mit der Familienplanung noch gar nicht angefangen oder sie noch nicht abgeschlossen hat. „Bestimmte Brustkrebsbehandlungen können leider unfruchtbar machen“, sagt Dr. Mandy Mangler. „Wenn eine Brust nach einer Operation bestrahlt werden muss, wirkt sich das nicht auf die Fruchtbarkeit aus. Bei einer Chemotherapie sieht das leider anders aus.“ Chemotherapeutika sind Gifte, die sich auch auf die gesunden Zellen auswirken, und damit auch auf den Eierstock. „Einige Chemotherapien zerstören den Eierstock vollständig, bei Betroffenen tritt die Menopause dann früher ein“, sagt die Gynäkologin. „Manche Chemotherapien schädigen den Eierstock nur vorübergehend. Nach Ende der Chemotherapie kommt die Menstruation normalerweise wieder. Daran lässt sich ablesen, wie gut die Eierstock-Funktion noch ist.“

Es ist also wichtig, sich genau beraten zu lassen, welches Chemotherapeutikum man bekommt und wie sich das auf die Fruchtbarkeit auswirken kann. Doch selbst wenn man nach der Behandlung nicht mehr auf natürlichem Wege schwanger werden kann, heißt das nicht, dass der Kinderwunsch nicht trotzdem noch wahr werden kann. Seit dem 1. Juli 2021 übernehmen die Krankenkassen für Frauen bis zu einem Alter von 40 Jahren die Kosten für das Einfrieren und Lagern von Eizellen. 

In unserem Themenspecial anlässlich des Brustkrebs-Awareness-Months finden Sie weitere Informationen rund um die Krankheit – hier klicken!

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