Während die Frauen durchstarten

Warum gibt es so wenige männliche Plus-Size-Models?

Plus-Size-Model
Der US-Amerikaner Josh Ostrovsky hat ein paar Kilos mehr drauf als seine männlichen Model-Kollegen. Na, und?! Bekannt geworden ist er unter dem Namen „The Fat Jew“, unter dem er auch Musik und Comedy macht
Foto: Getty Images

Wetten, dass Sie daran scheitern, mindestens ein männliches Plus-Size-Model zu nennen! Genau. Die weiblichen Kollegen sind in dieser Konfektionsgröße viel präsenter. Warum eigentlich? STYLEBOOK machte den Branchen-Check.

Während in der Damenwelt die Plattform für Body-Positivity durch Models wie Ashley Graham (29) und Angelina Kirsch (29) oder Sängerinnen wie Meghan Trainor (23) immer größer wird, scheint es bei den Männern nicht ganz so schnell voran zu gehen. Dass Frauen keinesfalls Size Zero tragen müssen, sondern Kurven zeigen dürfen, dringt so langsam auch bei den Modelabels durch. Aber müssen Männer etwa immer noch Sixpack und muskulöse Oberarm vorweisen, um ein Produkt an den durchschnittlichen Mann zu bringen, der wie Studien ergeben haben, immer größer, breiter und schwerer wird?

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Frauen dominieren die Mode

„Mit der Konfektionsgröße hat der Mangel an männlichen Stars im Fashion-Bereich sicher nichts zu tun“, glaubt Claus Fleissner (39) aus Frankfurt am Main, „denn Modeln ist eben eine der Domänen, in der Frauen die Hosen anhaben.“ Er betreibt den Blog „Extra Inches“und zeigt, dass sich Plus Size und Mode keinesfalls ausschließen müssen. In seinen Blogposts sind Outfit-Ideen für unterschiedliche Anlässe zu sehen, mal leger, mal für’s Büro, mal für den Strand. Männer mit ein paar Kilo zu viel auf den Rippen neigen häufig dazu, ihre Problemstellen mit gedeckten Farben und übergroßen Oberteilen zu kaschieren. Claus Fleissner möchte genau dem entgegenwirken: Er setzt auf Farbe, auffällige Kombinationen und Accessoires.

Auf seinem Blog listet er eine Übersicht von Shops mit Übergrößen, die er stets erweitert. Gigi Hadid (22), Kendall Jenner (21) und Cara Delevingne (24) kennt jeder, doch was ist mit den männlichen Pendants? „Zu Zeiten der Supermodels gab es einen großen Namen, nämlich Marcus Schenkenberg“, erinnert sich Fleissner. Heutzutage sind es eher Schauspieler, Musiker und Fußballer, die in Werbekampagnen zu sehen sind.

Marcus Schenkenberg

Marcus Schenkenberg ist das wohl bekannteste Male-Model der Welt. Der Schwede mit niederländischen Wurzeln startete seine Karriere in den frühen 90er-Jahren mit einer Calvin Klein-Kampagne. Seine Nachfolger von heute tun sich mit so einem Bekanntheitsgrad allerdings schwer
Foto: Getty Images

Der modebewusste Blogger und Instagramer („extra_inches_plussizeblog“) lässt sich davon aber nicht blenden. „Ich habe meinen Körper immer akzeptiert und mich nicht versteckt“, erzählt er und möchte diejenigen, die sich nicht so wohl fühlen ermutigen. Man könne immer etwas an sich ändern und sich nicht den Kopf darüber zerbrechen, ob man dem vermeintlichen Ideal der Gesellschaft entspricht. „Selbstbewusstsein kann man leider nicht kaufen, aber lernen“, findet er. Ein Patentrezept dafür hat er leider nicht, aber unter jeden seiner Blogeinträge schreibt er „Accept your Extra Inches – love yourself“, akzeptiere dich, liebe dich.

Wann kommt die Catwalk-Revulotion?

Durch Zach Miko, der 2015 als erster Mann ohne „Idealmaße“ einen Vertrag bei der renommierten Agentur IMG ergattern konnte, scheint sich jedoch Einiges in der Branche getan zu haben. Die geringe Aufmerksamkeit für Plus-Size-Models mag daran liegen, dass der modebewusste Mann ungeachtet seiner Konfektionsgröße noch nicht so richtig in das Visier der Mode-Industrie geraten ist. Weder in Werbung noch in den Geschäften wird in vollem Umfang auf die Bedürfnisse von Männer außerhalb des „idealen Spektrums“ reagiert und Models wie Claus Fleissner sind die ersten Boten einer hoffentlich wachsenden Bewegung, Männer jeglicher Größen in der Modewelt zu integrieren.

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