Lilial ist als Zusatz in vielen Kosmetika enthalten – und dabei alles andere als unumstritten: Der Duftstoff steht in Verdacht, Hautreizungen und Allergien auslösen, in Labortests mit Mäusen zeigte sich zudem, dass Lilial die Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann. Doch wie berechtigt ist der Vorwurf und was sollten Verbraucher beachten? STYLEBOOK fragte beim Dermatologen nach.
Dass Lilial von der Kosmetikindustrie so gerne verwendet wird, hat einen Grund: Der synthetische Zusatz imitiert den milden und blumigen Duft von Maiglöckchen und Alpenveilchen – wohlriechende Pflanzen, aus denen sich bislang keine ätherischen Öle erzeugen lassen. Trotzdem gibt es auch Gegner. Wie gefährlich ist Lilial wirklich?
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Übersicht
Lilial steht in Verdacht, unfruchtbar zu machen
Lilial als Zusatz in Kosmetika bereitet vielen Chemikern, Umwelt- und Verbraucherschützern Sorge. Gelangt der Stoff, der auch in vielen Duschgels vorhanden ist, ins Abwasser, wandelt er sich in Lilial-Säure um und wird für Wasserorganismen zu purem Gift. In Tierversuchen wurde zudem festgestellt, dass Lilial die Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann. So war ab einer Konzentration von 50 Milligramm pro Kilogramm die Spermienproduktion von männlichen Ratten vollständig gestört, berichtet u.a. die „Apotheker Zeitung“. Bei weiblichen Ratten kam es zu Fehlbildungen von Embryonen sowie zu Totgeburten.
Wie gefährlich ist Lilial in der Creme?
In Cremes kann Lilial in geringen Dosen über die Haut aufgenommen werden. Wie weit jedoch tatsächlich eine Gesundheitsgefährdung besteht, ist fraglich. So schränkt auch der Münchner Dermatologe Dr. Timm Golüke ein: „Bislang ist noch nicht ausreichend geklärt, inwieweit sich das Ergebnis auf den Menschen eins zu eins übertragen lässt.“ Der Grund: Die Höhe der Substanzmenge, ab der potenzielle Schäden beim Menschen auftreten, ist unter Experten umstritten.
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Gefährliche Reaktionen durch Lilial
Wie viele andere synthetische Duftstoffe ist auch Lilial dafür bekannt, allergische Reaktionen auslösen zu können. Für rund eine Millionen Menschen, die in Deutschland unter einer Duftstoff-Allergie leiden, kann das weitreichende Folgen nach sich ziehen. „Eine Allergie zeigt sich durch Hautrötung und Jucken. Auch ein unangenehmes Brennen kann auf der Haut auftreten“, erklärt der Dermatologe. Dr. Golüke bezeichnet das als „eine lokale Unverträglichkeit“ und rät Betroffenen, das Produkt im Fall abzusetzen.
„Wer ein Hausmittel nehmen will, sollte die betroffene Stelle vorsichtig mit lauwarmen Wasser reinigen. Anschließend kann man ein rezeptfreies Hydrokortisol anwenden, alternativ kann auch eine ganz milde Pflegecreme aufgetragen werden, die duftstofffrei ist“, so der Mediziner. Sollte sich die Reaktion verschlimmern, rät er, einen Dermatologen aufzusuchen. Der könne kurzfristig eine rezeptpflichtige Cortisoncreme verschreiben.
Dabei hat der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) Lilial bereits als Allergen deklariert, EU-Experten bewerten die Substanz als äußerst kritisch – EU-weit müssen aktuell 26 bekannte Duftstoffe mit allergenem Potenzial auf der Verpackung eines Kosmetikprodukts angeführt werden.
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Wie kann Lilial als Zusatzstoff vermeiden?
Wer sich fragwürdige Duftstoffe wie Lilial sparen möchte, sollte immer die Inhaltsangaben auf der Verpackung checken – Lilial firmiert dabei unter dem Begriff „Butylphenyl Methylpropional“. Parfümierte Kosmetika und Putzmittel sollten Allergiker generell meiden. „Hat jemand bei einem Lilial-haltigen Produkt ein ungutes Gefühl, sollte er oder sie es ganz weglassen. Es gibt ausreichend gesunde Alternativen mit Duftstoffen, die einfach anders sind und weder dieses Allergiepotential noch die in den Tierversuchen gezeigte fruchtschädigende Wirkung haben“, erklärt Dr. Golüke im Gespräch mit STYLEBOOK.
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Auch natürliche Duftstoffe können Allergien auslösen
Ausgewiesene Naturkosmetikprodukte werden zwar kontrolliert und zertifiziert und enthalten prinzipiell keine synthetischen, sondern nur natürliche Essenzen, „aber auch natürliche Duftstoffe können eine Allergie auslösen, und zwar bei Menschen, die schnell zu einer Allergie neigen“, so der Dermatologe. So könne beispielsweise auch Teebaumöl eine allergische Reaktion hervorrufen. Es gilt demnach: Nicht nur, weil ein Stoff synthetisch hergestellt ist, ist das Potenzial, eine Allergie hervorzurufen, automatisch erhöht.
Quellen
– mit fachlicher Beratung von Dr. Timm Golüke, Dermatologe in München
– Gefährlicher Duft, Deutsche Apotheker Zeitung (veröffentlicht am 31.01.2019)
– Opinion on the safety Butylphenyl methylpropional (p- BMHCA) in cosmetic products – Submission II, Scientific Committee on Consumer Safety, European Commission