Cleansing Reduction

Ist es ungesund, wenig zu duschen?

Immer mehr Menschen hören auf, sich zu waschen. Wie bitte? Richtig gehört! Das nennt sich „Cleansing Reduction“, ist der letzte Beauty-Schrei und angeblich nicht nur für die Kopfhaut super gesund. STYLEBOOK wollte wissen, wie sinnvoll der Anti-Hygiene-Wahn tatsächlich ist, und holte sich Tipps von einer Expertin.

Frau in Dusche
Wie oft sollte man duschen? Möglichst selten – finden zumindest „Cleansing Reduction“-Anhänger. Was ist dran an der neuen Beauty-Bewegung? Wir haben bei einem Experten nachgefragt.
Foto: Getty Images

Haben Sie schon von „Cleansing Reduction“ gehört? Das heißt „sich weniger waschen“, in England und den USA ist das schon länger eine richtige Bewegung. Übrigens nicht der Umwelt zuliebe – sondern um Haut und Haar zu schützen. Außerdem sollen kleine Bakterien nicht abgespült werden, die gut gegen Krankheitserreger sind.

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STYLEBOOK wollte wissen: Sind Wasser, Duschgel, Shampoo & Co. tatsächlich ungesund für Haut und Haare? Wir fragten bei der Münchner Dermatologin Dr. med. Sabine Zenker nach.

Wie oft duschen?

Dr. Zenker sieht das anders. „Gerade in Sachen Gesundheit steht Hygiene ganz oben“, sagt sie. Grundsätzlich darf jeder Mensch so oft und lange duschen, wie er gerne möchte. Wenn er danach das Gefühl hat, seine Haut spannt, könnte das Wasser möglicherweise zu heiß gewesen sein, „oder es wurde zu viel Seife benutzt“, so Dr. Zenker. Menschen mit trockener Haut rät die Dermatologin also lediglich zu einem sparsamen Umgang mit Reinigungsprodukten. An den Stellen, an denen es wirklich nötig ist – unter den Achseln, an den Füßen usw. – sind Duschöle besser geeignet, da die im Gegensatz zu Seife zusätzlich zum Reinigen auch fetten. Wem das noch nicht reicht, kann im Anschluss eine geeignete Pflege benutzen.

Ist Haare waschen schädlich?

„Wenn man täglich mit Kernseife darauf losgeht, bestimmt“, meint Dr. Zenker. Den idealen Wasch-Rhythmus muss jeder Mensch für sich selbst herausfinden. Aber: „Solange auf haartypgerechte Pflege geachtet wird, ist auch gegen die tägliche Haarwäsche nichts zu sagen.“ Apropos Pflege: Keine Angst vor Shampoos aus dem Supermarkt! Sie sind nicht unbedingt schlechter als die teuren aus dem Fachhandel, bestätigt die Expertin. Grundsätzlich könne jeder es zunächst mit einem für seine Bedürfnisse ausgezeichneten Drogerie-Produkt probieren. Und wer schon nach einem halben Tag das Gefühl hat, sein Schopf sei wieder extrem fettig, sollte die Haarpflege nicht ein-, sondern umstellen – und unbedingt einmal einen Dermatologen aufsuchen. In krankhaften Fällen helfen manchmal nur medizinische Tinkturen oder Tabletten. Mit zu häufigen Haarwäschen hat so ein Problem aber nichts zu tun.

Vom neuerdings so beliebten Trockenshampoo hält Dr. Zenker wenig: „Es legt sich lediglich auf den Haarschaft, Schweiß oder Talgreste werden dabei wohl nicht von der Kopfhaut entfernt.“ Als Hygiene-Ersatz eignet es sich somit nicht, sondern eher als schneller Auffrischer für zwischendurch.

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Gesicht reinigen – ja oder nein?

Wir wissen: Die oberste Hautschicht, die äußeren Einflüssen direkt ausgesetzt ist, enthält Eiweiß und Fett. Die beiden Stoffe bilden eine Art Schutzschicht für die Epidermis, um zu verhindern, dass sie an Feuchtigkeit verliert. Wenn sie mit Wasser in Kontakt kommt, quillt die Haut auf und Feuchtigkeit verdampft. Aber darf man sich deshalb nicht mehr waschen? Dr. Zenker gibt Entwarnung: „Reinigung ist sehr wichtig, besonders abends“, um die Spuren des Tages, sprich Make-up, Schweiß und Talgrückstände, zu entfernen. „Dabei ist jedem selbst überlassen, ob er lieber ein Tonic oder Waschgel benutzen möchte.“ Die Produkte hinterher mit Wasser abzuspülen, ist völlig okay, auch zwei Mal am Tag. Entscheidend ist lediglich die Wahl des richtigen Produkts, damit die Haut nicht entweder austrocknet oder überpflegt wird.

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