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Foundation, Mascara, Liquid Lipstick

US-Studie findet Anzeichen schädlicher Substanzen in jedem zweiten Kosmetikprodukt

Lidschatten, Mascara und Pinsel auf buntem Hintergrund
Kosmetikprodukte sollten nicht der Gesundheit schaden – und schon gar nicht PFAs enthaltenFoto: Getty Images

Schminken ist für viele Frauen fester Bestandteil der täglichen Beauty-Routine. Doch was genau in der Kosmetik enthalten ist, die man sich auf die Haut pinselt, cremt und klopft? Das wissen wahrscheinlich nur die wenigsten. Eine neue US-Studie hat jetzt herausgefunden, dass wohl in jedem zweiten in Kanada und den USA verkauften Kosmetikprodukt PFAs stecken – Substanzen, die als krebserregend gelten und der Umwelt schaden.

Ob Mascara, Lippenstift oder Foundation: Wer ein neues Beauty-Produkt kauft, überprüft meist, ob sich die Konsistenz gut anfühlt, wie es riecht und ob es zum eigenen Hautton passt. Doch was ist mit den darin enthaltenen Inhaltsstoffen? Um die macht man sich meist keine Sorgen. Doch genau diese sollte man viel öfter hinterfragen, wie eine neue Studie aus den USA zeigt.

Für diese überprüften Wissenschaftler*innen der University of Notre Dame mehr als 230 in Kanada und den USA häufig verwendete Beauty-Produkte. Dabei fanden sie heraus, dass 56 Prozent aller Foundations und Augenprodukte, 48 Prozent aller Lippenprodukte und 47 Prozent aller Mascaras hohe Mengen an Fluor-Verbindungen enthielten. Das gilt als Indikator für PFAS, Industriechemikalien, die gesundheits- und umweltschädlich sind. Das Forscherteam analysierte deshalb 29 Produkte mit hohen Fluorkonzentrationen weiter. Das Ergebnis: Sie enthielten zwischen vier und 13 verschiedene PFAS-Chemikalien. Die höchsten PFAS-Gehalte wurden in wasserfester Wimperntusche (82 Prozent) und langhaftendem Lippenstift (62 Prozent) gefunden. Nur ein Kosmetikprodukt führte PFAS als Inhaltsstoff auf dem Etikett auf.

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Was sind PFAs und warum sind sie nicht nur in Make-up schädlich?

PFA ist die Kurzform für „per und polyfluorierte Alkylsubstanzen.“ 4.700 verschiedene Stoffe gehören zu dieser Gruppe wasser- und fettabweisender Substanzen. PFAs werden gerne für Funktionskleidung, Haushaltsgegenstände wie beispielsweise beschichtete Pfannen und eben auch für Kosmetikprodukte benutzt. Sie gelten als höchst Umwelt- und gesundheitsschädlich. So wird vermutet, dass die Stoffe das Risiko für bestimmte Krebs-, Asthma-, Schilddrüsenerkrankungen und eine Form der chronischen Darmentzündung erhöhen und das Risiko für Übergewicht und Unfruchtbarkeit steigern.

Mittlerweile sind PFAs in Trinkwasser und Erde, in unseren Nahrungsmitteln und sogar dem menschlichen Blut zu finden. Weil sich diese Substanzen besonders langsam abbauen, gelten sie als als „Chemikalien für die Ewigkeit.“ 

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Wie erkenne ich, dass Kosmetikprodukte unbedenklich und frei von PFAs sind?

Wer sich sicher sein möchte, dass die eigenen Kosmetika keine schädlichen Inhaltsstoffe enthalten, kann bestimmte Apps wie ToxFox oder CodeCheck benutzen. Über die Smartphone-Kamera wird einfach das Etikett des Produkts gescannt. Die App zeigt an, ob darin bedenkliche Substanzen enthalten sind. Außerdem hilfreich: Auf Naturkosmetik oder Clean-Beauty-Produkte setzen. Diese verzichten meist auch auf Stoffe wie Parabene, Silikone und Mikroplastik.

Übrigens: die Supermarktkette Coop hat in Dänemark schon 2019 den Verkauf von Körperpflege und Kosmetikprodukten verboten, die PFAs enthalten. Dem Einzelhandelsunternehmen waren die mögliche Risiken auf Mensch und Natur zu hoch. Lässt sich nur hoffen, dass die neue Studie aus den USA auch ein Umdenken bei Kosmetikfirmen selbst bewirkt.