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Experten-Interview

Alkohol in Kosmetik: Sinnvoll oder schädlich?

Alkohol in Kosmetik - was sagt ein Experte
STYLEBOOK sprach mit einem Experten, über Alkohol in KosmetikaFoto: Getty Images

In Ihrer Kosmetik kann sich ein sehr umstrittener Inhaltsstoff verstecken: Alkohol. Er trägt u.a. zu einer längeren Haltbarkeit der Produkte bei, allerdings kann er auch die Haut reizen und austrocknen. Wie schädlich Alkohol in Kosmetik ist, ob Sie ihn komplett vermeiden und worauf Sie bei Ihren Kosmetikprodukten achten sollten, verrät Ihnen hier ein Experte.

Was ist Alkohol?

„Alkohol ist der Oberbegriff für eine große und vielfältige Familie organischer und chemischer Verbindungen mit einer Vielzahl von Wirkungen auf die Haut“, weiß Dr. Clemens Fritsch, Facharzt für Dermatologie, Venerologie und Allergologie in Düsseldorf. Oft wird er vereinfacht als Ethanol (Weingeist, Ethylalkohol) bezeichnet und durch die Fermentation von Zucker oder Biomasse gewonnen. Er kann heutzutage in nahezu allen Kosmetikprodukten Anwendung finden, wie z.B. Make-up, Lotions, Parfum, Rasier- und Mundpflegeprodukte sowie Haut- und Haarpflegemittel.

Warum ist Alkohol in Ihrer Kosmetik?

„Alkohole werden in der Kosmetikindustrie sehr häufig eingesetzt, denn kaum ein anderer Stoff ist so zuverlässig in der Lage, Bakterien abzutöten und gleichzeitig Fett zu lösen“, weiß Dr. Fritsch. „Als Lösungsmittel für fettige und ölige Substanzen ist er vor allem deshalb so begehrt, da einige Pflanzenwirkstoffe nicht wasserlöslich sind. Somit ist Alkohol das gängigste Extraktionsmittel für Naturextrakte.“

Alkohol ist ein topischer Penetrationsverstärker. Das heißt, er hat die Eigenschaft, die Hautbarriere vorübergehend durchlässig zu machen. Dadurch ermöglicht er bestimmten Wirkstoffen, tiefer in die Haut einzudringen. Alkohol aufgrund seiner antibakteriellen Eigenschaften, die vor mikrobieller Verunreinigung schützt, auch oft zur Konservierung eines Produkts verwendet. Im Vergleich dazu sind chemische Konservierungsstoffe, wie Parabene, schlechter für die Haut, da sie auf der Haut verbleiben und dann vom Körper aufgenommen werden.

Sollte ich alle Produkte mit Alkohol vermeiden?

„Grundsätzlich ist vor allem die Dosis des Alkohols entscheidend. Da der genaue prozentuale Anteil von Alkohol in einem Produkt meist nicht ersichtlich ist, sollte man zumindest immer darauf achten, dass sie nicht im ersten Drittel des INCIS auf dem Beipackzettel auftauchen. Taucht er sogar unter den ersten fünf Inhaltsstoffen auf, lassen Sie besser die Finger davon. Denn es gilt die Faustregel: je weiter vorn in der Inhaltsstoffübersicht, desto höher die Konzentration“, klärt Dr. Fritsch auf.

Alkohol in großen Mengen zerstört die Talgschicht der Haut. Er hat hygroskopische Eigenschaften, das heißt, er entzieht der Haut Wasser, wodurch sie trocken und rissig wird. Diese Wirkung wird wiederum abgeschwächt, wenn er mit Wasser gemischt wird.

Alkoholhaltige Produkte können schnell zu einem Teufelskreis führen. Eine alkoholhaltige Creme, die für trockene Haut entwickelt wurde, trocknet die Haut noch mehr aus. Das führt dazu, dass man auf die trockene Haut noch mehr Creme aufträgt, was sie wiederum noch mehr austrocknet.
Ob Alkohol schlecht für die Haut ist oder nicht, hängt auch von der Art des verwendeten Alkohols und der Konzentration ab. Wenn der Alkoholgehalt 5 % oder weniger beträgt, hat er keine negativen Auswirkungen auf die Haut, da er beim Auftragen des Produkts auf die Haut vollständig verdunstet, wodurch die Gefahr einer Austrocknung der Haut ausgeschlossen wird.

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Welche Arten von Alkohol werden in der Kosmetik verwendet?

Grundsätzlich unterscheidet man in der Kosmetik zwischen guten Alkoholen, weil sie pflegend sind, und schlechten, weil sie die Haut austrocknen und reizen können. Leider sind nicht immer alle verwendeten Stoffe im INCIS (International Nomenclature Cosmetic Ingredients, Inhaltsstoffübersicht) zu finden. Sie sollten jedoch sehr aufmerksam sein, wenn Sie die Begriffe für schlechten Alkohol auf Ihrem Produkt finden.

Schlechte Alkohole in Kosmetik: Austrocknend und reizend

Warum werden schlechte Alkohole eingesetzt?

