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Von wegen Frauenproblem!

So anstrengend kann Mann in den Wechseljahren sein

Mann in den Wechseljahren
Ihr Mann kann in seinen Wechseljahren zeitweise ein anderer sein. STYLEBOOK erklärt, auf welche Verhaltensauffälligkeiten Sie sich jetzt einstellen sollten.Foto: iStock_laflor

Frauen und ihre Hitzewallungen – da können männliche Beobachter oft nur süffisant lächeln. Dabei ahnen sie wohl nicht, wie auffällig und mitunter amüsant ihre eigenen Wechseljahres-Symptome sich für uns darstellen. STYLEBOOK hat ein paar deutliche Anzeichen darauf ausgemacht, dass Ihr Mann gerade diese ganz bestimmte Phase durchlebt.

Auch Männer kommen in eine Art Wechseljahre

„Männer kommen doch gar nicht in die Wechseljahre“? Ein Irrglaube: Denn natürlich machen auch Männer altersbedingte hormonelle Umstellungen durch, die eine Reihe körperlicher Veränderungen mitbringen. Über die Begrifflichkeit mögen Experten noch streiten – oft ist auch vom Testosteron-Mangel-Syndrom die Rede.

Erste Symptome schon mit 40 möglich

Der Testosteronrückgang beim Mann findet schleichend statt, und das schon ab etwa Mitte, Ende 30, also zu einem recht frühen Zeitpunkt. Kurz darauf könnten auch schon erste Anzeichen auf beginnende Wechseljahre auftreten. Dazu zählen:

1. Nervosität und Konzentrationsschwächen

Früher die Ruhe ihn Person, bringen ihn seit einer Weile schon Kleinigkeiten aus dem Konzept? Ein deutliches Zeichen für Männer-Wechseljahre. Er scheint, nicht still sitzen zu können, wirkt ständig etwas aufgewühlt – phasenweise fast schon ängstlich bis panisch. Weiterhin nehmen seine Konzentrationsfähigkeit und Gedächtnisleistung nach.

Das hat im Wesentlichen etwas mit den hormonellen Verschiebungen zu tun. Doch auch die Erkenntnis darüber, dass sich gerade Dinge (zum Negativen) verändern, dürften hier hineinspielen. Was Sie jetzt tun können: öfter mal tief durchatmen und die Rolle der Vernunft übernehmen. Nacken- und Rückenkraulen hat immer eine beruhigende Wirkung.

2. Veränderte Körperformen

Die Arme werden schmaler, das Bäuchlein üppiger? Typisch für einen Mann in den Wechseljahren. Aufgrund des Testosteronrückgangs lagert sich mit zunehmendem Alter mehr Bauchfett ein, die Muskelmasse baut sich ab (Fachbegriff: Sarkopenie) und der gesamte Stoffwechsel wird langsamer. Das heißt einerseits, dass er bei gleicher Nahrungsmenge wie früher stärker ansetzt und andererseits mehr im Fitnessstudio schwitzen und pumpen muss, um Erfolge beim Abnehmen oder Muskelaufbau zu sehen.

Die Muskeln sind jetzt eh öfter ein Thema. Während er früher noch locker zwei Getränkekästen die Treppen hochgetragen hätte, kommt er heute schon mit weniger Gepäck ordentlich aus der Puste. Tun Sie am besten so, als würden Sie das gar nicht so wahrnehmen. Umgekehrt kann ein Lob für eine erfolgreich abgeschlossene Reparatur oder vergleichbare Leistung im Haushalt nicht schaden.

3. Verminderte Libido

Sex wird seltener. Durch den Hormonrückgang hat er insgesamt weniger Lust, und wenn es doch mal dazu kommt, ist er weitaus weniger engagiert als früher. Die Potenz lässt eben nach. Dabei wäre Sex eigentlich das beste Gegenmittel, denn mit regelmäßigen Samenergüssen lässt sich die Testosteronproduktion wieder ankurbeln. Umgekehrt droht durch dauerhafte Sexlosigkeit das vollständig Aus der Libido.

