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Nachgefragt!

Wie schmerzhaft ist ein Septum? Trend-Piercing im Check

Frau mit Septum
Das Septum-Piercing steht gerade wieder hoch im Kurs – aber sollte man vor dem Stechen wissen? STYLEBOOK klärt auf.Foto: Getty Images

Man liebt es, oder man hasst es: Die Rede ist von einem Septum-Piercing, das direkt durch die mittige Nasenscheidewand gestochen wird. Klingt schmerzhaft – aber ist es das wirklich? STYLEBOOK checkt, was es vor dem Termin im Piercing-Studio zu wissen gibt und wie die Septum-Nachsorge richtig geht.

„Septum“ ist eigentlich nur die Bezeichnung für eine Trenn- oder Scheidewand im Körper. Dass der Begriff mittlerweile gleichbedeutend mit dem Piercing verwendet wird, dürfte dem Umstand geschuldet sein, dass es direkt durch die Nasenscheidewand (lat. Septum nasi) gestochen wird – und man es sich im Sprachgebrauch gerne einfach macht. Mittlerweile hat sich der mittig platzierte Nasenring zu einem echten Trend-Accessoire entwickelt, tatsächlich hat er aber eine weitreichende Vorgeschichte. So trugen unter anderem schon die Azteken und Maya Septum-Ringe, ebenso wie Krieger verschiedenster Stammesgesellschaften. Oftmals hatte der Körperschmuck religiöse Hintergründe, oder diente etwa zur Abschreckung von Feinden. Im westlichen Kulturkreis hingegen folgt das Septum-Piercing ausschließlich dekorativen Zwecken, erfreute sich vor allem in den 90ern großer Beliebtheit und ist jetzt seit einigen Jahren wieder zurück. STYLEBOOK fragte beim Tattoo- und Piercingstudio „The Needle“ in Osnabrück nach, was zukünftige Septum-Träger*innen wissen sollten.

Für wen eignet sich ein Septum – für wen nicht?

Theoretisch steht ein Septum-Piercing jeder bzw. jedem. Optimal platziert lässt es das Gesicht symmetrischer wirken und ist einfach ein schöner Eyecatcher. Problematisch wird es allerdings, wenn die Nase schon einmal gebrochen war und/oder die Mittelscheidewand ohnehin nicht ganz gerade ist. Die ist für ein schönes Septum-Piercing ganz entscheidend, wie uns auch die Piercing-Profis bestätigen. Werden individuelle Unebenheiten nicht berücksichtigt, kann das Septum-Piercing ganz schnell schief wirken und hat den gegenteiligen Effekt: Das Gesicht erscheint unsymmetrischer. Deshalb ist eine umfassende Beratung mit dem oder der Piercer*in des Vertrauens vorab essentiell. Ein erfahrener Profi kann genau einschätzen, wie das Piercing platziert werden muss, um letztlich gerade und stimmig auszusehen.

Was gibt es beim Piercen zu beachten?

Das Piercing wird mit Hilfe einer speziellen Klemmzange gestochen. Die Nasenscheidewand wird zunächst zwischen dem Zangenkopf eingeklemmt. Dann wird justiert, bis alles möglichst gerade ist. Anschließend folgt die Nadel, die durch die Löcher in der Zange (und eben auch durch die Nasenscheidewand) gestochen wird. Im Normalfall sticht der Piercer dabei durch die knorpelfreie Zone in der Scheidewand – die können Sie ganz einfach mit Daumen und Zeigefinger bei sich ertasten. Durch Knorpel wird das Septum der Regel nicht gestochen, außer die Anatomie der Nase erfordert es. „Beim Septum-Piercing gibt es auch keine Risiken, außer es wird falsch gestochen“, erklären die Expert*innen.

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Wie schmerzhaft ist ein Septum-Piercing?

