Mit Tipps vom Orthopäden

Wie flache Schuhe den Füßen schaden können

Frau mit Flip-Flops, Ballerinas, Sandalen, Sneaker
Flip-Flops, Sandalen und Ballerinas gehören für viele zum Sommer dazu. Unserer Fußgesundheit tun wir damit aber keinen Gefallen.
Foto: Getty Images

Ballerina, Flip Flops und Sandalen – flache Schuhe werden mittlerweile zu allem kombiniert. Auch deshalb, weil High Heels wegen ihrer schädlichen Auswirkungen auf die Fuß-Gesundheit in Verruf geraten sind. Doch was viele nicht wissen: Auch Flats, ja sogar Sneaker, können ungesund sein. STYLEBOOK sprach mit einem Experten.

Grundsätzlich gilt, dass sich die Probleme nicht einfach pauschalisieren lassen, da jeder eine ganz individuelle Fußstellung und gesundheitliche Voraussetzung hat. „Wer eine gute Fußstatik und auch eine gute Fußmuskulatur hat, hat weniger Probleme mit flachen Schuhen. Viele Menschen haben allerdings eine Fehlstellung. Bieten die Schuhe keinen Halt, kommt es zu Überlastungen im Fuß, eben auch bei flachen Schuhen“, so Dr. Mathias Schettle, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, vom Marianowicz Medizin Zentrum in München. Er rät deshalb, bei Schmerzen oder Haltungsschäden immer einen Orthopäden aufzusuchen.

Fakt 1: Infektionen werden begünstigt

Flache Schuhe, wie Ballerinas sind oftmals schmal und filigran geschnitten. Nicht zuletzt, um ihrem Namen gerecht zu werden. Das Problem: Die Zehen werden eng zusammengepresst, wodurch sie aneinander reiben und extrem schwitzen. Somit besteht, abgesehen von schmerzenden Blasen, auch die Gefahr für Infektionen. Daher sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass der ganze Fuß gut atmen kann. Je nach Material können sich auch in Flip-Flops jede Menge Bakterien sammeln. Eine Untersuchung der „University of Miami“ hat ergeben, dass sich beim Tragen von Flip-Flops über 18.000 Bakterien auf den Füßen sammeln können. Hat der Flip-Flop-Träger nun kleine oder sogar große Verletzungen an den Füßen, können diese in die Wunden gelangen und dort im schlimmsten Fall zu fiesen Infektionen führen.

Fakt 2: Zehen können sich verformen

Orthopäden warnen seit Jahren vor Flip Flops als tägliches Schuhwerk in den Sommermonaten. Dadurch, dass die Schuhe bloß an dünnen Riemen über dem Vorderfuß hängen, müssen die Füße sie beim Gehen festhalten. Die Zehen krallen sich dabei zusammen. Das kann auf Dauer zu Fehlstellungen führen. Dies stellte auch die Auburn University in Alabama fest. Für die Studie wurde der Gang von 39 Probanden analysiert. Sobald die Teilnehmer Flip Flops trugen, versuchten sie krampfhaft die Plastiksandalen mit den Zehen festzuhalten. Hinzu kommt, dass sich die Füße beim Laufen nicht normal abrollen können. Wegen der fehlenden Dämpfung der flachen Schuhe können die Gelenke Schaden nehmen, so die Forscher. So können zum Beispiel Knieschmerzen die Folge zu häufigen Flip Flop Gebrauchs sein.

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Fakt 3: Sneaker geben keinen Halt

Keine Angst, wir reden hier nicht von Hightech-Fitness-Turnschuhen, die mit ausreichend Dämpfung und gutem Fußbett für optimalen Halt und guten Support sorgen. Gemeint sind trendige Turnschuhe (z. B. Chucks oder Vans) mit flacher und extrem flexibler Gummisohle, die keinen Halt geben und alles andere als gesund sind. Ähnlich wie Ballerinas unterstützen auch sie mit extrem flachen Sohlen nicht die natürliche Form des Fußes, die Belastung wird hauptsächlich auf die Ferse verlagert und nicht auf Mittelfuß und Knöchel, was ideal wäre.