Schlechte Alkohole verleihen den Kosmetikprodukten ein kühlendes, erfrischendes Gefühl und werden daher oft in Tonern und Feuchtigkeitsgels verwendet. Auch werden sie in Produkten für fettige Haut und Mischhaut eingesetzt, wegen ihrer leichten Textur und mattierenden Wirkung.

Risiken der schlechten Alkohole

Schlechte Alkohole können den Hydrolipidfilm der Haut stören. Dadurch kann sie austrocknen und vermehrt zu Rötungen, Reizungen und Entzündungen neigen. Außerdem neigt sie dadurch zu frühzeitiger Faltenbildung.

Alkohol hemmt auch die Wirkung von Antioxidantien im Körper, wodurch die Haut anfälliger wird für freie Radikale, die unser Kollagengerüst schädigen und die Haut altern lassen. Im ungünstigsten Fall führt Alkohol zu Apoptose, das meint den programmierten Zelltod der gesunden Hautzellen.

Hauterkrankungen wie Neurodermitis und Akne werden durch Alkohol noch verschlimmert. Empfindliche Hauttypen sollten auf alkoholhaltige Produkte komplett verzichten.

Man unterscheidet zwischen den vergällten und den unvergällten Alkoholen. Vergällung ist gleichbedeutend mit Denaturierung. Es bedeutet, den Geruch, Geschmack oder das Aussehen einer Substanz zu verändern. Andere einwertige Alkohole oder Phthalate, werden zur Vergällung verschiedener Stoffe verwendet. Sie stehen im Verdacht, Unfruchtbarkeit und Diabetes zu begünstigen. Hier besteht die Gefahr, dass sie über die Haut aufgenommen werden können.


Begriffe für schlechte Alkohole

Ethanol (auch genannt Ethylalkohol), Methanol (auch genannt Methylalkohol oder SD Alkohol), Isopropylalkohol (auch bekannt als Franzbranntwein), Diethylphthalat, Alkohol denat. (vergällter Alkohol), oder Benzylalkohol gehören zu den schlechten Alkoholen.

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Gute Alkohole in Kosmetik: pflegend und feuchtigkeitsspendend

Was sind gute Alkohole?

„Mit gutem Alkohol sind diejenigen Alkoholarten gemeint, die hautpflegende Eigenschaften haben. Man spricht hier auch von Diolen. Sie unterscheiden sich von den schlechten Alkoholen durch ihre chemische Wertigkeit oder ihre Molekülgröße und werden grob in Zuckeralkohole und Fettalkohole unterteilt“, weiß Dr. Fritsch.

Vorteile und Begriffe der Zuckeralkohole

Gute Zuckeralkohole in Kosmetika sind z.B. Butylenglykol, Pentylenglykol, Propylene Glycol und Glycerine. Auch in höheren Konzentrationen pflegen sie die Haut, hydratisieren und helfen den Wirkstoffen, die Hautbarriere zu durchdringen. Glycerin ist zudem feuchtigkeitsbindend und verhindert das Austrocknen des Produktes.

Vorteile und Begriffe der Fettalkohole

„Diese Alkohole verdanken ihren Namen zum einen ihren rückfettenden Eigenschaften, zum anderen ihrem Ursprung, da sie aus pflanzlichen Fettsäuren gewonnen werden“, klärt Dr. Fritsch auf. Sie sind gut hautverträglich, biologisch abbaubar und haben pflegende, hautberuhigende und feuchtigkeitsspendende Eigenschaften. Außerdem sind sie feuchtigkeitsbindend und halten die Haut geschmeidig. Sie werden auch als Verdickungsmittel eingesetzt, vor allem bei der Herstellung von Emulsionen.

Gängige Fettalkohole sind z.B. Kokos- oder Palmöl. Auf der Inhaltsliste tauchen sie auf als Cetyl (Verdickungsmittel), Propylenglykol (Feuchthaltemittel, um Wasser in die Haut zu transportieren), Cetearylalkohol (Emulgator) und Stearyl (Weichmacher, um Feuchtigkeit zu binden).

Bedeutet alkoholfrei tatsächlich ohne Alkohol?

Kosmetische Produkte werden dann als „alkoholfrei“ deklariert, wenn sie keinen der schlechten, austrocknenden Alkohole enthalten. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass diese Kosmetika dennoch Alkohole enthalten können, und zwar die guten.

Fazit

„Es ist immer ratsam, sich mit den Inhaltsstoffen Ihrer Kosmetikprodukte auseinanderzusetzen und die Etiketten der Produkte zu lesen“, rät Dr. Fritsch. „Der erste Schritt besteht darin, festzustellen, welcher Alkohol in welcher Konzentration verwendet wird. Wenn Alkohol als zweiter Inhaltsstoff aufgeführt ist, bedeutet dies, dass das Produkt eine höhere Alkoholkonzentration enthält und für Menschen mit empfindlicher Haut nicht geeignet ist. Grundsätzlich sollte man versuchen, Produkte mit schlechtem Alkohol zu vermeiden. Es sei denn, man nutzt sie bewusst, um beispielsweise eine Infektion auszutrocknen. Wer viel Wert legt auf natürliche Inhaltsstoffe, möglichst ohne chemische Zusätze, der sollte konsequent auf zertifizierte Naturkosmetik zurückzugreifen.“

Quellen
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