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Nachgefragt beim Dermatologen

Sind Enthaarungscremes eigentlich schädlich?

Frau trägt Enthaarungscreme auf
Enthaarungscreme verspricht eine gründliche und schmerzfreie Haarentfernung. Doch wie schädlich sind die enthaltenen Chemikalien? Foto: iStock/mingman

Keine Lust auf schmerzhaftes Epilieren oder Waxing? Enthaarungscremes versprechen, lästige Härchen schonend und schmerzfrei zu entfernen. Der Haken: Besagte Produkte enthalten jede Menge Chemie. Wie schädlich ist diese Enthaarungsmethode also? STYLEBOOK befragte einen Dermatologen zu Anwendung, Wirkung und Risiken von Enthaarungscremes.

So funktioniert Enthaarungscreme

Bei Enthaarungscremes handelt es sich um eine Art der chemischen Haarentfernung. Die in den Cremes enthaltenen Wirkstoffe Thioglykolsäure und Natriumhydroxid – auch bekannt als Natronlauge oder Ätznatron – reagieren bei Kontakt mit der Haut und bewirken eine Auflösung der Haare. Zunächst sorgt das Natriumhydroxid dafür, dass der natürliche Säureschutzmantel der Haut durchbrochen wird. Anschließend dringt die Thioglykolsäure in die Proteinstrukturen, das sogenannte Keratin, der Haare ein und greift diese an. Die Folge: Die Härchen zerfallen, und es bleibt eine geleeartige Masse zurück, die leicht mit einem Spatel abgeschabt und anschließend abgewaschen werden kann.

Wer schon einmal Enthaarungscreme benutzt hat, der dürfte den oftmals unangenehmen schwefeligen Geruch des Produkts kennen. In konzentrierter Form kann dieser sogar schädlich für die Atemwege sein. Laut Kosmetikmittelverordnung dürfen Enthaarungscremes jedoch nur bis zu 5 Prozent Thioglykolsäure enthalten, weshalb das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zu dem Schluss kommt, dass durch das Einatmen von Thioglykolsäure kein Risiko auf Reizung der Atemwege besteht. Nichtsdestotrotz sollte man sich darüber bewusst sein, dass es sich bei den Inhaltsstoffen von Enthaarungscremes um stark alkalische Substanzen handelt.

Ist Enthaarungscreme schädlich?

Auf Nachfrage von STYLEBOOK erklärt der Münchner Dermatologe Dr. Christoph Liebich, dass von Enthaarungscremes aus dermatologischer Sicht grundsätzlich keine Risiken ausgehen. Voraussetzung dafür sei natürlich die fachgerechte Anwendung der Produkte. So empfiehlt auch das Bundesinstitut für Risikobewertung in einer Stellungnahme, dass Enthaarungcremes immer entsprechend der Hinweise auf dem Beipackzettel anzuwenden seien. Außerdem sollte Enthaarungscreme niemals zu großflächig aufgetragen werden, da das Produkt darauf nicht ausgerichtet sei. Dabei stellt sich allerdings die Frage, wie dies bei größeren Körperarealen wie den Beinen umzusetzen ist. Bei nicht sachgerechter Anwendung drohen laut Untersuchungen des BfR „in seltenen Fällen leichte bis mittelschwere Hautreizungen“.

Dies bestätigt auch Dr. Liebich: „In vereinzelten Fällen kann es zu Hautreizungen kommen, auch Allergien sind grundsätzlich möglich.“ Die Regel seien solche Fälle aber nicht, weshalb der Dermatologe Enthaarungscremes als nicht bedenklich einstuft. Einzig Frauen mit sehr empfindlicher Haut oder Neurodermitis rät der Facharzt von der Anwendung entsprechender Produkte ab, da sie die Haut zu stark reizen könnten. Außerdem sei darauf zu achten, dass Enthaarungscremes nicht mit den Schleimhäuten in Berührung kommen, ergänzt der Experte.

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Die richtige Anwendung in drei Schritten

Vor der ersten Anwendung empfiehlt Dr. Liebich das Produkt zunächst auf einem kleinen Hautareal – etwa am Handgelenk oder in der Armbeuge – zu testen, um mögliche Unverträglichkeiten oder Kontaktallergien auszuschließen. Treten keine Beschwerden auf, kann die Enthaarungscreme angewendet werden:

  1. Zunächst trägt man das Produkt auf das saubere, trockene Hautareal auf und lässt sie einziehen. Die Dauer der Einwirkzeit variiert dabei von Hersteller zu Hersteller, deshalb immer den Beipackzettel lesen, um Hautirritationen zu vermeiden.
  2. Nach der Einwirkzeit (in der Regel zwischen 3-10 Minuten) wird die geleeartige Masse mit einem Spatel abgetragen, Cremerückstände gründlich mit Wasser abgewaschen.
  3. Im Anschluss an die Enthaarung sollte die Haut gepflegt werden. Dr. Liebich empfiehlt hierfür eine auf die eigenen Hautbedürfnisse angepasste Pflege – bei trockener Haut eher zu fettenden, mit Lipiden versetzten Cremes greifen, bei öliger Haut lieber auf leichte Substanzen setzen.

Anwendungsbereiche von Enthaarungscreme

Grundsätzlich seien laut Dr. Liebich alle Hautareale mit Enthaarungscreme behandelbar, dennoch ist es aufgrund der aggressiv wirkenden chemischen Inhaltsstoffe ratsam, Enthaarungscreme eher an unempfindlichen Körperstellen anzuwenden. So eignet sich die Anwendung etwa für die Beine oder Arme, je nach Empfindlichkeit der Haut auch für die Achseln. Bei der Anwendung im Intimbereich ist Vorsicht geboten – der Hinweis für eine entsprechende Anwendung sollte explizit vom Hersteller angegeben sein, andernfalls lieber zu einer anderen Enthaarungsmethode wie der Rasur oder dem Waxing greifen.

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Wie lange hält das Ergebnis?

Die Enthaarungscreme beschädigt die Haarwurzel und das umliegende Hautareal nicht – das heißt allerdings auch, dass Haare schnell wieder nachwachsen. Schon nach zwei bis drei Tagen zeigen sich wieder erste Stoppeln, die Haarentfernung mit Enthaarungscreme hält also nur minimal länger als eine klassische Rasur. Wem diese Ergebnisse zu kurzlebig sind, dem empfiehlt Dr. Liebich abschließend eine Methode für die dauerhafte Haarentfernung, etwa einerIPL-Laserbehandlung. Nur damit sei ständig nachwachsenden Härchen langfristig beizukommen.