Eine lange Nadel, die direkt durch die unbetäubte Nasenscheidewand gepiekst wird – klingt ziemlich unangenehm. So schlimm ist es in den meisten Fällen aber gar nicht. „Das Septum ist eins der unschmerzhaftesten Piercings, die man stechen lassen kann“, beruhigen die Profis von „The Needle.“ Natürlich ist das auch von der individuellen Schmerztoleranz abhängig. Aber wird durch die knorpelfreie Zone gestochen, fällt der Schmerz eher moderat aus, „vergleichbar mit dem Stechen von Ohrlöchern“. Allerdings kann es passieren, dass einem dabei die Tränen in die Augen schießen – eher nicht aufgrund des Schmerzes, sondern weil entlang der Nase Tränenkanäle und jede Menge Nerven verlaufen. Wird hingegen ein Knorpel von der Nadel durchbohrt, kann es ziemlich schmerzhaft werden. Im Idealfall sollte das aber nicht passieren – auch, weil es dann im Heilungsprozess eher zu Komplikationen kommen kann.

Was kostet ein Septum?

Je nach Studio muss man für ein Septum-Piercing zwischen 40 und 70 Euro hinblättern. Darin enthalten sind Beratung, das Stechen selbst und ein erstes Schmuckstück – in der Regel ein relativ großes und vor allem nickelfreies Hufeisen, damit das Loch gut verheilen kann. Für Septum-Ringe, die nach dem Verheilen eingesetzt werden, ist die Preisgrenze nach oben offen. In jedem Fall sollten Sie zu hochwertigen Schmuckstücken greifen, damit sich nichts entzündet.

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Wie wird das Piercing richtig gepflegt?

„Der Erstschmuck sollte für acht bis zwölf Wochen in der Nase bleiben“, erklären uns die Piercing-Profis. In den ersten zehn Tagen sollte das neue Piercing zwei Mal täglich, morgens und abends, mit Kochsalzlösung und einem Wattestäbchen gereinigt werden. Treten keine Beschwerden auf, kann der Erstschmuck nach Ablauf der acht bis zwölf Wochen und einer Nachkontrolle im Studio gewechselt werden. Dabei bitte auf den Profi vertrauen und nicht selbst Hand anlegen, weil das den Wundkanal stark belasten kann! Und ganz wichtig: „Krusten dran lassen und nicht am Piercing drum drehen!“, raten die Expert*innen. 

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Der große Vorteil vom Septum

Die meisten Piercings haben einen ganz entscheidenden Nachteil: Hat man keine Lust mehr auf den Körperschmuck, bleibt das abgeheilte Loch oft für immer sichtbar. Da das Septum-Piercing in der Nase gestochen wird, fällt dieses Problem weg, das Loch ist ohnehin versteckt. Möchte man den Schmuck mal nicht sichtbar tragen, kann man auch einfach zu einem Hufeisen-Ring greifen, ihn hoch in die Nase klappen und schon merkt niemand, dass die Nase gepierced ist. Wird dabei ein mittelgroßes Hufeisen gewählt, spürt man den hochgeklappten Fremdkörper nicht unangenehm in der Nase. Und auch, wenn Sie sich komplett von Ihrem Septum verabschieden wollen ist das möglich, ohne dass ein äußerlich sichtbares Loch zurückbleibt.

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Gleichzeitig macht die Septum-Position es auch ganz einfach möglich, mit einem Fake-Piercing zu schummeln. Bei einem seitlichen Nasenring etwa würde ein Klemm-Ring mit seinen dickeren Enden immer als Mogelpackung auffallen. Da beim Septum das Loch ohnehin in der Nase verborgen ist, fallen die verräterischen Fake-Piercing-Enden so nicht auf – perfekt für all jene, die noch unentschlossen sind.

Meine persönliche Erfahrung mit einem Septum-Piercing: Mein Septum-Piercing habe ich mir vor sechs Jahren stechen lassen und es nie bereut. Das Stechen war nicht schmerzhafter als ein kurzer Kniff in den Arm, die Abheilung war auch kein Problem – trotz Erkältung kurz nach meinem Termin im Piercing-Studio. Und obwohl ich es derzeit kaum bis nie offen trage, ist es toll, die Möglichkeit zu haben, das Schmuckstück von Zeit zu Zeit rauszuholen und meinen Look so zu verändern. Das Beste: Das Loch wächst nicht mehr zu, aber keiner sieht’s. Wenn ich es nicht will, weiß auch keiner, dass es überhaupt existiert – für mich das ideale Piercing!

Anna-Lena Osterburg, Redakteurin STYLEBOOK