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Aus Solidarität

Nach Tod von Mahsa Amini – Frauen in Iran schneiden sich die Haare ab 

Tod von Miash Amini sorgt für weltweiten Protest
Der Tod von Masah Amini sorgt für weltweiten Protest – hier zu sehen in der TürkeiFoto: Getty Images

Seit Tagen protestieren Menschen, insbesondere Frauen, in Iran gegen das Regime. Auslöser ist der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini am 13. September, nachdem die Polizei sie wegen ihrer „unislamischen“ Kleidung festgenommen hatte. STYLEBOOK fasst die Lage zusammen.

Frauen werden im Iran seit der Revolution im Jahr 1979 systematisch unterdrückt. Neuester Fall, der international für Aufsehen sorgt: der Tod von Mahsa Amini. Die 22-Jährige war am 13. September während eines Familienbesuchs in Teheran von der Sitten- und Religionspolizei wegen ihrer „unislamischen“ Kleidung festgenommen worden. Auf der Wache wurde sie nach offizieller Darstellung der Polizei ohnmächtig und fiel daraufhin ins Koma. Kurz danach wurde ihr Tod bestätigt. Diese Version ist jedoch umstritten. Aus Protest zünden Frauen in Teheran, der Hauptstadt des Irans, nun ihre Kopftücher publik an und schneiden in den sozialen Medien mit Haushaltsscheren ihre Haare ab.

Grund der Festnahme von Mahsa Amini

Mahsa Amini wurde von der Polizei wegen „des Tragens unislamischer Kleidung“ festgenommen und auf die Wache gebracht. Es gibt jedoch auch eine andere Version: Mehrere Medien nennen als Grund, dass unter ihrem Kopftuch Haarsträhnen zu sehen gewesen seien. Auf der Wache jedenfalls sollte sie den Polizeiangaben zufolge über die islamischen Kleidervorschriften unterrichtet werden.

Seit der Islamischen Revolution im Jahr 1979 gilt im Iran die Scharia, ein auf dem Koran basierendes Rechtssystem – mit drakonischen Strafen wie das Abschlagen einer Hand für Diebstahl, die Steinigung für Ehebruch sowie die Todesstrafe für Homosexualität oder die Abkehr vom Islam. Auch gelten strenge Kleidungsvorschriften. Aber insbesondere in den Metropolen wie Teheran sehen viele Frauen die Regeln inzwischen eher locker – zum Ärger der Politik. Die Regierung unter dem erzkonservativen Präsident Ebrahim Raisi versucht seit Monaten, die islamischen Gesetze strenger umzusetzen. Die sogenannte „Sittenpolizei“ setzt dabei die Kleidungsvorschriften teils auch mit Gewalt durch.

Wie kam es zum Tod von Mahsa Amini?

Ein im iranischen Staatsfernsehen ausgestrahltes Überwachungsvideo des Polizeireviers zeigt, wie eine Frau nach einem Gespräch mit einer Polizistin zusammenbricht. Allerdings bleiben die genauen Umstände von Aminis Tod weiterhin unklar.

Die iranische Polizei erklärte, es habe keinerlei „körperlichen Kontakt“ zwischen ihr und den Polizeibeamten gegeben. Laut dem Sender „1500tavsir“ hingegen, der über Menschenrechtsverstöße im Iran berichtet, soll Amini einen Schlag auf den Kopf erlitten haben, als sie bei der Festnahme im Polizeiauto gegen die Scheibe geschlagen worden sei. Infolgedessen soll es zu einer Hirnblutung gekommen sein. Für die Version einer Gewaltausübung spricht auch, dass auf dem Bild der Leiche Hämatome und Verletzungen im Gesicht deutlich sichtbar sind.

Die Polizei weist jedoch vehement jegliche Schuld am Tod der jungen Frau von sich. „Es ist gesetzlich nun mal unsere Aufgabe, Frauen an die Kleidervorschriften zu erinnern“, sagte der Polizeichef Teherans, Hussein Rahimi, nach Angaben einer iranischen Nachrichtenagentur. „Was sie zu Hause tragen, ist ihre Sache, aber nicht in der Öffentlichkeit“. Der Frau sei kein Haar gekrümmt worden.

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Iranerinnen schneiden sich aus Protest die Haare ab

Der Tod von Mahsa Amini führte zu einer Protestwelle im Land. Auf Demonstrationen und auch bei der Beisetzung nahmen Frauen symbolisch den Hidschāb ab, manche verbrannten ihn auch. Zudem posten Iranerinnen Videos in sozialen Netzwerken, in denen sie sich aus Protest die Haare abschneiden oder gar abrasieren, darunter auch Prominente wie die Schauspielerin Anahita Hemmati.

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„Haare haben in unserem Kulturkreis eine sehr große Bedeutung“, sagte Düzen Tekkal „Vogue“. Sie ist deutsche Journalistin, Trägerin des Bundesverdienstkreuzes und engagiert sich mit ihrer Organisation HÁWAR.help für Frauenrechte, besonders in muslimisch geprägten Ländern.

Düzen Tekkal war auch eine der ersten Journalistinnen, die in Deutschland auf ihrem Instagram-Account über den Tod von Mahsa Amini berichtete. Das öffentliche Abschneiden der Haare sieht Tekkal „als starke Geste, die aus mehreren Ebenen besteht“. Einerseits zeigten sich die Frauen öffentlich im Internet ohne Kopftuch, zusätzlich würden sie sich das Haar schneiden, was ein Zeichen von Trauer sei. „Bei den Kurden ist es üblich, das eigene Haar auf das Grab einer verstorbenen Person zu legen als Akt des Trauerns. Es ist in dem Fall aber auch eine Geste der Selbstbestimmung, der Rebellion und des Protests.“

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Widerstand der Iranerinnen hat eine lange Geschichte

Im März 1979, nur kurz nach der Islamischen Revolution, beginnt die Geschichte des Widerstands der Frauen im Iran. Nachdem Ajatollah Khomeini die Macht übernommen und Frauen zum Tragen des Hidschāb (eine Art des Kopftuchs) verpflichtete, gingen sie zu Zehntausenden auf die Straßen – ohne Kopfbekleidung. Die Bestrafungen bei Missachtung des Gesetzes, ein Kopftuch zu tragen, sind auch heute noch mitunter brutal.

Quellen

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