„Wasteless Hero“

Bloggerin erzählt: »So ist mein Leben ohne Plastikmüll

Wasteless Hero
Ein Leben ohne unnötigen Plastikmüll? Bloggerin Anke Schmidt zeigt auf allen Kanälen, dass das gar nicht so schwer umzusetzen ist
Foto: https://www.instagram.com/wasteless_hero | Collage: Stylebook

Anke Schmidt hatte genug von der Wegwerfkultur und lebt seit nunmehr drei Jahren ohne Verpackungsmüll. Ihre Mission: Als „Wateless Hero“ aufzuzeigen, dass es gar nicht so schwer ist, Plastik & Co. aus dem Alltag zu verbannen. Ein Interview über Nachhaltigkeit, Umdenken und das gute Gefühl, unnötigen Ballast abzuwerfen.

Laut dem Umweltbundesamt produziert jeder Deutsche pro Jahr über 220 Kilo Verpackungsmüll – eine Zahl, die alarmiert. Aber welche Wege gibt es, diese Riesen-Menge zu reduzieren, ohne dass dabei Lebensqualität flöten geht und unser Alltag unglaublich kompliziert und anstrengend wird? Diese Frage stellte sich die Kölnerin Anke Schmidt bereits vor sechs Jahren, vor drei Jahren beschloss sie dann, das Thema richtig anzugehen. Seitdem dokumentiert sie ihr „Zero-Waste-Projekt“ aka „Wasteless Hero“ auf Instagram, Youtube und ihrem Blog. STYLEBOOK sprach mit der 32-Jährigen über ihre Erfahrungen. Kleiner Spoiler vorweg: Ohne Verpackungsmüll ist das Leben im wahrsten Sinne des Wortes eines: leichter.

Was war der Auslöser, der zu deinem Entschluss führte, ein „Wasteless Hero“ zu werden? 

Als ich von der österreichischen Familie Krautwaschl hörte, die 2010 mit die ersten waren, die das Plastikfrei-Experiment wagten, fing ich an, mehr und mehr über das Thema nachzudenken. Mit der Zeit wurde mir immer bewusster, dass überall Plastik ist, dass alles in Plastik verpackt ist. Zunächst haben mein Freund und ich versucht, unseren Verbrauch nur zu reduzieren, doch dann beschlossen wir, dass wir das jetzt richtig durchziehen wollen.

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Bei welchen Situationen ist dir das Vermeiden überraschend leicht gefallen, wann war es besonders schwer? 

Super einfach war es für uns, im Badezimmer zu starten. Ein festes Seifenstück statt Flüssigseife, festes Shampoo, das ohnehin viel besser für die Haare ist und Zahnputz-Tabletten statt Zahnpasta. Und ganz einfach die alte Plastikzahnbürste gegen eine aus Bambus austauschen. Das alles bieten mittlerweile Unverpackt-Läden an, die es zum Glück in immer mehr Städten gibt. Die Küche und der Kühlschrank dagegen stellten eine größere Herausforderung dar. Besonders das Frühstück, weil wir so gerne Frischkäse essen und den gab es damals noch nicht ohne Verpackung.

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Für alle zerowaste Anfänger ist das der womöglich einfachste Schritt: Nutzt Bambuszahnbürsten anstatt Plastikzahnbürsten. Die haben den Vorteil das sie meist in Recyclingpapier verpackt sind und zudem ist Bambus ein natürlicher Rohstoff. Es gibt mittlerweile 1 Firma deren Borsten komplett ohne Erdöl auskommen. Das werde ich testen. Letztes Jahr hatte ich einige Firmen angeschrieben und da war meist immer noch ein kleiner Teil Nylon enthalten. Auch das der Bambus lange Transportwege hat ist noch nicht optimal. Auch daran arbeiten manche Firmen schon. Mehr dazu in meiner Story. Dennoch sind die Bambuszahnbürsten eine gute Alternative! #ecoblogger #zerowastetips #wasteless #zerowastehome #zerowasteliving #ourplanetourhome #mygreenaction #plastikfrei #wastelesshero #zerowastebadezimmer #bambuszahnbürste

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Und was ist zum Beispiel mit Klopapier oder Sonnencreme? 

Wir nutzen eine Podusche. Die ist richtig super und viel gründlicher. Alternativ kaufen wir Recycling-Klopapier aus Bambus. Sonnencreme brauchen wir kaum noch, weil wir beschlossen haben, uns möglichst nicht mehr der prallen Sonne aussetzen. Unser Baby bekommt trotzdem eine, allerdings mineralienbasiert aus dem Bioladen. Mittlerweile bieten auch Unverpackt-Läden Sonnencreme zum Abfüllen in mitgebrachte Behälter ab. Und was Windeln betrifft: Ich benutze Stoffwindeln wie viele Mütter-Generationen vor mir auch. Der Effekt dabei ist nicht nur weniger Müll, sondern wir sparen auch sehr viel Geld.

Um mal auf ein Lady-Thema zu kommen: Was ist dein Favorit – Moon-Cup oder Menstruation-Schlüpfer? 

Beides ist super, ich nutze aber doch mehr die Menstruations-Tasse. Der Vorteil bei den Schlüpfern ist, dass ich nicht mehr so viel übers Wechseln nachdenken muss, allerdings sind sie auch nicht ganz billig.

Auch interessant: Ich habe die Perioden-Unterwäsche getestet – und so war’s!

Welche Beauty-Produkte stellst du mittlerweile selbst her? Und hast du das Gefühl, dass sie der Haut besser tun als herkömmliche Drogerie-Produkte?