Auch interessant: Durch Sex abnehmen – geht das wirklich?

Jetzt sind Sie am Zug: Zeigen Sie Ihrem Mann, dass er begehrenswert ist, und geben eben öfter die Verführerin. Dann kommen Sie nicht bloß selbst auf Ihre Kosten, sondern verbessern ganz nebenbei auch die allgemeine Verfassung Ihres leidenden Mannes (mehr dazu, unten).

4. Er braucht „mehr Ruhe“

Arbeit, Freizeit – das Leben als solches strengt ihn mehr an, deshalb schürzt Ihr Mann öfter ein Bedürfnis nach Ruhe vor. Das hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass sich sein subjektives Gesundheitsempfinden verändert. Er hat mehr Zipperlein (Gelenk- und Rückenschmerzen) und wird auch deshalb insgesamt etwas quengelig. Wo früher Tatendrang und Unternehmungslist war, ist jetzt Müdigkeit. Ihr Mann schläft nachts nicht mehr so gut (typisches Wechseljahres-Symptom: Schlafstörungen), doch möchte sich dafür im Tagesverlauf immer wieder hinlegen und Schlaf nachholen.

Stellen Sie sich darauf ein, dass gemeinsames Ausgehen seltener wird und er sich etwas wortkarger antwortet, wenn Sie ihm von Ihrem Tag berichten wollen. Machen Sie das Beste draus und nutzen Sie die Zeit für sich selbst oder Verabredungen mit Freundinnen.

5. Hitzewallungen

Richtig gelesen: Damit sind Frauen in den Wechseljahren nicht alleine! Auch Ihr Mann wird früher oder später die Erfahrung von Hitzewallungen und unvermittelten Schweißausbrüchen machen, und zunächst wohl verzweifelt am Heizungsregler herumdrehen. Sollten Sie ihn aufklären wollen – gehen Sie bitte behutsam vor. Die Gewissheit darüber, dass das wohl bekannteste Menopause-Symptom auch Männer nicht verschont, muss erstmal realisiert werden.

Auch interessant: Woran merke ich, dass ich in den Wechseljahren bin?

6. Drang nach Veränderung

Die Wechseljahre lassen Ihren Mann denken, er habe den Höhepunkt des Lebens überschritten (Stichwort „Midlife-Crisis“). Das kann anfänglich zu depressiven Verstimmungen führen, doch dann auch recht bald in einen überzogenen Veränderungsdrang umschwenken. Er probiert neue Looks aus, geht zum Friseur, vielleicht kauft er sich auch tatsächlich ein neues Auto.

Keine Sorge: Diese Phase geht wieder vorbei. Und ein bisschen können Sie ihm auch dabei helfen.

Kann man die Wechseljahre des Mannes behandeln?

Anders als bei Frauen, die ihren Wechseljahresbeschwerden häufig per Hormonersatztherapie begegnen, kommt entsprechende Maßnahme beim Mann nur in schwerwiegenden Fällen in Frage. Es lassen sich aber bestimmte einzelne Symptome behandeln, etwa die Erektionsprobleme mithilfe von Potenzmitteln.

Viel wichtiger ist aber jetzt der mentale Aufbau Ihres leidenden Mannes. Versuchen Sie, sein angeknackstes Selbstwertgefühl wieder aufzupeppeln, und zeigen Sie ihm auf, wie wertvoll er ist. Gleichzeitig soll er die Freiräume bekommen, die er sich erbittet. Nehmen Sie seine Situation ernst – auch wenn manches Gequengel Ihnen etwas überzogen vorkommen mag. Letztendlich geht es um Akzeptanz der Situation, der Veränderung und neuen Lebensumstände. Je früher Sie das Ganze durchgesprochen haben, desto eher ist auch wieder Normalität eingekehrt.

Quelle

– mit fachlicher Beratung von Dr. med. Christoph Pies, Urologe und Buchautor (u. a. „Männer Ü 50: Das Praxis-Handbuch zu den „männlichen“ Wechseljahren)

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