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Fakt 4: Schmerzen beim Laufen bis hin zu Plantarfasziitis

Ganz flache Schuhe, wie z. B. Ballerinas oder Schnürer, unterstützen das natürliche Gewölbe der Füße nicht, weshalb diese beim Gehen doppelt so viel arbeiten müssen. Die fehlende Dämpfung bei Flats kann zu Schmerzen im Fußgewölbe, Entzündungen der Knochenhaut im Schienbein und zu rissigen Fersen führen. Auch langfristige Haltungsschäden sind die Ursache flacher, harter Sohlen. Gerade ab einem gewissen Alter kann die Überbelastung zu Rissen und Entzündungen, wie die Plantarfasziitis führen. Diese ist eine Erkrankung der Sehnenplatte, die starke Schmerzen an der Fußsohle, insbesondere an der Ferse auslöst. Die Ursache erklärt Dr. Schettle wie folgt: „Eine entzündete Sehnenplatte ist meist die Folge einer Überbelastung. Der Skelettaufbau der Füße ist sehr komplex. Werden beim Gehen aufgrund von Fehlstellungen manche Stellen zu sehr belastet, kommt es zu besagter Entzündung.“ Besonders durch flache Schuhe entsteht eine permanente Überbelastung der Fersenpartie, da das Körpergewicht nicht mehr gleichmäßig verteilt ist, sondern nur von der Ferse aufgefangen wird.

Fakt 5: Flip Flops verursachen Rücken-, Hüft- und Knieprobleme

Flip Flops eilt in Sachen Bequemlichkeit ein guter Ruf voraus. Dabei sind die flachen Gummi-Schuhe für den menschlichen Fuß so schädlich wie fast kein anderer Schuh. Auf die Frage warum, erklärt Dr. Schettle: „Genau wie auch bei Ballerinas hat der Fuß in Flip Flops keinen Halt. Die natürliche Fußform wird nicht gestützt, wodurch nicht nur das Verletzungsrisiko, etwa durch Umknicken auf unebenem Untergrund, steigt. Hat der Träger eine Fehlstellung wird diese nur noch mehr gefördert. Auf Dauer ist das nicht nur schädlich für die Füße, sondern auch für die Beine, die Hüfte und sogar den unteren Rücken.“

Für Fans von flachen Schuhen rät der Experte:

► Es kommt auf die Höhe an

Eine Absatzhöhe von zwei Zentimetern soll die optimale Voraussetzung für einen gesunden Schuh sein. Wichtig: Der Absatz sollte nicht die magische Grenze von drei Zentimetern überschreiten. So entsteht eine perfekte Gewichtsverteilung auf Vorder- und Hinterfuß.

► Schuhe regelmäßig wechseln

Dr. Schettle empfiehlt, Schuhe regelmäßig zu wechseln – nicht nur die Höhe zu ändern, sondern auch das Modell. Im Idealfall gewöhnt sich der Fuß nicht an einen bestimmten Schuh und wird so täglich auf unterschiedliche Weise belastet. Das kann Fehlstellungen durch flache Schuhe zumindest vorbeugen.

► Fußmuskulatur stärken

► Schmerzlinderung und -vorbeugung

Sollten sie bereits eine Diagnose bekommen oder Schmerzen beim Gehen haben, empfiehlt Dr. Schettle in jedem Fall eine individuell angepasste, orthopädische Einlage. „Die Fehlstellung korrigieren kann man nicht mehr, aber zumindest vermeiden, dass sie sich weiter ausprägt“, so der Orthopäde. Kleinere Wehwehchen, wie brennende Ballen oder ein Rausrutschen der Ferse aus Schuhen, können mit gepolsterten Gummisohlen, handelsüblichen Einlagen oder Gel-Pads gestillt werden.

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► Maßschuhe

Klingt dekadent, ist aber auf Dauer nicht nur gesünder, sondern zahlt sich über die Jahre gerechnet auch aus: ein Paar maßangefertigte flache Schuhe. Zugegeben die Investition von circa 2.000 Euro (Folgepaare sind günstiger, weil der Leisten nur einmal angefertigt werden muss) und mehr klingt erst einmal happig. Aber: Bei einem Maßschuh kann man jedes Detail selbst bestimmen und man bekommt langjährige, treue Begleiter für die Füße, die optimal passen.

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