Mein Deo mache ich aus drei Zutaten: Natron, Limettenöl und Wasser (hier geht’s zur Anleitung). Für die Haare verteile ich als Kur ein wenig Olivenöl in die Spitzen, meine Peelings mische ich ebenfalls selbst. Es braucht ein wenig Umgewöhnungszeit, aber ich habe das Gefühl, dass Haut und Haare ohne die vielen unnötigen Zusatzstoffe, die ja in Drogerieprodukten sind, viel gepflegter und gesünder sind.  

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Heute geht's ums: Selbermachen. Früher fand ich Deo/Creme/etc. selber machen nie garnicht so cool. Ich dachte das wäre mega aufwendig und umständlich. Letzte Woche habe ich das erste Mal Seife selbst gemacht und fand es echt easy! Und das Allerbeste: Ich weiß was in meiner selbstgemachten Seife drin ist. Öle/Sheabutter/Lauge. Ich werde das jetzt dennoch nicht immer selber machen, ich kauf mir das lieber von Menschen die das aus ganzem Herzen tun. Denn die möchte ich unterstützen. Seit ungefähr 2 Jahren machen wir ein paar Dinge selbst wie Deo. Ich mag vor allem wie einfach das geht und das ich immer weiß was drin ist. Vorher habe ich immer die Inhaltsstoffe von den gekauften Produkten checken müssen, die Zeit spare ich mir jetzt😁😁😁und mal ganz ehrlich, wer hat schon Bock die alle rauszusuchen?

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Gibt es irgendein Produkt, das als herkömmliche „Plastik-Variante“ der müllfreien Alternative immer noch überlegen ist?  

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Was sind deine Anfängerinnen-Tipps für zukünftige Wasteless Heros? 

Erst einmal alles wie Shampoo und Spülung aufbrauchen und dann nach und nach ersetzen. Und sich die Zeit nehmen, sich zu selbst fragen: Was kann ich ohne Plastik kaufen? Die Unverpackt-Läden machen es einem da mittlerweile ziemlich leicht. Daneben sollte man sich angewöhnen, Obst und Gemüse auf dem Wochenmarkt statt im Supermarkt zu kaufen. Immer zwei Stoffbeutel dabei haben, auch für die Brötchen vom Bäcker, eine Blechdose, ein Stofftaschentuch sowie Trinkflasche – das sind die wichtigsten Gadgets. Und der wirklich leichteste Schritt: einen „Keine Werbung“-Aufkleber auf den Briefkasten pappen.

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#nachhaltigreisen 🌱🌍 Der Tipp Nummer 1: Immer ein Glas dabei haben. Ich bin mal ehrlich. Hier wo wir gerade sind gibt es keinen unverpackt Laden. Saisonales Gemüse und Obst ist auch wenig vertreten, aus eigenem Anbau, denn hier gibt es eher Milch, Käse und Fleisch aus regionaler Erzeugung. Achja der Wochenmarkt ist auch nur 1 Mal pro Woche, da waren wir noch nicht hier. Also kaufen wir im Standard-Supermarkt. Ein bisschen Bio gibt es immerhin und ein Reformhaus auch. Umso größer war unsere Freude als wir den kleinen türkischen "Supermarkt" gestern besucht haben. Letztes Jahr war ich schon mal hier und habt mich nicht getraut zu fragen ob die meine Gläser befüllen. Mag auch daran gelegen haben, dass ich Herrn Baby draußen vor der Tür stehen lassen musste, wegen der Stufen. 👶😲 Gestern habe ich sofort gefragt, ob die Nüsse auch in unser Glas gefüllt werden können und er meinte "Klar. Ich mach einfach Tara dann geht das.". Mega coolio ey!!! Dazu haben die eine riesen Auswahl an Gemüse, auch Mairübchen. Richtig fett! Also überwindet euch einfach und fragt😀. Und das Lustigste für mich ist, wie unfassbar ich mich über Nüsse und eine riesen Auswahl an Gemüse freue. Vor 3 Jahren noch, hätte ich mich mehr über Schokolade gefreut 😁😀. Wenn man im Winter fast nur Kartoffeln, Rote Beete und Möhren isst, dann hüpft das Herz im März (ja April reimt sich grade nicht), beim Anblick von Radieschen… kleiner Scherz. 😆🥰🌱 Herr Baby liebt die Teile übrigens auch und er hat eben eine Mini-Gurke komplett weggesnackt.

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Neben viel weniger Müll – wie hat dich dein „Wasteless Hero Projekt“ persönlich verändert?

Ich bin selbstbewusster geworden, weil ich dafür einstehe, was ich tue. Und ich bin freier. Viele fragen mich: Hast du nicht das Gefühl, auf etwas zu verzichten? Nein, im Gegenteil, ich lebe mit viel weniger Ballast, muss weniger zeitraubende Entscheidungen fällen. Außerdem lebe ich bewusster. Bewusster dafür, welche Auswirkungen mein eigenes Verhalten hat. Ich habe gemerkt, wie achtlos ich vorher konsumiert habe und wie normal ich das fand. Das Wasteless-Leben fühlt sich auf jeden Fall viel besser an. Und noch etwas: Es ist gar nicht nötig mit erhobenen Zeigefinger durch die Welt zu gehen und Überzeugungsarbeit zu leisten, die allermeisten Menschen wissen bereits, wie problematisch der ganze Müll ist. Es hapert nur an der Umsetzung und so kommen viele von ganz allein auf mich zu und fragen um Rat. Und darum geht es mir schließlich.