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„No Poo“-Trend im Check

Haare waschen ohne Shampoo – ist das gesund?

Blonde Frau vor bunter Wand
Sinnvoll oder eklig? Der Beauty-Trend „No Poo" hat nichts mit Haarpflege-Produkten zu tun. Ganz im Gegenteil: Es wird komplett auf Shampoo & Co verzichtet.Foto: Getty Images

Shampoo? Bitte nicht! Der Naturhaartrend „No Poo“ fordert den kompletten Verzicht auf Haarshampoo, Conditioner und andere Pflegemittel fürs Haar. Wie lange die Umstellung dauert, für wen sich der Trend eignet und welche Vorteile „No Poo“ für unser Haar hat – Experten geben Antworten.

Erstmal klingt es ganz schön eklig: Anhänger des „No-Poo“-Trends benutzen kein Shampoo mehr. Auch Pflegespülung und Kuren kommen ihnen nicht ins Haar. Auf den ersten Blick mag das gewöhnungsbedürftig sein – bei näherem Hinsehen findet man aber durchaus gute Gründe für den Verzicht.

Was sind die Vorteile von „No Poo“?

Haare machen heute jede Menge mit. Sie werden gefärbt, geglättet, getönt und vor allem – fast jeden Tag gewaschen. Die Kölner Dermatologin Uta Schlossberger kennt die Probleme, die durch moderne Pflegerituale entstehen können:  „Konventionelle Shampoos enthalten viele künstliche Inhaltsstoffe, die unsere Kopfhaut irritieren oder sogar nachhaltig schädigen können.“ Synthetische Parfümstoffe etwa können Allergien auslösen. Tenside beeinflussen manchmal den pH-Wert der Kopfhaut. Der absurde Effekt: Die Haare fetten umso schneller nach, je öfter man sie wäscht. Der „No-Poo“-Trend setzt genau da an. Durch den bewussten Verzicht auf gängige Pflegemittel soll das Haar wieder in seinen natürlichen Zustand versetzt werden.

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Hausmittel statt Shampoo und Spülung

Es gibt verschiedene Formen des „No Poo“. Die radikalste: Das Haar wird ausschließlich mit Wasser gewaschen und danach ausgebürstet. Das Wasser soll das Haar von Schmutz und überschüssigem Talg befreien, durch das anschließende Bürsten wird dieser Talg dann in die Spitzen der Haare transportiert.

Wer es nicht ganz so radikal mag, solle auf Hausmittel zurückgreifen wie Dr. Schlossberger verrät. Sie schlägt einen kleinen Fahrplan für „No Poo“-Neulinge vor: „Nach ein paar Tagen mit Wäsche nur mit Wasser benutzt man Backpulver, das die Kopfhaut durch das enthaltene Natron ganz natürlich reinigt.“ Wer mag, kann die Haarspülung durch Apfelessig ersetzen, der die Haare weich und geschmeidig macht. Dafür wird verdünnter Apfelessig über die Haare gegeben. Aber Achtung: Vor allem bei der Wäsche, aber auch danach, riecht Essig sehr stark. Also unbedingt auf ausreichende Verdünnung achten.

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Wie lange dauert die Umstellung auf „No Poo“?

Umzusetzen ist der Verzicht auf Shampoo also ganz einfach – das heißt aber nicht, dass es einem leicht fällt. Vor allem die ersten Wochen sind eine echte Belastungsprobe. Nicht nur, weil man das gewohnte Pflegeritual vermisst, sondern auch, weil sich das Haar erst einmal umstellen muss. Die Kopfhaut produziert häufig deutlich mehr Talg, was die Haare fettig aussehen lässt. Hinzu kommt eine unschöne Schüppchenbildung. Diese Umgewöhnungsphase kann dabei von einem Monat bis zu einem halben Jahr dauern.

Für wen sich „No Poo“ nicht eignet

„No Poo“ ist nicht für jeden geeignet wie der Hamburger Dermatologe Frank-Matthias Schaart zu bedenken gibt. Manche Menschen neigen zu Kopfschuppen und gereizter Kopfhaut. „Liegt eine Veranlagung zu diesem sogenannten seborrhoischen Ekzem vor, ist die Anwendung eines medizinischen Shampoos mit einer Anti-Pilz-Substanz unbedingt erforderlich“, betont der Spezialist für Haarprobleme. Wer diese wichtige Behandlung weglässt, riskiert eine massiv juckende Schuppenkruste auf der Kopfhaut, die nach und nach zu Haarausfall führt.

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